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Politik

Mission Impossible

DW-tv-Korrespondent Udo Bauer über die Nahost-Friedensmission der USA

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Manchmal ist das interessanter, was nicht gesagt wird, als das, was Gesagt wird. Selten war diese journalistische Weisheit zutreffender als am vergangenen Sonntag beim Treffen zwischen dem israelischen Premier Sharon und US-Präsident Bush. Vom dritten Zusammentreffen der beiden Politiker wurde ueberhaupt nichts bekannt. Keine Pressekonferenz wie sonst üblich, nur ein Photo vom Handschlag wurde vom Weissen Haus veröffentlicht.
Sharon trat die Heimreise an, ohne die wartenden Journalisten auch nur eines Blickes zu würdigen. 24 Stunden später bombardierten israelische Kampfhubschrauber Ziele in Gaza und der Westbank als Vergeltung für die tödlichen Bombenanschläge in Jerusalem und Haifa. Grundsätzlich muss man dem US-Präsidenten Lernfähigkeit attestieren: Er hat nach anfänglichem Zögern das heiße Eisen 'Vermittlung in Nahost' in die Hand genommen und einen bewährten Ex-General, den Marineinfanteristen Anthony Zinni, in die Region geschickt, um die Friedensverhandlungen wieder in Gang zu bringen.
Nur, bisher hat Zinni nicht viel machen können, außer unter Pfiffen wütender Israelis einen Kranz für die Opfer der Bombenanschläge niederzulegen. Zinnis Mission ist - bildlich gesprochen - wie ein Himmelfahrtskommando für die Taube, die er in den Nahen Osten Mitgebracht hat. Er kann einem Leid tun. Über einen Waffenstillstand will im Moment niemand reden, weder die Israelis noch die Palästinenser. Auf beiden Seiten haben zur Zeit die Falken das Sagen. Arafat geht nicht glaubwürdig Genug gegen die Terroristen im eigenen Lager vor, und Sharon ist halt Sharon, sprich: er ist an Friedensgesprächen mit Arabern noch nie interessiert gewesen. Heißt das jetzt für die USA, die Friedensbemühungen einfach auszusetzen und auf die nächste Generation von Politikern zu warten?
Nein, im Gegenteil! Präsident Bush muss gerade jetzt aktiv werden, damit sein Kampf gegen den internationalen Terrorismus glaubwürdig bleibt, denn Der Nahostkonflikt ist der Schlüssel dazu. Er muss sich endlich mit Jassir Arafat treffen, was er bisher abgelehnt hat. Und er muss gegenüber Ariel Sharon nicht nur deutliche Worte finden, sondern auch mit Konsequenzen drohen. Am Sonntag hat er das vielleicht getan, aber nicht öffentlich, und das ist nichts wert. General Zinni bleibt unterdessen weiter im Nahen Osten - auf verlorenem Posten.

  • Datum 07.12.2001
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1Sh8
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