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Kultur

Mit 85 noch kein bisschen müde: Mario Adorf

Fast 200 Filme mit Auftritten als Raubein in legendären Schurkenrollen, aber auch als liebevoller Alter: Der Schauspieler Mario Adorf ist eine Legende. Vor kurzem konnte er seinen 85. Geburtstag feiern.

Er war der Mörder von Winnetou. Das haben ihm viele bis heute nicht verziehen. Und er hat sich auch sonst ziemlich oft danebenbenommen im Kino. Er hat geprügelt und geschossen, gemordet und gemeuchelt. Er war laut und grob und hat mit schlimmen Wörtern um sich geworfen. Und doch haben ihn heute alle wieder lieb.

Mario Adorf ist ein Phänomen. Sicher, auch andere Schauspieler haben das Kino- und Fernsehpublikum über Jahre, manche über Jahrzehnte, begleitet. Doch wer kann schon von sich behaupten im deutschen Film der Nachkriegszeit - dem man gern spöttisch den Zusatz "Opas Kino" verleiht -, ebenso dabei gewesen zu sein wie in den inspirierenden Werken des "Neuen Deutschen Films" eines Rainer Werner Fassbinder oder eines Volker Schlöndorff?

Deutschland, Europa und Hollywood: Mario Adorf

Wer kann auf eine filmische Vita zurückblicken, die den italienischen Spaghetti-Western ebenso beinhaltet wie Klassiker des italienischen Mafia-Films, die Arbeit mit Hollywood-Regisseuren wie auch mit großen europäischen Filmemachern?

Mario Adorf in dem Film Die Herren mit der weißen Weste (1969) (Foto picture alliance/KPA)

Adorf in "Die Herren mit der weißen Weste"

Es gibt nicht viele Schauspieler, die auf eine so vielfältige Karriere zurückblicken können wie Mario Adorf. Und was heißt schon zurückblicken? Adorf spielt ja immer noch, ist präsent auf Theaterbühnen als Vortragender eigener Texte, aber auch noch vor Film- und Fernsehkameras - bis heute.

Zwischen Deutschland und Italien

Rückblick: Geboren wurde Adorf am 8. September 1930 in Zürich, die Mutter war Deutsche, der Vater Italiener. In der Eifel wuchs der kleine Mario auf. Wenn man sich die Namen der Eltern auf der Zunge zergehen lässt, dann wähnt man sich schon fast ein wenig in einem Film des späteren Schauspielers: Alice Adorf und Matteo Menniti, sie Röntgenassistentin, er Chirurg. Auch der weitere Lebenslauf des Mario Adorf ist ein gefundenes Fressen für seine Biografen, so studierte der junge Mann zunächst unter anderem Kriminologie.

Mario Adorf in dem Film Bomber und Paganini (Foto: picture alliance/KPA.)

Erfolg im "Neuen Deutschen Film", hier in "Bomber und Paganini" (1976)

Das Studium brach er ab und ging zum Theater, die Arbeit vor den Filmkameras sollte dann aber zur Hauptbeschäftigung des jungen Mimen werden. 1957 spielte er einen Mörder im Klassiker "Nachts, wenn der Teufel kam" unter der Regie des aus Hollywood zurückgekehrten Robert Siodmak. Das war der Durchbruch. Mit dieser Rolle war der junge Mann zunächst aber einmal festgelegt, auf Schurken und Bösewichte, Fieslinge und Revolverhelden.

Adorf spielte gerne Schurken

Doch für Adorf war das kein Problem. "Der Schurke ist an und für sich beim Lesen die interessante Rolle. (…) Ich liebe ja nun nicht die Bösewichte als Menschen, als Charaktere, ich weiß aber, was sie hergeben, ich leihe ihnen deswegen auch ganz gerne meinen Körper, mein Gesicht", bekennt Adorf schon früh in seiner Karriere.

Mit den empörten Reaktionen vieler Zuschauer, die ihm entgegenschlugen, als er 1963 in der Rolle des "Santer" den edlen Winnetou im Film erschoss, hatte er dann aber wohl doch nicht gerechnet. Doch auch das verlieh ihm noch einmal einen Popularitätsschub. Von Winnetou zum Bösewicht in vielen Italo-Western war es nicht weit, wie überhaupt Italien zu einer zweiten Heimat wurde, privat wie beruflich. Dort wirkte Adorf auch in einigen großen Mafiafilmen mit.

