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Nahost

Missionieren verboten: Christen in Katar

Der größte Teil der Bevölkerung des Emirats Katar sind Gastarbeiter. Sie stammen aus asiatischen, arabischen und auch europäischen Ländern. Wie verstehen sich die Anhänger der verschiedenen Religionen untereinander?

Innenraum der ersten katholischen Kirche in Katar (Foto: AP)

Bischof Paul Hinder bei der Eröffnung der ersten Kirche für Katar im März 2008

Wie verlassen liegt die katholische Kirche der "Jungfrau vom Rosenkranz" in der flimmernden Hitze des Scheichtums Katar. Aus einer offenen Tür klingt Klaviermusik, sonst pfeift nur der Wüstenwind durch Gänge und um Hausecken. Wochentags ist es ruhig in dem christlichen Zentrum, das südlich von Doha, der Hauptstadt von Katar, verschiedene Glaubensgemeinschaften beherbergt. Wie eine feste Burg ist die kirchliche Anlage von sandfarbenen Mauern umgeben.

Tolerante Gesellschaft

Betende Frauen aus Sri Lanka (Foto: AP)

Außerhalb der Kirche ist das Tragen von Kreuzen in Katar verboten

Pater Peter Matthew aus Indien leitet seit einem Jahr die katholische Gemeinde in Katar. Vorher hat er zwölf Jahre in Dubai gearbeitet. Die Arabischen Emirate seien sehr frei und tolerant, sagt er. In Katar sei das anders. "Der Emir und die Regierung sind wirklich gut. Sie unterstützen uns. Doch sie müssen auf die Meinung der Bevölkerung Rücksicht nehmen und für die ist es neu, dass es außer dem Islam auch noch andere Religionen und andere Rituale gibt." Dies ändere sich derzeit und die Kirche sei ein Beweis dafür, dass die Gesellschaft toleranter und respektvoller geworden sei, sagt der Geistliche.

Interreligiöser Dialog

Eine muslimische Frau vor der Skyline von Doha (Foto: AP)

Etwa 83 Prozent der Bevölkerung in Katar sind Muslime

Innerhalb des Kirchenkomplexes gebe es keine Einschränkungen. Außerhalb jedoch müsse sich jeder an die Regeln halten: Kein Religionsunterricht an Schulen, kein Kreuz in der Öffentlichkeit. Die Kataris sind konservativ und traditionell, doch in einem Punkt ist das Scheichtum den anderen arabischen Staaten voraus, meint Pater Matthew: "In Katar gibt es einen intensiven interreligiösen Dialog. Das zeigt, wie groß das Interesse der Regierung an Dialog und Verständigung ist." So lädt der Staat drei Tage lang die verschiedenen Glaubensgemeinschaften zum gemeinsamen Gespräch ein. Mit dabei sind auch Prediger der islamischen Tradition, erzählt der Pater: "Das ist eine gute Erfahrung. Man lernt sich besser kennen und spricht über Dinge, die man bei den anderen nicht versteht oder die man nur schwer verdauen kann. Vieles wird erklärt, das ist wirklich eine wertvolle Erfahrung."

Auch Mädchen am Altar

Mit mehr als 100.000 praktizierenden Gläubigen ist die Katholische Kirche die größte christliche Gemeinde in Katar. An Feiertagen ist fast kein Durchkommen zu den Gotteshäusern und der Komplex ist völlig überfüllt. Ein Gottesdienst nach dem anderen wird in verschiedenen Sprachen gefeiert. In den anliegenden Gebäuden finden Familien- und Junggesellenberatungen statt. Die 17-jährige Judy Silva kam vor acht Jahren mit ihren Eltern aus Sri Lanka. "Damals war ich Messdienerin in der Sri Lanka Messe. In Sri Lanka dürfen diesen Dienst nur Jungen ausüben, aber in Doha haben auch wir Mädchen eine Chance. Das ist also wirklich ein Privileg für mich." Probleme mit Muslimen gebe es für Christen in Katar nicht, berichtet sie über ihre Erfahrungen. "Seit die Kirche eröffnet wurde, weiß jeder, dass es uns gibt. Am Ende glauben wir eben doch alle an den gleichen Gott. Aber niemand kann uns davon abhalten Christ zu sein. Jeder hat eine Chance."

Keine Missionierung

Skyline von Doha (Foto: AP)

Etwa 100.000 Gläubige zählt die katholische Kirche in Katar

In einem Saal der Kirche werden junge Männer und Frauen von einer Tanz- und Musikgruppe animiert, ihr Gebet zu tanzen. "Weil Euch das freier macht", ruft der Vorsänger ins Mikrophon und fordert alle auf, sich zum Rhythmus der Musik zu bewegen. Die Veranstaltung nennt sich "Erweckung" und ist ein Treffen der so genannten "Jugend für Jesus". Die Teilnehmer sind vorwiegend Christen aus verschiedenen Ländern. Die Bewegung dürfe jedoch nicht falsch verstanden werden, betont Mitorganisator Jose Joseph. Man wolle nicht missionieren, sondern nur den gemeinsamen Glauben feiern. "Das ist eine rein katholische, christliche Veranstaltung. Wir respektieren das hiesige soziale und kulturelle System. Wir arbeiten nicht außerhalb, sondern sprechen nur die Leute an, die in die Kirche kommen", sagt der Berufsschullehrer. Seit die Kirche vor zwei Jahren eröffnet wurde, gebe es massiven Zulauf. Viele der Besucher hätten erst so ihre christliche Kultur und Wurzeln entdeckt. Da ist sich der überzeugte Katholik sicher.

Autorin: Karin Leukefeld

Redaktion: Stephanie Gebert

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