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Amerika

Mission erfüllt, Chile!

Das Glück in Chile ist perfekt. Nach mehr als zwei Monaten sind alle 33 Kumpel aus dem Unglücksbergwerk gerettet. Gut 24 Stunden hat die Gruben-Rettungsaktion gedauert und endete mit der Auffahrt des letzten Helfers.

Retter Manuel Gonzelez steht im Mineninnern vor der Kapsel (Foto: AP)

Der Letzte macht das Licht aus: Retter Manuel Gonzelez verlässt das Unglücksbergwerk

Die historische Rettungsaktion in Chiles San-José-Bergwerk hat ein Happy-End. Am Donnerstagmorgen (14.10.2010, MESZ) fuhr der letzte der 33 verschütteten Kumpel aus dem Stollen auf.

Der "Boss" kam zuletzt

Luis Urzúa (M.) reckt die Faust in die Höhe, Präsident Piñera (r.) schaut zu (Foto: AP)

Schichtführer Urzúa harrte bis zuletzt aus

Schichtführer Luis Urzúa, auch der "Boss" genannt, entstieg der Phönix-Rettungskapsel am Mittwochabend Ortszeit (Donnerstagfrüh, 02:55 MESZ). Der 54-Jährige wurde von Chiles Präsident Sebastian Piñera umarmt und sagte diesem mit einer Nationalflagge um die Schultern: "Ich übergebe Ihnen die Schicht und hoffe, dass dies niemals wieder geschehen wird." Die umstehende Menge feierte Urzúa mit "Es lebe Chile!"-Rufen.

Die Bergleute wurden am Mittwoch erst im Stundentakt, dann immer schneller einer nach dem anderen mit der sagenannten "Phönix"-Rettungskapsel aus über 600 Metern Tiefe über Tage gezogen - zeitweise im Abstand von nur 25 Minuten.

Zwar sah die nach deutschem Vorbild gebaute Kapsel mit jeder Fahrt durch das Felsgestein verschrammter aus. Sie drehte sich jedoch nicht so stark wie angenommen, so dass die Fahrten beschleunigt werden konnten. Gelegentlich klemmte eine Tür, und mehrere Laufräder mussten ersetzt werden. Alles funktionierte jedoch genau so wie geplant.

Familien bejubelten die Rückkehr

Zuschauer an der Unglückmine im Konfetti-Regen, darunter Rolando Rolly Gonzalez als Clown (Foto: AP)

Clown und Bergarbeiter: Rolando "Rolly" Gonzalez warf Konfetti

Jede Ankunft der 33 Verschütteten wurde von ihren Familien gefeiert. Dabei spielten sich bewegende Szenen ab. Viele Kumpel dankten Gott für ihre Rettung und trugen T-Shirts mit der Worten "Gracias Senor, thank you Lord" (Danke Herr).

Als Erster war Florencio Avalos am Mittwoch, kurz nach Mitternacht (Ortszeit) aus der 4,50 Meter langen, in den Nationalfarben lackierten Kapsel gestiegen. Er war vor dem Grubenunglück am 5. August der zweite Vorarbeiter nach Urzua.

Mario Sepúlveda jubelt nach seiner Rettung mit den Zuschauern (Foto: AP)

Mario Sepúlveda gab als einziger nach seiner Rettung ein Interview

Der zweite Gerettete Mario Sepúlveda trat als einziger der Bergleute vor die Kameras: "Da unten waren Gott und der Teufel. Gewonnen hat Gott", sagte er und bedankte sich beim Rettungsteam, dem Präsidenten und allen Menschen für ihre Solidarität. Es sei "außerordentlich", was die Retter geleistet hätten: "Ich bin sehr glücklich, hier oben zu sein."

Der einzige Ausländer unter den Verschütteten, der Bolivianer Carlos Mamani, wurde von seiner Frau Veronica und von seinem Präsidenten Evo Morales begrüßt und rief "Danke, Chile!". Der "Día D" war auch ein historischer Schulterschluss zwischen Chilenen und Bolivianern. Die Beziehung zwischen den beiden Nachbarstaaten ist seit dem Salpeterkrieg (1879 bis 1884) immer noch gespannt.

"Match des Lebens" gewonnen

Der als 27. Bergmann befreite Franklin Lobos Ramírez war einmal ein berühmter Fußballer in Chile und wurde nach der Ankunft von seiner Tochter bestürmt und umarmt. Sie hatte ihm einen Ball mitgebracht, den Lobos auch sofort mit dem Fuß empor kickte. "Er hat das wichtigste Match seines Lebens gewonnen", kommentierte das chilenische Fernsehen.

Die Geretteten trugen dunkle Brillen, um ihre Augen nach so langer Zeit der Dunkelheit wieder an das Tageslicht zu gewöhnen. Nach einer medizinischen Kontrolle im Camp an der Bohrstelle wurden die Bergleute in eine Klinik geflogen. Einige der Männer könnten die Klinik vermutlich schon am Donnerstag verlassen, sagte Gesundheitsminister Jaime Manalich. Einer musste wegen Lungenentzündung behandelt werden, zwei weitere brauchten einen Zahnarzt.

Sektkorken und Nationalhymne

Retter halten in der Mine ein Schild mit der Aufschrift 'Mision cumplida. Chile' in die Höhe (Foto: AP)

Die Mission 'Rettung des Bergleute' war am Mittwoch um 21:55 Uhr beendet

Die im Schacht verbliebenen Retter hielten Minuten nach der Bergung des letzten Kumpels ein Schild in die unterirdisch installierten Kameras. Darauf stand: "Mision cumplida. Chile" (Mission erfüllt. Chile). Bei den Wartenden knallten derweil die Sektkorken und die Menschen sangen die Nationalhymne. Als letzter Retter kam Manuel Gonzalez am Donnerstag um 00:32 Uhr Ortszeit (05:32 Uhr MESZ) glücklich aus dem Schacht.

Die spektakuläre Rettung der seit mehr als zwei Monaten unter Tage eingeschlossenen Bergleute in Chile könnte sehr teuer gewesen sein. Präsident Sebastian Piñera sagte im chilenischen Fernsehen, die wochenlange Aktion habe zwischen zehn und 20 Millionen Dollar (bis zu 14 Millionen Euro) gekostet. Die Ausgaben seien zu zwei Dritteln vom Staat übernommen worden; der Rest sei über private Spenden finanziert worden. "Jeder Peso war es wert, jeder Peso wurde gut investiert", sagte Piñera.

Drama begann im August

Ein Mann baut sein Zelt ab (Foto: AP)

Die Journalisten bereiten ihre Abreise vor

Mehr als 1700 Journalisten hatten über die Rettungsaktion von der Unglücksmine aus in alle Welt berichtet. In den letzten zwei Monaten hatten Medien jede Kleinigkeit aus dem Leben der Verschütteten ausgegraben. Mit dem Ende des Dramas verlassen auch sie nun den Ort des Geschehens.

Die 32 Chilenen und ein Bolivianer hatten seit dem 5. August in der Kupfer- und Goldmine in der Atacama-Wüste rund 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago festgesessen. Um mit den knappen Ressourcen auszukommen, aßen die Kumpel in den ersten Tagen lediglich alle zwei Tage zwei Löffel Thunfisch. Erst nach 17 Tagen konnte die Gruppe ein Lebenszeichen absetzen und wurde danach durch enge Röhren mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Kleidung, elektronischen Geräten, Klappbetten versorgt.

Nach der rettenden Auffahrt beginnt für die Kumpel und deren Familien nun der schwierige Weg zurück in ein normales Leben.

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Gerhard M Friese

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