Kir Royal mit Helmut Dietl (Foto: picture-alliance/KPA)

Paraderolle: Adorf in "Rossini"

Zum deutschen Film kehrte er zurück, als die Generation um Rainer Werner Fassbinder für frischen Wind sorgte. Denkwürdige Auftritte hat er bei Fassbinder in "Lola", bei Schlöndorff in "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und vor allem in "Die Blechtrommel". Weniger glücklich verläuft sein Ausflug nach Hollywood, wo Sam Peckinpah ihn in seinem Western "Major Dundee" einsetzt. Der Part von Adorf fällt später fast komplett der Schere zum Opfer.

Arbeiten mit großen Regisseuren

Mehr Glück hat er im europäischen Film: Regisseure wie Claude Chabrol, Damiano Daminani und auch Billy Wilder verpflichten Adorf. Und dann startet der Mime auch im deutschen Fernsehen noch einmal durch, mit ambitionierten Filmemachern wie Helmut Dietl und Dieter Wedel.

Legendäres Filmzitat von Mario Adorf

Als Generaldirektor Heinrich Haffenloher in Dietls "Kir Royal" wettert er sich in die deutsche TV-Geschichte: "Ich scheiß Dich sowas von zu mit meinem Geld" wird zum unvergesslichen Filmzitat. Und auch als Kaufhausmogul Bellheim im gleichnamigen Fernsehfilm überzeugt Adorf. Er kann eben auch anders: als Bürger und Geschäftsmann, als knöchriger Alter und Egozentriker - all das ist Teil seiner schauspielerischen Bandbreite.

Helmut Dietl im Film Rossini (Foto: picture-alliance/dpa)

Das macht Spaß: "Rossini" (1997)

Angesprochen auf seine polyglotte Herkunft, antwortete er einmal, er könne mit dem Begriff des Europäers nicht so viel anfangen. Das war nicht negativ gemeint: "Ich wehre mich ein bisschen dagegen, dass man so leicht sagt: Europäer." Er sei ja in der Schweiz geboren, in Deutschland aufgewachsen, habe in Italien mit einer französischen Frau gelebt. Aber: "Wenn es so leicht wäre, dann wäre Europa ja auch längst da, aber so einfach ist es ja sicher nicht", so Adorf. Heutzutage klingt das wie ein Kommentar zu aktuellen Geschehnissen.

Heimatliebe zur deutschen Provinz

Doch auch wenn er die meiste Zeit in den vergangenen Jahrzehnten in seinem Haus in St. Tropez verbracht hat, eine Heimat hat Adorf schon: die Eifel. Dort wuchs er auf, dort wurde ihm die Ehrenbürgerschaft verliehen und in dem Eifelort Mayen hat er sich immer wieder blicken lassen, sich engagiert in der Region. Und dass er aus der Eifel kommt und dort zur Schule gegangen ist, das hört man auch heute noch an seinem Zungenschlag.

Adorf: Noch einmal Winnetou...

Das Wort Filmstar will trotz seiner unzähligen Erfolge nicht so recht passen zu dem immer sympathisch und bescheiden auftretenden Schauspieler. Und das, obwohl er ohne Zweifel schon seit Jahrzehnten zu den herausragenden Darstellern im europäischen Film und beim Fernsehen gehört.

Mario Adorf auf der Bühne (Foto: picture-alliance)

Tritt auch mit 85 noch auf der Bühne auf: Mario Adorf

Er hat für sein Schaffen so ziemlich alle Preise abräumen können, die es gibt bei Film und Fernsehen. Und es scheint, als ob er sich zu seinem 85. Geburtstag Anfang September (8.9.2015) noch ein ganz besonderes Geschenk machen konnte: In einer Neuverfilmung der Winnetou-Saga will Adorf noch einmal vor die Kameras treten, als Vater des Mörders von Winnetou. Die heutigen Zuschauer werden ihm das verzeihen.

In der neuen Ausgabe von KINO dreht sich alles um Mario Adorf. Unsere Autorin Regina Roland hat natürlich seine Karriere im Blick, schaut darüberhinaus aber noch einmal speziell auf Mario Adorf Schurken- und Altersrollen.

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