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Lebensart

"Miss Germany": Ein Jahrhundert schöner Frauen

Die 18-jährige Leipzigerin Soraya Kohlmann ist am Samstag zur "Miss Germany" gewählt worden. In Deutschland hat die Wahl zur Schönheitskönigin eine lange Tradition. Eine Zeitreise zu den Anfängen der "Miss"-Wahlen.

Die erste Schönheitskönigin wurde in Deutschland bereits 1909, also noch im Kaiserreich gekürt. Seinerzeit ging es um den Titel der "Miss Universum". Auch damals gab es schon Skandale und Zickereien, wie wir sie heute aus der TV-Casting-Show "Germany's Next Topmodel" kennen. Die Teilnehmerinnen kamen aus mehr als 30 Ländern nach Hamburg, wo der Wettbewerb stattfand. Einige von ihnen wollten ihre deutsche Konkurrentin, die Zigarettenverkäuferin Gertrud Dopieralski, mit unlauteren Mitteln aus dem Weg schaffen. Sie sollen unter anderem Spiritus in die Schminke der 20-Jährigen gegossen haben. Doch das nutzte ihnen nicht. Gertrud Dopieralski gewann den Wettbewerb und nannte sich fortan Gertrud Sieg. 

Die erste offizielle "Miss Germany" wurde erst Jahre später in Berlin gewählt. 1927 gewann die damals 21-jährige Hildegard Kwandt  aus Ostpreußen den Titel. Sie erhielt eine Blumenkrone und durch ihr plötzliche Bekanntheit zahlreiche Aufträge als Model. Die Jury bestand damals aus prominenten Männern. Der Boxer Max Schmelig war dabei, der Schriftsteller Heinrich Mann, aber auch der Filmregisseur Fritz Lang.

Verbot der "Miss"-Wahlen im Dritten Reich

Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten fand der Wettbewerb jährlich statt. Hinzu kamen lokale und regionale Schönheitswettbewerbe. Die Siegerinnen wurden in der Regel von den Veranstaltern an internationale Wettbewerbe weiter vermittelt und durften sich dort mit ihren Konkurrentinnen aus aller Welt messen. 

Hildegard Kwandt Miss Germany 1927 (picture-alliance/dpa/Haus der Geschichte)

"Miss Germany" 1927: Mit diesem Bild bewarb sich Hildegard Kwandt

Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten waren die "Miss"-Wahlen ab 1933 verboten. Erst 1949 wurden in die "Miss"-Wahlen im Westen Deutschlands wieder ins Leben gerufen. In der DDR sogar noch später. Denn im sozialistischen Osten galten derartige Wettbewerbe als kapitalistisches Teufelszeug. Sie würden Frauen erniedrigen, waren sich die Machthaber einig. Ein offizielles Verbot gab es jedoch nicht. Dennoch fand erst im Jahr 1986 die erste ostdeutsche "Miss Wahl" statt. 26 Frauen wetteiferten in Berlin um den Titel "Miss Frühling". Es folgte "Miss Sommer", "Miss Berlin" und 1990 schließlich die erste und letzte Wahl zur "Miss DDR". 

Zurück in die 1950er Jahre nach West-Deutschland: Die "Miss"-Wahlen waren populär wie nie. Die Siegerinnen galten als Vorbilder: Nicht nur elegant und schön, auch intelligent und wortgewandt sollten sie sein. Schließlich mussten sie das ganze Land repräsentieren. Erst die Frauenbewegung, die sich Ende der 1960er bildete, protestierte lautstark gegen die "Fleischbeschau". Langsam verlor die breite Öffentlichkeit das Interesse an den jungen Frauen, die die "Miss"-Wahl vor allem als Sprungbrett sahen und von einer Model-, Schauspiel- oder Gesangskarriere träumten.

Viele "Miss"-Wahlen machen sich gegenseitig den Rang streitig

Dass sich ab den 1980ern verschiedene Veranstalter den Titel "Miss Germany" streitig machten, kratzte schwer an der Relevanz der deutschen "Miss"-Wahlen. Kaum eine "Miss" der vergangenen Jahrzehnte ist heute noch bekannt. Eine Ausnahme bildet die Moderatorin Verona Pooth, damals Feldbusch, die 1993 den Titel "Miss Germany" errang und anschließend im Privat-Fernsehen Karriere machte. 

Seit 2000 ist die "Miss Germany Cooperation" in Oldenburg alleiniger Veranstalter des Wettbewerbs. Sie schaffte es zudem, die Marke des "Mister Germany" zu etablieren und kürt mittlerweile auch die "Miss 50plus". Den Siegerinnen und Siegern winkt neben einem Dienstwagen für die einjährige Amtszeit, unter anderem ein Fotoshooting, eine Reise, ein Jahresvertrag mit dem Veranstalter und eine Weile erhöhte mediale Aufmerksamkeit.

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