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Amerika

Miranda: "Es gab psychologische Folter"

Der Lebenspartner des "Guardian"-Journalisten Glenn Greenwald, David Miranda, hat im DW-Interview den britischen Sicherheitsbeamten vorgeworfen, ihn beim Verhör auf dem Londoner Flughafen Heathrow misshandelt zu haben.

Deutsche Welle: Hat das Verhör ihren Glauben an die Demokratie erschüttert?

David Miranda: Die USA und England meinen immer noch, sie können uns hier in Südamerika kontrollieren. Das ist so eine Art Imperialismus. Genauso war es, als Boliviens Staatschef Evo Morales kürzlich in Wien zwangslanden musste. Mit mir haben sie dasselbe gemacht, als sie mich elf Stunden lang festgehalten haben, neun in einem abgeschlossenen Raum, und zwei Stunden außerhalb.

Körperlich sind Sie bei dem Verhör unversehrt geblieben …

Es gab psychologische Folter. Sie sagten mir klipp und klar: "Wenn die USA und England jemanden unter dem Verweis auf das Anti-Terror-Gesetz verhaften, gibt es für sie keine Grenzen. Sie nehmen Personen aus unterschiedlichen Ländern fest, setzen sie in ein Flugzeug und schicken sie nach Guantánamo. Dort bleiben sie neun Jahre in Haft ohne Gerichtsverfahren, ohne nichts." Deshalb bekommt man Angst, wenn sie vom Anti-Terror-Gesetz sprechen. Sie haben mir gedroht, mich zu verhaften, wenn ich mich nicht kooperativ verhalte. Das haben sie immer wieder betont.

Wie viele Beamte waren das?

Sieben.

Sieben gegen einen?

Nein, sie haben sich abgewechselt.

Wie haben Sie das Verhör durchgestanden?

Ich wusste, dass mein Lebensgefährte mir beistehen würde, und ich habe auch auf meine Regierung vertraut. Irgendwann würde ich eine Antwort bekommen. Aber ich durfte erst nach acht Stunden Kontakt zu meinem Anwalt aufnehmen. Wahrscheinlich habe ich mich ganz gut geschlagen, weil ich mich in der internationalen Politik etwas auskenne. Ein anderer Brasilianer hätte mit der Situation vielleicht nicht so gut umgehen können.

Glenn Greenwald (li.) und David Miranda (Foto: EPA/Marcelo Piu)

Glenn Greenwald (re.) und David Miranda

Sprechen sie mit Glenn Greenwald über die Dokumente?

Nein, wir sprechen nie über den Inhalt geheimer Dokumente. Ich kümmere mich um die Marketingstrategie, manage die Karriere meines Lebensgefährten, aber den Inhalt der Dokumente erfahre ich auch erst, wenn sie veröffentlicht werden.

Als Sie am Londoner Flughafen Heathrow festgehalten wurden, kamen Sie aus Berlin. Was haben Sie dort gemacht?

Ich hatte noch eine Woche Urlaub. Und eine Freundin [die US-Regisseurin Laura Poitras, Anm. d. R.] hat mich nach Berlin eingeladen, ein paar Tage bei ihr zu verbringen. Berlin kannte ich noch nicht, also habe ich sie besucht.

Haben Sie Laura Poitras' aktuellen Film schon gesehen? Wovon handelt er?

Ja. Es ist eine Dokumentation über die Geschichten der NSA. Ich habe ihr auch Aufnahmen mitgebracht, die im brasilianischen Senat gemacht wurden, als Glenn Greenwald über den Fall Snowdon und die Berichterstattung Zeugnis abgelegt hat.

Wurde das Material auch beschlagnahmt?

Nein. Es ist bei Laura.

Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt mit einer Festnahme gerechnet?

Nein, eigentlich nicht. Denn mehrere Personen, die sich mit der NSA-Geschichte befassen, sind in den letzten zwei, drei Monaten über London geflogen. Sie sind nach Brasilien gekommen oder nach New York über London gereist, und keiner wurde festgehalten. Ich glaube, sie dachten mit einem Brasilianer könnten sie machen, was sie wollen.

Wie bewerten Sie die Reaktion des brasilianischen Außenministers Antonio Patriota auf den Vorfall?

Es war gut, dass er sofort reagiert hat, aber meiner Meinung nach war seine Antwort nicht ausreichend. Denn es ist ein entscheidender Unterschied, eine Antwort zu haben, oder zu sagen, "Ich will nicht, dass sich dieser Vorfall wiederholt". Ich hoffe, dass die Regierung unseres Landes zu einer Haltung kommt, die verhindert, dass so ein Vorfall noch einmal einem Brasilianer widerfährt.

Wie bewusst nehmen Sie Ihre Rolle in dem Fall wahr?

Sehr bewusst. Eigentlich gebe ich nicht gerne Interviews, sondern arbeite im Hintergrund für Glenn. Aber als brasilianischer Staatsbürger trete ich in den Vordergrund, damit so etwas keinem Brasilianer je wieder passiert.

Sie wollen in Großbritannien vor Gericht gehen. Wie lautet die Anklage?

Ich habe drei Forderungen: Das Gericht soll klarstellen, dass das Anti-Terror-Gesetz missbraucht wurde. Außerdem will ich mein beschlagnahmtes Eigentum zurück. Am wichtigsten ist mir allerdings, dass von den Daten - auf meinem Laptop, meinem Handy, meiner externen Festplatte - keine Kopien erstellt und weitergeleitet werden.

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