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Politik

Misswirtschaft in Afrika

Trotz reichhaltiger Ressourcen sind die Volkswirtschaften in Afrika in einem desolaten Zustand. Trend: weiterhin stagnierend. Entwicklungshilfe ist so gut wie zwecklos. Aber all das müsste nicht so deprimierend sein.

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Manchmal klappt's mit der Wirtschaftsentwicklung, aber ...

Die Zahl ist eindeutig: Gerade ein Prozent der weltweiten Direktinvestitionen landen im subsaharischen Afrika. Und auch diese im globalen Vergleich geringe Summe verteilt sich auf wenige Staaten: Vor allem Südafrika, Nigeria und Kenia gelten bei Investoren als noch am ehesten interessante Ziele.

Der Rest des Kontinents, mit Ausnahme des Maghreb, spielt weder als Absatzmarkt noch als Standort für die Produktion eine Rolle. "Die Gründe dafür beruhen auf der Schwäche öffentlicher Institutionen, auf Korruption, Führungsschwäche oder auch auf Schwächen im makroökonomischen Sinne", erklärt Heiko Alfeld, Leiter des Afrika-Referats des Weltwirtschaftsforums in Genf. Der aktuelle Bericht des Forums zur Entwicklung in Afrika zieht eine bittere Bilanz: Ursache für die Mangelwirtschaft sind hohe Staatsschulden und schwache soziale Absicherungen. Aber es gibt weitere.

Ressourcen gehen verschütt

Bürgerkriege, Naturkatastrophen und das Ausplündern von Ressourcen statt einer nachhaltigen Investitionsökonomie zwingen die Staaten zusätzlich in die Knie. Ein Beispiel: In der DR Kongo werden Gold, Diamanten, das für den Mobilfunk wichtige Metall Coltan und andere Rohstoffe abgebaut. Doch die Abbaugebiete unterstehen kaum staatlicher Kontrolle, und wenn, dann fließen die Einnahmen nur selten in den Staatshaushalt. Stattdessen bereichern sich korrupte Politiker und Rebellenführer gleichermaßen.

Ein anderes Beispiel: Das bevölkerungsreichste Land auf dem Kontinent, Nigeria, mit seinen 120 Millionen Einwohnern. Nigeria verfügt über enorme Erdölvorkommen, schon seit Jahren wird das schwarze Gold gefördert. Dennoch stagniert die Wirtschaft, ist das Wachstum in den vergangenen zwei Jahren sogar zurückgegangen. Einer der Gründe: Die weitverbreitete Korruption, die privates Engagement, auch und vor allem ausländischer Investoren, vernichtet. Diese Faktoren führten, so sehen es die Autoren des Berichts, zum wirtschaftlichen Niedergang des Kontinents, zur schlimmsten Tragödie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Entwicklungshilfe hilft nicht

Der Bericht betont dabei vor allem den Niedergang der Ökonomie nach dem Ende der Kolonialzeit. Afrika sei heute ärmer als zu Beginn der 1970er Jahre, das Wirtschaftsvolumen um elf Prozent gesunken, während der Rest der Welt wirtschaftlich um jährlich zwei Prozent gewachsen ist. Zwar stellen die Autoren keinen direkten politischen Zusammenhang zur nachkolonialen Entwicklung her, wohl aber einen zeitlichen.

Und zielen damit auf das Versagen der Entwicklungshilfe ab. Mittlerweile erreicht das gesamte Aufkommen der Entwicklungshilfe 53 Milliarden Dollar jährlich, der bei weitem größte Teil davon geht nach Afrika. Trotz der massiven Hilfe ist das Ergebnis deprimierend, ist kein afrikanisches Land mit Erfolgsmodellen wie China, Indien oder Thailand vergleichbar. Und das, wo gerade in den asiatischen Tigerländern der Anteil der Entwicklungshilfe eine verschwindend geringe Rolle - sie hätten ihre Wachstumserfolge auch ohne sie erzielt.

Der Umkehrschluss

Könnte es Afrika ohne Entwicklungshilfe besser gehen? Experten verneinen dies. Denn der Vergleich mit den asiatischen Ländern hinkt gleich mehrfach. Zum einen gab und gibt es in Afrika südlich der Sahara keine handwerklich-industrielle Tradition, anders als etwa in China. Dort konnte auf Erfahrungen mit Überschussproduktionen und Mehrwerterzielung aufgebaut werden. Zum anderen leiden gerade afrikanische Staaten als Rohstofflieferanten unter den herrschenden Bedingungen des Welthandels.

Auch hier ein Beispiel: Mit enormen Entwicklungshilfe-Aufwand hat Burkina Faso seine Baumwoll-Produktion auf internationalen Standard gebracht. Die Produkte gelten als qualitativ exzellent und preislich sehr günstig. Prompt haben die USA, die sich zuvor an dem Aufbau der Produktion in Burkina Faso beteiligt hatten, ihre eigenen Baumwoll-Farmer mit erheblichen Finanzmitteln subventioniert. Jetzt bleibt die Wolle in Burkina Faso auf den Feldern stehen. Das Problem der Entwicklungshilfe scheint zudem zu sein, dass sie nicht zielgerichtet dort eingesetzt wird, wo Armut in Afrika entsteht und sich dauerhaft manifestiert: auf dem Land. Ein Großteil der stattlichen Finanzhilfen fließt noch immer in teure Infrastruktur-Projekte, statt in den Aufbau moderner Anbaumethoden oder ein ländliches Schul- und Gesundheitsnetz.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Aber auch positive Beispiele nennen die Autoren des Wirtschaftsberichtes: An erster Stelle Botswana, wo ein Großteil aus dem Gewinn mit den dort geförderten Diamanten in den Staatshaushalt fließt, sowie Südafrika und Tunesien. Heiko Alfeld vom Weltwirtschaftsforum in Genf erklärt, warum es dort besser läuft, als in anderen afrikanischen Regionen: "Ich glaube, dass diese Aufbruchstimmung und dieses starke Wachstum dieser wenigen Länder auf Führungsstärke und Demokratie beruht. Die notwendigen Reformen wurden rigoros durchgedrückt."

Gerade das "Good-Government", das kompetente Regieren will Afrika künftig selbst vorantreiben. Mit NEPAD, der neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas. Gegenseitige Kontrollen, das Aufstellen von internationalen Standards und der Aufbau supranationaler Organisationen sollen Wachstum und Stabilität gewährleisten. Doch an konkreten Erfolgen mangelt es NEPAD auch zwei Jahre nach der Gründung noch immer. Und so bleibt auch der Blick in die Zukunft Afrikas, den die Autoren des Berichtes wagen, eher getrübt.

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