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Aktuell Deutschland

Misshandlung in deutschem Asylbewerberheim

Das Foto erinnert an Guantanamo: ein Wachmann drückt seinen Fuß auf einen gefesselten Menschen am Boden und grinst in die Kamera. Der Ort des Geschehens: Eine Notunterkunft für Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen.

Sie suchten Schutz in Deutschland – und wurden gedemütigt, wo sie eigentlich sicher sein sollten. In einer Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Burbach sollen zwei Asylbewerber von Angehörigen eines privaten Sicherheitsdiensts misshandelt worden sein. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht des Westdeutschen Rundfunks (WDR).

Ein Mann liegt gefesselt am Boden, man sieht, dass ein Fuß auf seinem Kopf gestellt ist (Foto: dpa)

Erinnert an Bilder aus Gantanamo: "Erinnerungsfoto" eines Wachmanns

Es gebe Hinweise auf mehrere Körperverletzungsdelikte in der Einrichtung des Landes, sagte der Hagener Polizeipräsident Frank Richter. Die Ermittler zeigten ein Handy-Foto, das einen bäuchlings am Boden liegenden Mann und zwei grinsende Sicherheitsmänner zeigt. Einer der beiden stellt dem gefesselten Opfer seinen Fuß in den Nacken. "Das sind Bilder, die man sonst nur aus Guantanamo kennt", sagte Richter unter Verweis auf das US-Gefangenenlager. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll ein Asylbewerber gezwungen worden sein, sich in Erbrochenes zu legen. Insgesamt sollen vier Wachmänner an den Misshandlungen beteiligt gewesen sein. Für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt es den Ermittlern zufolge bis jetzt keine Anzeichen.

Misshandlungen auch in anderer Unterkunft

Wie der WDR berichtet, hat es auch in einem Asylbewerberheim in der Stadt Essen Übergriffe gegeben. Dies hätten die Betroffenen gegenüber dem WDR geschildert.

Ein Schild mit der Aufschrift Siegerlandkaserne steht vor dem als Flüchtlingsheim genutzten Gebäude. (Foto: dpa)

Die ehemalige Siegerland-Kaserne in Burbach: hier wurden offenbar Flüchtlinge misshandelt

Beide Flüchtlingsunterkünfte werden dem Bericht zufolge von der Firma European Homecare betrieben. Das Unternehmen ist einer der größten Betreiber von Flüchtlingsunterkünften in Deutschland. Allein in Nordrhein-Westfalen betreibt es sechs der zentralen landesweiten Erstaufnahmeeinrichtungen. Den Recherchen zufolge hält sich "European Homecare" außerdem nicht an die mit dem Land vertraglich vereinbarten Standards für den Betrieb von Flüchtlingswohnheimen. So fehlten etwa ausreichend Psychologen, Erzieher und Sozialpädagogen. Zur Begründung habe die Betrieberfirma auf den Anstieg der Flüchtlingszahlen verwiesen.

Sonderkommisson ermittelt

Die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg räumte dem WDR zufolge Vertragsverletzungen durch European Homecare ein. Der stellvertretende Behördenleiter, Volker Milk, begründete ein fehlendes Einschreiten ebenfalls mit den höheren Flüchtlingszahlen. Man sei froh, dass die Menschen nicht in die Obdachlosigkeit gerieten sagte Milk, und weiter: "vor diesem Hintergrund bin ich nicht der Meinung, dass wir im Moment die Standards diskutieren sollten".

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger forderte eine zügige und umfassende Aufklärung der Vorfälle. "Wir dulden keine Gewalt gegen Asylsuchende", betonte der Minister. Wer Menschen in Not bedrohe und schikaniere, müsse hart bestraft werden. Eine Sonderkommission habe die Ermittlungen bereits aufgenommen, so Jäger. Außerdem sei der Sicherheitsdienst von der Bezirksregierung von seinen Aufgaben entbunden worden.

cw/rb (WDR, dpa, epd, kna, afp)