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Politik

Missstimmung sorgt für Interesse

In den USA war man wegen der Irak-Politik zuletzt nicht gut auf Deutschland zu sprechen. Umso größer war das Interesse an den Bundestagswahlen.

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Bush hätte wohl Stoiber gewählt

Die starke US-Präsenz auf der Wahlparty der Deutschen Botschaft in Washington war ein deutlicher Indikator. Denn selten zuvor hat das politisch interessierte Amerika eine deutsche Bundestagswahl mit soviel Interesse verfolgt wie dieses Mal. Dazu hatten vor allem die starke Bedeutung der Außenpolitik, der Irak-Frage und nicht zuletzt die rhetorische Entgleisung von Bundesjustizministerin Hertha Däubler-Gmelin beigetragen. Ihr wirft man vor, sie habe die Politik von US-Präsident George W. Bush im Hinblick auf sein Vorgehen gegen den Irak mit der Politik von Adolf Hitler verglichen. Condoleeza Rice, nationale Sicherheitsberaterin im Kabinett von Bush, hatte noch kurz vor der Wahl, die deutsch-amerikanischen Beziehungen als vergiftet bezeichnet.

Ein weiteres Indiz für das außergewöhnlich starke Interesse: Die wichtigste amerikanische Zeitung, die "New York Times", macht mit den deutschen Wahlen als Top-Thema dieses Montags auf. Auch hier stehen Folgen für die deutsche Außenpolitik und der rhetorische Ausfall der Bundesjustizministerin im Mittelpunkt. Die "New York Times" kann aber seine Leser beruhigen: Es werde erwartet, dass Däubler-Gmelin im neuen Kabinet nicht mehr vertreten sein würde.

Bush hätte Stoiber gewählt

Man darf getrost davon ausgehen, dass die Bush-Administration lieber mit einem Bundeskanzler Stoiber zusammengearbeitet hätte. Doch stattdessen gibt es eine dünne Mehrheit für Rot-Grün. Mit knappen Mehrheiten haben die Amerikaner ihre eigenen Erfahrungen. Denn bei den letzten amerikanischen Präsidentschaftswahlen mussten die Stimmen gleich mehrmals nachgezählt werden. Zu knapp war das Ergebnis. Am Ende entschied der Obersten Gerichtshof - zu Gunsten von George W. Bush.

Mit Überraschung haben die Amerikaner vor allem das starke Abschneiden der GRÜNEN registriert. Dazu Deutschlandexperte Robert Livingstone: "Dass ist natürlich ein Beweis für die enorme Popularität von Joschka Fischer, der im Verhältnis mit Amerika etwas geschickter taktiert hat als Gerhard Schörder", meinte Livingston. "Schröder selbst wird in Washington auf längere Zeit nicht willkommen sein."

Pragmatisches Verhältnis angestrebt

Ob willkommen oder nicht, die Bushregierung wird natürlich auch mit einem Bundeskanzler Schröder ein pragmatisches Verhältnis anstreben. Zumal man derzeit auch ohne Deutschland auskommt - sowohl auf der diplomatischen Ebene im Weltsicherheitsrat, als auch militärisch bei einem eventuellen Irakkrieg. Wie groß der Schaden ist, den die deutsch-amerikanische Freundschaft durch den

zurückliegenden Wahlkampf davon getragen hat, wird nicht zuletzt davon abhängen mit welchem diplomatischen Geschick sich die neue deutsche Bundesregierung auf Washington wieder zubewegt. Eine offizielle Stellungnahme der Regierung Bush zum Wahlausgang lässt bislang noch auf sich warten.

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