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Deutschland

Mit Adleraugen auf Bombenjagd

Noch schärfere Kontrollen an deutschen Flughäfen? Bisher tun die Sicherheitskräfte ihr Bestes. Auch ohne Nacktscanner können sie den Fluggästen schon ordentlich auf den Zahn fühlen.

Ein Beamter des Bundesgrenzschutzes steht vor einem Lufthansa-Schalter (Foto: dpa)

Normaler Alltag am Flughafen Köln-Bonn: Menschenschlangen vor den Check-In-Schaltern, Berge von Gepäck, gediegene Hektik. Was die Fluggäste nicht sehen: Im Hintergrund sind Hunderte von Augenpaaren auf Monitore geheftet. Hier wird ganz genau registriert, was die Passagiere in ihren Taschen, Rucksäcken oder Koffern haben. Der sogenannte Fluggastkontrolldienst muss sieben Tage die Woche 24 Stunden lang einwandfrei funktionieren. Bei der geringsten Nachlässigkeit kann ein potentieller Attentäter durch die Lücke schlüpfen.

Alle werden durchleuchtet

Aber nicht nur die Fluggäste, sondern auch die Mitarbeiter werden kontrolliert. Egal, ob es die Duty-free-Kassiererin ist oder der Pilot oder das Bordpersonal. Alle werden tagtäglich überprüft. So werden auch die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes vor dem Betreten der sogenannten sensiblen Sicherheitszone gründlich durchleuchtet.

Personencheck am Flughafen (Foto: AP)

Die Wachleute sind konzentriert bei der Arbeit. Für diesen verantwortungsvollen Job gibt es eine ganz normale Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft. Vor dem Einsatz auf dem Flughafen wird jeder Anwärter allerdings ganz genau durchgecheckt. "Jeder, der einen Flughafenausweis haben möchte, muss bestimmte Angaben machen, und durch die Landesbehörden überprüft werden", erklärt Hauptkommissar Klaus Wirschke von der Bundespolizei. "Wobei es nicht relevant ist, ob jemand in seiner Vergangenheit mal zu schnell Auto gefahren ist oder falsch geparkt hat", fügt Wirschke hinzu. Bewerber jedoch, die schon mal wegen Taschendiebstahl aufgefallen sind, die würden eher nicht im Bereich Personenkontrolle eingesetzt.

Immer noch Ärger mit Flüssigkeiten

Der notwendige Sicherheitscheck ist manchmal eine lästige Prozedur. Oft muss man zum Beispiel seine Schuhe ausziehen, damit die Sohlen genau untersucht werden können. Seit November 2006 gilt EU-weit zudem die Flüssigkeitsverordnung. Vielflieger sind längst daran gewöhnt, dass sie keine Flüssigkeiten oder Cremes mehr im Handgepäck mit sich führen dürfen. Aber anderen passiert es immer noch. Dann gibt es Diskussionen, die Leute werden zurückgeschickt oder müssen die Sachen wegwerfen - und das hält den Verkehr natürlich auf.

Schild mit Sicherheitsbestimmungen für Flüssigkeiten im Handgepäck (Foto: AP)

Die Präsenz der Sicherheitskräfte ist nicht zu übersehen. Ein Passagier hat allein in der Nähe der Sicherheitsschleuse 28 Wachleute gezählt: "Die passen alle drauf auf, dass die Taschen auch korrekt gepackt sind." Er räumt ein, dass natürlich immer etwas durch irgendwelche Tricks passieren kann, aber eigentlich fühle er sich hier sehr sicher.

Herkunft macht noch keinen Verdächtigen

Während man in den USA darüber nachdenkt, mit Psychologen zu arbeiten, die die Fluggäste genau beobachten und mögliche Attentäter nur durch ihre Körpersprache identifizieren können, ist man in Deutschland etwas zurückhaltender. Hier gibt es keine Vorauswahl, erklärt Hauptkommissar Wirschke: "Wir werden 100 Prozent der Passagiere gleich behandeln - unabhängig davon, ob es vielleicht ein älteres Mütterchen ist, oder ob es jemand ist, der aus Asien kommt." So wird jeder Fluggast gleichermaßen kontrolliert - sowohl er als auch sein Gepäck.

Explosion im Stahlkasten

Präparierter Koffer in einem Durchleuchtungsgerät, wie es an Flughäfen eingesetzt wird (Quelle: Flughafen Düsseldorf International)

Unter dem Terminal rotieren mehr als eintausend Meter Gepäckband. Ein voll automatisches System sortiert die Koffer und Taschen und verteilt sie auf die entsprechenden Flugzeuge. Während dieser Prozedur werden die Gepäckstücke immer wieder von Röntgengeräten gecheckt. Erscheint auf dem Monitor ein verdächtiger Inhalt, wird sofort ein stiller Alarm ausgelöst, der Koffer wird rausgeholt und noch genauer durchleuchtet.

Ganz am Ende dieser Reisegepäck-Kontrollanlage steht ein riesiger Stahlkasten: das Sprengstoff-Detektionsgerät. Wenn hier ein verdächtiger Stoff lokalisiert wird, wird der Besitzer des Gepäckstückes ausgerufen. Wenn er schon im Flugzeug sitzt, wird er wieder herausgeholt. Er muss nämlich den Koffer selber öffnen. Kommt er nicht, holt man gleich den Bombenentschärfer. Und der ist in zwei Minuten da.

Autorin: Silke Wünsch

Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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