1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

"Mission Harmonie" für Souad Massi

Souad Massi gilt als Star unter den algerischen Nachwuchskünstlern. Ihren Erfolg feierte sie jedoch in Europa - als Weltbürgerin mit der Botschaft der Harmonie. Da hören auch fortschrittliche arabische Kreise gerne zu.

default

Algerische Nachwuchssängerin mit Flamenco- und Metal-Vergangenheit

Autos brannten, Steine flogen – der Mangel an Perspektiven gehört für die Bewohner der französischen Banlieues zur Tagesordnung; das Lebensgefühl der zweiten, dritten Generation der Migranten ist Unzufriedenheit. Insofern ist Souad Massi eine Ausnahme. Die charismatische Sängerin weiß, warum sie ihre algerische Heimat verlassen hat. Und sie hat Erfolg.

Weltbürgerin wider Willen

Souad Massi

Souad Massi hat Erfolg in Europa - in Algerien verlor sie ihre Arbeit, weil sie Rockmusik machte

Von außen betrachtet, sieht eine Künstlerbiografie häufig spannend und vielfarbig aus. Erste Erfolge, Widerstände, Auswanderung, erneut Erfolg, diesmal im internationalen Rahmen. Die Innensicht jedoch ist eine andere: "Ich habe mich oft allein gefühlt, einsam, besonders weil ich keinen Rückhalt hatte. Es hat sich erst jetzt etwas geändert, seitdem meine Tochter auf der Welt ist. Das gibt mir Kraft und Sicherheit, mich zu Hause zu fühlen."

Souad Massi versteht sich als Weltbürgerin mit der musikalischen Botschaft der Harmonie. Damit kommt sie in Europa und in fortschrittlichen arabischen Kreisen gut an. Die Entscheidung zur kosmopolitischen Existenz jedoch fiel nicht freiwillig – für eine Frau mit Träumen war und ist in der fundamentalistischen Gesellschaft ihrer Heimat kein Platz.

Erst Flamenco, dann Metal

Massis Wurzeln liegen im Maghreb, irgendwo zwischen Algier und den verschwindenden Kulturräumen ihrer Berber-Vorfahren. Geboren 1972 in Algier, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, wurde sie in einer Zeit groß, die von sozialistischer Diktatur und Bürgerkrieg geprägt war. Musik war ein Ventil, die täglichen Eindrücke zu verarbeiten, die Gitarre bot die Möglichkeit, sich auszudrücken.





Souad Massi, algerische Sängerin

Souad Massi fühlt sich überall in der Welt wohl - aber ihre Herkunft trägt sie immer in sich, sagt sie

Massi studierte, klassische, arabisch-andalusische Musik, außerdem Ingenieurswesen. Erfolglos versuchte sich die 17-Jährige mit der Gruppe "Les Trianas d'Alger" und Flamencoklängen auf der Bühne. Nur durch massives Zureden ihres jüngeren Bruders machte sie weiter und hatte im zweiten Anlauf mehr Glück. Die Band "Atakor" traf mit westlich orientiertem Metal-Sound den Geschmack der algerischen Jugend. Massi wurde zum lokalen Star und verlor gleichzeitig ihre Stelle bei der Stadtverwaltung, wo sie im Vermessungsamt arbeitete. Eine Frau habe sich vor allem um die Familie zu kümmern, wurde ihr bedeutet. Rockmusik entspreche nicht ihrer Bestimmung.

Freude an der Melancholie

Die Enttäuschung saß tief, doch bevor der Frust zur Krise wurde, bekam Massi ein Angebot aus Frankreich: Im Pariser "Cabaret Sauvage" plante man ein Festival mit dem Thema "Femmes d'Algérie" (Frauen aus Algerien). Am 10. Januar 1999 fand sich Souad Massi also mit Koffer und Gitarre am Flughafen Charles de Gaulle wieder. Nur wenig später stand sie auf der Bühne und gewann über die Sprachgrenzen hinweg die Menschen für sich. Sie bekam den Vertrag für ihr erstes Album "Raoui" (2001) angeboten, bald darauf folgte "Deb" (2003).

Die Kritiker jubelten und das Publikum liebte die Frau mit der klaren, melancholischen Stimme. "Frankreich hat mich mit offenen Armen empfangen, deshalb lebe ich jetzt hier. Hier habe ich die Möglichkeit mit guten Musikern, guten Technikern, Tourneen mit 20 Konzerten im Monat zu spielen", sagt Souad Massi. Ihre Wurzeln vergesse sie aber auf keinen Fall: "Es bedarf nur eines Minimums an Intelligenz, um die Tradition mit der modernen Welt zu verbinden."

Ein bisschen klingt das, als würde Souad Massi sich noch immer Mut machen. Jedenfalls ist eben ihr drittes Album "Mask Elil" erschienen. Wieder ist es wunderbare, bittersüße Musik mit viel Afrika, Maghreb, Paris einträchtig nebeneinander.



Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links