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Politik

"Missverständnisse und Fehleinschätzungen"

Johan Galtung, Träger des alternativen Friedensnobelpreises und norwegischer Friedensforscher, hält die Irak-Politik der USA für gescheitert. Im DW-WORLD-Interview fordert er den Westen auf, mit Bin Laden zu verhandeln.

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Radikale Demonstranten in Pakistan verbrennen eine Puppe von US-Präsident Bush

DW-WORLD: Herr Galtung, Sie gelten als einer der schärfsten Gegner der amerikanischen Intervention im Irak. Trotz der angespannten Lage im Land ist die US-Regierung überzeugt, sie habe richtig gehandelt. Nach dem Sturz von Saddam Hussein und den Taliban in Afghanistan sei die Welt sicherer geworden. Wie ist Ihre Einschätzung?

Johan Galtung

Johan Galtung

Johan Galtung: Die amerikanische Regierung hat sich eine virtuelle Realität aus Missverständnissen und falschen Einschätzungen geschaffen. Jetzt ist sie Opfer der eigenen falschen Informationen und Lügen.

Können Sie dem Sturz Saddam Husseins nichts Positives abgewinnen?

Das war für die USA nicht so wichtig. Hauptziele waren die Ölkontrolle, die Sicherheit für Israel und die Sicherung geopolitisch wichtiger Militärbasen. Doch die grausamste Epoche von Saddam Hussein lag in den 1980er-Jahren. Damals war er Bündnispartner der USA, und da hätte es durchaus gute Gründe für eine Intervention gegeben. Er ging damals grausam gegen die von den USA inszenierten Aufstände der Kurden und Schiiten vor.

Die aktuelle Lage im Irak ist von heftiger Gewalt gekennzeichnet. Fürchten Sie, dass die Situation weiter eskalieren könnte?

Selbstverständlich. Wenn die USA Nadschaf angreifen und El Sadr töten, dann werden sie bestimmt die überwiegende Mehrheit der Schiiten gegen sich haben. Ich glaube, es gibt keine Dummheit, die die Amerikanische Regierung auslassen wird. Sie hört auf niemanden und glaubt, sie habe ein Mandat von Gott. Die größte Dummheit war der Krieg selber. Mein Gegenvorschlag: Man sollte eine Konferenz veranstalten ähnlich der Helsinki-Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) von 1973 bis 1975. Da könnte man die Möglichkeit diskutieren, den Irak als Bundesstaat mit drei Teilen, für die Kurden, Schiiten und Sunniten zu etablieren. Das ist aber nicht kompatibel mit der erwähnten Zielsetzung der Amerikaner im Irak.

Ist ein Vergleich des Irak-Krieges mit dem Vietnam-Krieg zulässig?

Ja, in gewisser Weise schon. Die USA machen dieselben Fehler wie damals. Sie verstehen die dortige Lage nicht. Der Irak-Einsatz wird wohl auf ähnliche Weise enden wie der in Vietnam, nämlich mit Rückzug. Die so genannten alliierten Bündnispartner werden wohl dafür sorgen, dass dieser ohne allzu großen Gesichtsverlust für die USA möglich wird.

Der Sturz Saddam Husseins hat den Internationalen Terrorismus nicht eindämmen können, im Gegenteil: Auch Europa sieht sich im Visier des Terrors. Was ist jetzt nötig?

Es ist eine Versöhnung zwischen dem Westen und dem Islam nötig. Es gibt 1,3 Milliarden Muslime und auf denen hat man herumgetrampelt. Doch niemand hat sich dieser Sache wirklich angenommen. Es wird immer nur über Gegenschläge geredet. Man muss bereit sein, muslimische Stimmen deutlich zu hören und zu verstehen, dann hätte man nicht nur für den Frieden einen Beitrag geleistet, sondern auch für die Sicherheit Deutschlands.

Lesen Sie im 2. Teil, warum sich Galtung für geheime Verhandlungen mit Bin Laden ausspricht und wie Medien Gewalt zusätzlich anheizen können.

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