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Wirtschaft

"Minus sechs Prozent ist zu pessimistisch"

Seit die führenden Wirtschaftsinstitute für die deutsche Wirtschaft ein Minus von sechs Prozent in diesem Jahr vorausgesagt haben, hat auch die letzten Optimisten der Mut verlassen. Doch einer hält dagegen.

Ein graphischer Kompass(Foto: picture-alliance / united-archives/mcphoto)

Wann geht es endlich bergauf?

"Die Weltwirtschaft steckt in der tiefsten Rezession seit den 30er Jahren." "Die deutsche Wirtschaft fällt auf das Niveau der 50er Jahre zurück." Solche Schlagzeilen beherrschen die Medien. Die Voraussage der Wirtschaftsforschungsinstitute, dass die deutsche Wirtschaft um sechs Prozent schrumpfen wird, hat noch mal Öl ins Feuer gegossen. Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, hält diese Prognose für "eine zu pessimistische Einschätzung". Er sieht bereits positive Signale: "Wir haben eine Reihe von Indikatoren: die Aftragseingänge aus dem Ausland sind vom Januar auf Februar kaum noch geschrumpft. Die Lagerbestände sind stark zurückgefahren und müssen irgendwann aufgefüllt werden. Wir haben in China, was den Einkaufsmanager-Index angeht, erstmal wieder über 50 Punkte."

Diesem Index wird viel Bedeutung beigemessen. Ein Wert von über 50 Punkten signalisiert Wachstum. Auch der Internationale Währungsfonds zeigte sich auf der Frühjahrstagung am Wochenende zuversichtlich, dass die Wirtschaftskrise einem Ende entgegensteuert.

Talsohle im zweiten Halbjahr erreicht?

Michael Hüther: Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (Foto: dpa)

IW-Direktor Michael Hüther ist optimistischer als die meisten seiner Zunft

IW-Direktor Hüther geht davon aus, dass in Deutschland die Talsohle im zweiten Halbjahr erreicht sein wird – vorausgesetzt, die Finanz- und Geldpolitik entfaltet ihre erhoffte Wirkung. Dabei ist er nicht der Einzige, der hierzulande optimistischer in die Zukunft schaut. Auch Vertreter aus der Wirtschaft blicken mit mehr Zuversicht nach vorn. Manfred Wittenstein, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), rechnet im Frühsommer mit dem Tiefstpunkt. Danach dürfte es wieder langsam bergauf gehen. Gerade die stark gebeutelte Maschinenbau-Branche, die Auftragseinbrüche von teilweise 50 Prozent verkraften musste, glänzte auf der Hannover Messe mit Neuigkeiten und Innovationen.

Eberhard Veit, Vorstandsvorsitzender der Festo AG, ein schwäbisches Familienunternehmen und Weltmarktführer im Bereich Automatisierung, beschreibt die Stimmung in der Branche: "Ich habe manchmal den Eindruck, als würden wir vor einer Fußballweltmeisterschaft stehen, wo jeder trainiert, wo jeder kämpft, auch auf schlechtem Rasen vielleicht übt, um dann anschließend, wenn die Spiele wirklich los gehen, gewinnen zu können. "

Wann die "Spiele" losgehen, darüber sind sich die Experten uneinig. Dass aber jedem Abschwung ein Aufschwung folgt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Bis dahin wird sich an der globalen Entwicklung wenig geändert haben. Die Schwellenländer werden weiter nach hohem Wachstum streben. Der demographische Wandel wird sich fortsetzen. Die Rohstoffe bleiben weiterhin knapp. Dann sind die Stärken des Industriestandortes Deutschland wieder gefragt.

Den Unternehmen unter die Arme greifen

Plakat Kunjunkturpaket auf Euro-Bündeln (Foto: dpa)

"Kein drittes Konjunkturpaket" - fordert das IW in Köln

Die gute Ausgangsposition der deutschen Wirtschaft tröstet die Unternehmen aber nicht über ihre aktuelle Notlage hinweg. Daher empfiehlt IW-Direktor Michael Hüther der Bundesregierung, nicht ein drittes Konjunkturpaket aufzulegen, sondern den Unternehmen direkt unter die Arme zu greifen. Denn während die Aufträge weggebrochen sind, bleiben sie auf ihren festen Ausgaben sitzen. "Um dann Liquiditätsschwierigkeiten zu verhindern, kann der Staat sehr gezielt etwas tun." Zum Beispiel Arbeitgebersozialbeiträge beim Kurzarbeitergeld erlassen oder bei der Ertragsbesteuerung entweder die Vorauszahlung schneller anpassen oder stunden. "Das würde kein zusätzliches Geld Kosten, aber den Unternehmern zeitlich etwas Luft verschaffen."

Und die Medien? Wird durch die teilweise schwarzmalerische Berichtererstattung nicht gerade eine große Depression herbeigeredet? Davon, dass in den Medien Parallelen zu den 30er Jahren gezogen werden, hält Wirtschaftsexperte Hüther jedenfalls wenig: "Der historische Vergleich trägt nicht. Die Krise der 30er Jahre ist ohne den Ersten Weltkrieg und seine Folgen und die ganzen Verwerfungen der 20er Jahre nicht zu verstehen. Und man tut nicht gut daran, wenn man solche Vergleiche herbei holt. Das schafft kein Vertrauen."

Autor: Zhang Danhong
Redaktion: Rolf Wenkel

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