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Politik

Mission nicht erfüllt: Sechs Jahre Irak-Krieg

Vor sechs Jahren sind die USA im Irak einmarschiert. Heute wollen sie nur eines: den Rückzug. Doch wann dieser vollzogen sein wird, ist längst nicht abzusehen. Das Land ist so instabil wie eh und je.

Ein Soldat der US-Armee zielt bei der Suche nach seinem Gegner auf einen Esel (Quelle: AP)

Mission Impossible: Ein Soldat der US-Armee sucht seinen Gegner

In den frühen Morgenstunden des 20. März 2003 gehen die ersten Geschosse auf Bagdad nieder. Eine halbe Stunde später bestätigt US-Präsident George W. Bush, was der Welt mit den ersten Schüssen klar ist: Der Irakkrieg hat begonnen.

Seit Monaten hat Bush damit gedroht, das Regime Saddam Husseins zu stürzen, weil er angeblich die seit dem Kuwaitkrieg verhängten Auflagen verletzt, Massenvernichtungswaffen baut und den internationalen Terrorismus unterstützt. Monatelang ist in den Vereinten Nationen um eine passende Antwort gerungen worden, neue Allianzen haben sich gebildet und alte sind belastet worden. So etwa die Beziehungen der USA zu Deutschland und Frankreich, die sich beide gegen einen Krieg stellen.

Domino-Theorie gescheitert

Der damalige US-Präsident Bush gratuliert Soldaten bei einem Truppenbesuch im Irak (Quelle: AP)

Der damalige US-Präsident Bush bei einem Truppenbesuch im Irak

Die Invasion läuft zunächst besser und reibungsloser als vermutet: Bereits am 9. April ist das Regime des irakischen Diktators gestürzt und Bagdad erobert. Präsident Bush lässt sich dazu hinreißen, die Mission als erfüllt zu deklarieren. Er ahnt nicht, dass er weit davon entfernt ist. Washington macht sich rasch daran, Maßnahmen zu ergreifen, die ein neues Staatswesen im Irak schaffen sollen. Immer gemäß der Parole von der Domino-Theorie: Im Irak wird eine Demokratie etabliert und der Rest der arabischen Welt wird folgen.

Regionaler Einfluss?

Washington geht es dabei nicht allein - und wahrscheinlich auch nicht in erster Linie - um Demokratie, sondern um regionalen Einfluss, um Macht, um Öl, um Iran, um Israel. Aber was den Irak betrifft, so macht Washington einige gravierende Fehler.

Zum Beispiel bedenken die USA nicht ausreichend, dass der Irak nicht aus einer homogenen Bevölkerung besteht, sondern sich aus Schiiten, Sunniten, Kurden und Christen zusammensetzt. Die sunnitische Minderheit war zuvor an der Macht, sie wird jetzt zunächst isoliert und in den bewaffneten Widerstand getrieben. Viele tun sich mit der internationalen Terror-Brigade von "Al Qaida" zusammen. Washington hat auch nicht bedacht, dass in einer Demokratie Mehrheiten bestimmen, die Mehrheit aber Schiiten sind und diese wiederum eng mit dem Iran liiert sind.

Keine Massenvernichtungswaffen

Ein großer Fehler ist auch die Auflösung der irakischen Streitkräfte durch US-Statthalter Paul Bremer. Es kostet viel Mühe und noch mehr Menschenleben, aus dem Nichts eine neue Armee aufzubauen, schließlich greift man doch wieder auf frühere Militärs zurück. So, wie man auch die Sunniten für den Kampf gegen Terroristen gewinnt und sie mehr ins politische Gefüge des neuen Irak einbindet.

Der größte Fehler freilich ist und bleibt die Begründung des Krieges: Massenvernichtungswaffen werden nicht gefunden, auch nicht Querverbindungen zum 11. September. Erst der Krieg und die anschließende Besatzung stellen die Querverbindung zur "Al Qaida" her.

Ewiger Abzug

Ein Sprecher des US-Militärs beschreibt anhand einer Karte die aktuelle Lage im Irak (Quelle: AP)

Noch ist unklar, wieviele US-Soldaten letztendlich im Irak bleiben sollen

Die Eroberung des Irak dauerte keine drei Wochen, niemand vermag aber zu sagen, wie lange der Abzug dauern wird: Inzwischen ist zwar festgelegt, dass die meisten US-Truppen das Land bis 2010 verlassen sollen. Der neue US-Präsident Barack Obama will diesen Abzug sogar beschleunigen, nachdem er im Wahlkampf einen Zeitrahmen von 18 Monaten genannt hatte. Offen bleibt aber, ob diese Pläne umgesetzt werden können:

Denn es steht fest, dass ein überstürzter Abzug das Land in weiteres Chaos stürzen dürfte. Zu viele unterschiedliche Gruppen - Iraker wie auch Nicht-Iraker - warten nur darauf, ein Machtvakuum im Land für ihre Zwecke zu missbrauchen. So könnte aber auch ein erneutes Aufflammen der Gewalt den Rückzug gefährden, denn auch Obama wird den Eindruck zu vermeiden versuchen, die USA würden zum Rückzug gezwungen.

Gekommen, um zu bleiben?

Deswegen bleibt vorläufig auch die Frage ungeklärt, wie viele US-Truppen auf Grund bilateraler Absprachen im Irak verbleiben sollen und können. Es ist die Rede von "Ausbildungsaufgaben" bei den irakischen Streitkräften, in Wirklichkeit haben bestimmte Kreise in Washington sicher die Hoffnung nicht aufgegeben, den Irak auch künftig der amerikanischen Einfluss-Sphäre zuzurechnen. Um dies sicherzustellen, haben die USA in den letzten Jahren einige sehr große Militärbasen im Irak errichtet, deren Anlage alle andere als ein Provisorium ist.

Autor: Peter Philipp

Redaktion: Anna Kuhn-Osius

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