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Sprachbar

Mist

"Mist!" – Wenn mal wieder einer den Karren gehörig in den Dreck gefahren hat, dann wirkt es befreiend und ist außerdem erlaubt, denn "Mist" ist eines der harmloseren Schimpfworte im Deutschen. Probieren Sie es mal aus!

Es beginnt zu regnen, und den Schirm, den wir die letzten Tage immer dabei hatten, haben wir heute vergessen. So ein Mist! Dann fährt uns noch der Bus vor der Nase weg. Noch mal: So ein Mist! Manchmal scheint sich alles gegen einen verschworen zu haben. Von morgens bis abends nichts als Mist. Weshalb "Mist" als Stichwort? Nun, es gehört zu den Wörtern, die meistens mit negativer Konnotation gebraucht werden, und darüber hinaus ist es in einem ganz bestimmten Zusammenhang höchst aktuell. Davon aber später.

Mist – nicht nur tierischen Ursprungs

Es gibt wenige Wörter im Deutschen, deren übertragene Bedeutungen im Sprachgebrauch so im Vordergrund stehen, wie die von "Mist". Aber wie sieht es mit der ursprünglichen, gewissermaßen natürlichen und wörtlichen Bedeutung von "Mist" aus? Was vielleicht nicht jeder weiß: "Mist" in seiner ältesten überlieferten Bedeutung war nicht nur das Wort für tierischen, sondern fast gleichrangig für menschlichen Kot.

Wann genau dann der "Mist" zum Wort auch für Dünger wurde, weiß niemand. Mit Sicherheit aber bald nachdem die Menschen angefangen hatten, Nutzpflanzen anzubauen und Haustiere zu halten, also sesshaft wurden. Haustiere – aber nicht nur die – machen Mist. Wenn das im Stall geschieht, fällt selbiger auf Stroh und dieses Gemisch heißt ebenfalls "Mist".

Von großen Ställen …

Natürlich muss so ein Stall regelmäßig ausgemistet werden. Aber wohin mit dem Mist? Raus damit. Mit der Mistgabel auf die Mistkarre geladen und ab geht’s auf den Misthaufen. Der berühmteste, dreckigste und größte Stall war zumindest in der antiken Sagenwelt der Stall des Königs Augias.

"Einen Augiasstall ausmisten" ist in der politischen Rhetorik ein gängiger Ausdruck im Sinne von "gründlich aufräumen", wenn es zum Beispiel um die Aufdeckung eines Korruptionsskandals geht. Den sagenhaften Augiasstall auszumisten, schien unmöglich. Der griechische Held Herakles aber schaffte es. Er grub einen Kanal und ließ das Wasser zweier Flüsse mitten durch den Stall fließen.

… und großen Haufen

Zurück zum Misthaufen. Auf diesem postiert sich mitunter heute noch der Hahn und schaut von oben stolz auf die Heerschar seiner Hennen. In diesem Zusammenhang müssen wir die alte und nicht allzu ernst zu nehmende Bauernregel zitieren: "Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie's ist". Eine Grundwahrheit, der sich nicht widersprechen lässt.

Übrigens war der Misthaufen zumindest früher so etwas wie ein Standessymbol. Je größer der Misthaufen, desto reicher der Bauer. Wer genügend Mist hatte, brauchte keinen hinzuzukaufen und konnte so alles auf dem eigenen Mist wachsen lassen. Umgekehrt und in übertragener Bedeutung bedeutet "das ist nicht auf seinem Mist gewachsen", dass da jemand anderes die Hand im Spiel hatte: Die Idee stammt nicht von ihm, die ist nicht auf seinem Mist gewachsen.

Bloß keinen Mistkerl heiraten

"Heirat' übern Mist, dann weißt', wo du bist." Ein befremdlich klingendes Sprichwort, heute noch in ländlichen Gebieten zum Beispiel in Franken gebräuchlich. Dieses "Über-den-Mist-Heiraten" bedeutet, in die unmittelbare Nachbarschaft, gewissermaßen einen Misthaufen weiter, einzuheiraten. Da weiß man oder Frau, was man oder Frau hat.

Sicher, die Leute kennen sich gut, und das Mädel wird wissen, ob der Bursche nebenan erste Wahl oder schlimmstenfalls einfach ein Mistkerl ist; also von weniger gutem Charakter. Nun gibt es überall Mistkerle, und ziemlich oben auf der Beschimpfungsskala finden wir das elende Miststück oder gar Mistvieh. Der Mistfink ist nicht etwa Vogel des Jahres, sondern ein Zeitgenosse dessen Gesinnung als anrüchig bezeichnet werden darf, der mit Vorliebe Schlüpfriges und Gemeines von sich gibt. Die harmlosere Ausgabe des Mistfinken ist unordentlich, schlampig, außerdem hygienisch zu beanstanden.

Ab in die Sonne?

Bevor wir zum Schluss kommen und den aktuellen Anlass für unser Stichwort preisgeben, noch ein Trostwort, das sich an die vielen Sparer in unserem Lande richtet: "Kleinvieh macht auch Mist". Will heißen: Aus wenig wird eines Tages viel. Vielleicht reicht es ja irgendwann, um die trüben Wochen des Jahres dort zu verbringen, wo es warm und sonnig ist. Wer würde ihm nicht gerne entfliehen, dem Grau, der Kälte, dem Niesel- und Schneeregen, diesem Mistwetter. "Mistwetter" darf beim Stichwort "Mist" einfach nicht fehlen. Wir wollen uns ja nicht vorwerfen lassen, wir hätten Mist gebaut.


Fragen zum Text:

Ein sagenhafter Stall war der Stall des …
1. Herakles.
2. Königs Augias.
3. Achilles.

Derjenige Bauer, der früher den größten Misthaufen hatte, war in der Regel …
1. sehr dreckig.
2. reich.
3. ein Angeber.

Was ist kein gängiges Schimpfwort?
1. Mistkerl
2. Mistvieh
3. Mistvogel


Arbeitsauftrag:
Finden Sie heraus, wie man sich im Deutschen gerne beschimpft und üben Sie mit Ihrem Nachbarn. Aber bitte nicht zu ernst nehmen ...

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