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Portrait

Mit Akribie zum Gipfel

Michael Schumacher, Sebastian Vettel und jetzt auch Nico Rosberg! Der Mercedes-Pilot krönt sich zum dritten deutschen Formel-1-Weltmeister. Kein Wunder - er bekam seine Rennbegeisterung schon mit in die Wiege gelegt.

Vater Keke war es schon, nun hat auch Sohn Nico den Formel-1-Thron bestiegen. Nico Rosberg ist neuer Weltmeister der Königsklasse im Motorsport und hat seinen "Kindheitstraum" endlich wahr werden lassen. Der Mercedes-Pilot sicherte sich am Sonntag beim Saisonfinale in Abu Dhabi den zweiten Platz hinter seinem Mercedes-Teamkollegen und letzten Titelrivalen Lewis Hamilton und gewann mit fünf Punkten Vorsprung die ersehnte Meisterschaft. "Wir haben es geschafft! Wir haben es geschafft!", brüllte Rosberg nach dem Zieleinlauf in den Boxenfunk. 

An den Rennstrecken der Welt zu Hause

Doch bis dahin war es ein langer Weg. Schon von klein auf begleitete Nico Rosberg gemeinsam mit seiner deutschen Mutter Sina seinen finnischen Vater Keke zu den verschiedensten Rennstrecken weltweit. Knapp zweieinhalb Jahre vor seiner Geburt am 27. Juni 1985 in Wiesbaden war Papa Keke Weltmeister geworden - mit der bis heute gültigen Minimal-Marke von nur einem einzigen Grand-Prix-Sieg aus 16 Rennen (1982).

Keke, Nico und Sina Rosberg (picture-alliance/dpa/dpaweb)

Papa Keke (l.) wurde 1982 F1-Weltmeister und nahm Sohn Nico (2.v.l.) und Mama Sina (r.) immer zu den Rennen mit

Nico wuchs in Monte Carlo, wo er heute seinen Hauptwohnsitz hat, und auf Mallorca auf. Mit neun Jahren bekam Rosberg junior sein erstes eigenes Kart geschenkt, mit zwölf Jahren fuhr er seinen ersten Sieg ein - als Gewinner der französischen Kart-Minime-Serie. Nach seinem Sieg vor elf Jahren in der GP2, der Nachwuchsklasse vor der Formel 1, wurde er 2006 von F 1-Teamchef Sir Frank Williams ins Formel-1-Cockpit befördert.

Fulminanter Start, langes Warten auf ersten Sieg

Nico machte es wie sein Vater und unterschrieb einen langfristigen Vertrag mit dem englischen Rennstall Williams. "Eine kürzere Vertragslaufzeit wäre mir lieber gewesen, aber ein Neuling nimmt, was er kriegen kann", sagte Rosberg damals in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). "Das Gehalt ist für einen 20-Jährigen Hammer, obwohl irgendwer sagte, es seien Peanuts." Gleich in seinem ersten Rennen gelang es ihm als erster F1-Neuling seit Kimi Räikönnen 2001, bei seinem Debüt auf Platz sieben und damit in die Punkte zu fahren. Zudem absolvierte er die schnellste Rennrunde - als jüngster Pilot der F1-Geschichte. Die Medien überschlugen sich. "So steigt ein Champion in die Formel 1 ein", schrieb der "Kicker", die "Stuttgarter Zeitung" bezeichnete ihn als "Rohdiamanten" und er selbst kündigte schon im Juli 2007 im Interview mit der "Welt" selbstbewusst an: "Ich habe das Potenzial, Weltmeister zu werden."

Deutschland Keke und Nico Rosberg 1995 (picture-alliance/dpa/dpaweb/J. Wießmann )

Letztes Rennen von Papa Keke bei der DTM - Sohn Nico hat da schon ein eigenes Kart

Vor sechs Jahren wechselte Rosberg dann zum Werksteam von Mercedes, als erster deutscher Fahrer im Silberpfeil-Cockpit seit 1995, stand dort aber wenig später im Schatten des übermächtigen Michael Schumacher, der sein Comeback für Mercedes feierte und fast die gesamte mediale Aufmerksamkeit auf sich zog. Doch Rosberg war erfolgreicher: Er beendete die Saison auf Rang sieben, Schumacher wurde Neunter. Auf seinen ersten Sieg musste Rosberg allerdings noch eine Weile warten, erst 2012, beim dritten Saisonrennen war es in China soweit. "Sehr glücklich, sehr cool. Im Silberpfeil zu gewinnen ist der Wahnsinn", kommentierte Rosberg gegenüber dem "Kicker". Es war zugleich der erste F1-Sieg für Mercedes seit 56 Jahren. Zum dritten Mal in Folge lag Rosberg am Ende der Saison im Gesamtklassement vor Schumacher.

Harte Konkurrenz: Hamilton kommt

2013 verpflichtete Mercedes dann mit Lewis Hamilton einen guten alten Bekannten Rosbergs: Die beiden waren 2000 und 2001 schon im selben Kart-Team angetreten. "Wir sind Freunde, trotz aller Rivalität", erklärte Rosberg damals der "FAZ". Beide Fahrer kämpften von Beginn verbissen um den Status des Nummer-eins-Piloten, nicht nur in dieser ersten Saison hatte Rosberg das Nachsehen. 

USA Austin Formel 1 Sieg Hamilton (Imago/LAT Photographic)

Erst Freunde, nun Rivalen: Rosberg (l.) und Hamilton (r.)

2014 schnappte sich Nico die Startnummer "6", mit der Papa Keke Rosberg 1982 zum Titel gerast war. Gleich im ersten Saisonrennen untermauerte er mit einem Start-Ziel-Sieg seine großen Ambitionen, doch Hamilton kam erneut besser in Schwung. Beide Piloten wurden in Topform zu verbissenen Konkurrenten. Beim Grand Prix von Belgien kam es zum Duell-Höhepunkt: Im Rennen von Spa touchierten sich die Silberpfeile. Hamilton fiel aus, Rosberg wurde von der Teamleitung allein für die Kollision verantwortlich gemacht. Zwischen den beiden Fahrern herrschte mittlerweile "eine Atmosphäre des Misstrauens", formulierte es die "Süddeutsche Zeitung". Hamilton schloss die Saison als Weltmeister ab, Rosberg wurde Zweiter. Die folgende Saison 2015 endete genauso - das  Duell der übermächtigen Silberpfeile entschied erneut Hamilton für sich.

Musterschüler gegen Verkehrsrowdy

Nun endlich hat sich das Blatt zugunsten Rosbergs gewendet: Zum ersten Mal steht er am Ende ganz oben und ist der dritte deutsche Weltmeister: Rosberg, der auch die finnische Staatsbürgerschaft besitzt, aber nach eigenen Angaben kein Wort Finnisch spricht - dafür aber fließend Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Seine Kraft ziehe er aus seiner Familie, sagte er kürzlich vor dem Rennen in den USA: "Ich reise hier an und habe ein Lächeln im Gesicht, weil ich wunderschöne Tage zuhause gehabt habe", berichtete ein strahlender Rosberg, Vater einer einjährigen Tochter. "Das ist ein Wahnsinnserlebnis. Vielleicht hat das auch einen Einfluss auf mich, solche Glücksgefühle zu haben." Seit 2003 ist er mit Vivian Sibold liiert, die er aus Kindertagen kennt. 2014 heiratete er seine langjährige Freundin in Monaco.

Rosberg, der bodenständige Sunnyboy, der seinen eigenen Gemüsegarten hegt und "die Gegenwart, den Moment, die Kleinigkeiten genießen" will, wie er der "FAZ" einmal sagte, gilt eher als Musterschüler denn als Verkehrsrowdy. Sein Fahrstil ist nicht so aggressiv wie der von Schumacher oder Hamilton, er erarbeitet sich den Erfolg gewissenhaft und akribisch, fährt eher mit Köpfchen als aus dem Bauch heraus. "Dass Nico ein sehr guter Fahrer ist, wissen wir. Seit drei Jahren zeigt er durchgehend großartige Leistungen im Qualifying", sagte kürzlich Mercedes-Technikchef Paddy Lowe: "Aber in diesem Jahr hat er auch seine Fähigkeiten im Rennen noch einmal verbessert, er ist viel stärker im Positionskampf." Das Quäntchen, das zum Titel gefehlt hat, ist nun erreicht - und Rosberg ist endlich auf dem Karrieregipfel angekommen.