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Sport

Minigolf: Unterschätzt, aber erfolgreich

20 Millionen Besucher hatten Deutschlands Minigolf-Anlagen im Jahr 2011. Doch was viele nicht wissen: Eine kleine Gruppe betreibt Minigolf als Leistungssport.

Minigolf in Israel, Kind und Vater auf einer Testanlage in Tel Aviv. (Foto: Ronny Blaschke/DW)

Minigolf in Israel

Wenn Gerhard Zimmermann über Minigolf spricht, klingt er nicht wie ein Hobbysportler, sondern wie ein Wissenschaftler. Er hat hunderte Bälle vermessen und katalogisiert, er hat sie bei verschiedener Witterung getestet, auf harten und weichen Belegen, er hat seine Körperhaltung angepasst, seine Schlagtechnik verfeinert. "Das ist Tüftelarbeit, man muss die Bälle verstehen", sagt er. "Diese Arbeit muss man lieben. Sie kommt Leuten zu Gute, die sich gern mit sich selbst beschäftigen." Gerhard Zimmermann ist Mister Minigolf: Seit 2003 leitet er den Deutschen Minigolfsport-Verband, seit 2011 auch den Weltsportverband. Er gehört zu der Handvoll deutscher Funktionäre, die an der Spitze einer Sportart stehen. Doch wie genau sieht sein Alltag aus?

April dieses Jahres, ein Einkaufszentrum in Ramat Gan, einem Vorort von Tel Aviv. Auf einem abgesperrten Parkplatz sind acht Minigolfbahnen montiert. Gerhard Zimmermann umklammert einen Schläger, mustert die Anlage, fixiert den Ball. Neben ihm hat sich ein Halbkreis gebildet. Familien stellen ihre Einkaufstaschen ab, beobachten Zimmermanns Schlagtechnik. Sie kennen Fußball, Tennis, Basketball, aber Minigolf? Davon haben sie in Israel noch nichts gehört. Eine Mutter schießt Fotos mit ihrem Handy. "Wenn Sie einmal anfangen", sagt Zimmermann und lächelt, "dann hören Sie nicht mehr auf."

Ursprünge im 15. Jahrhundert

Seit mehr als 40 Jahren hat sich Gerhard Zimmermann dem Minigolf verschrieben, der 57-Jährige hat dutzende Titel gesammelt. Er hat die Nationalteams Deutschlands trainiert, auch die der Schweiz, Griechenlands und Dänemarks. In der öffentlichen Wahrnehmung wird Minigolf auf Freizeitspaß reduziert – für Zimmermann ist Minigolf Leistungssport: "Große Turniere dauern meist vier Tage, die Spieler müssen täglich zwölf Stunden konzentriert und topfit sein. Minigolf ist verglichen mit anderen Sportarten nicht weniger aufwändig."

US-Präsident Barack Obama and First Lady Michelle spielen Minigolf. (EPA/DAN ANDERSON, dpa)

Minigolf spielen kann jedermann, auch US-Präsident Barack Obama (l.) mit seiner Frau Michelle (r.)

Mitte des 15. Jahrhunderts soll der chinesische Kaiser Xuande eine Art Golf gespielt haben. Jahrhunderte später beanspruchte ein gewöhnlicher Golfplatz mit 18 Löchern rund 50 Hektar. Die Kosten wuchsen, meist kamen die Aktiven aus gehobenen Schichten der Gesellschaft. So entstand die Idee, eine kleinere und damit günstige Lösung zu schaffen. Bei den Olympischen Spielen 1904 wurde eine dem Minigolf ähnliche Disziplin vorgestellt. In den 1920er und 1930er Jahren entstanden kleine Golf-Anlagen, auf diesen Bahnen wurden Hindernisse montiert: Märchenfiguren, Windmühlen, Netze. Ab den 1950er Jahren etablierte sich Minigolf in Mitteleuropa. Allein 2011 wurden auf den 3000 deutschen Minigolf-Anlagen rund 20 Millionen Besuche registriert.

An der Weltspitze mit zehn von 14 WM-Medaillen

Gerhard Zimmermann berichtet von dieser Geschichte auf seiner Werbetour im Frühjahr in Israel. Der promovierte Pharmazeut sitzt nun im Büro des Bürgermeisters von Ashdod, gemeinsam mit Noam Zeichner, dem Chef des israelischen Minigolfverbandes, der 2011 als jüngstes Mitglied in den Weltverband aufgenommen wurde. Ashdod liegt südlich von Tel Aviv, in wenigen Monaten soll dort auf einem Hügel mit Meerblick eine der modernsten Minigolfanlagen entstehen. Zimmermann und Zeichner brauchen die Unterstützung der Politik, sie stellen Minigolf als vielseitiges Feld vor, zwischen Leistungssport und Hobby. 3,4 Millionen Touristen waren 2011 nach Israel gereist, damals war die Eskalation im Nahostkonflikt noch nicht abzusehen.

Der Minigolf-Profi Marcel Noack spielt Minigolf. (Foto: Fredrik von Erichsen dpa/lrs)

Minigolf als Profisport: Minigolf-Profi Marcel Noack beim Training.

Gerhard Zimmermann vergleicht Minigolf mit Kino: "Kind und Kegel können dabei sein, ob sie topfit sind, übergewichtig oder eine Behinderung haben. Dadurch ist unsere Basis sehr breit." Ab den 1960er Jahren entwickelte sich in Deutschland ein geregelter Spielbetrieb, in der Einzel- und Teamdisziplin. Auf unterschiedlichen Bahnen wurde das gleiche Ziel verfolgt: mit wenigen Schlägen den Ball ins Loch zu befördern. Seit Jahrzehnten gehören die Deutschen zur Weltspitze, bei den Weltmeisterschaften 2011 in Stockholm gewannen sie zehn von 14 möglichen Medaillen. Gerhard Zimmermann versucht die rund 60 Kaderathleten nachhaltig zu fördern: "Unsere Öffentlichkeitsarbeit muss professioneller werden, dann kommen Sponsoren und Zuschauer."

Keine Wurzeln in Afrika

Der israelische Minigolfchef Noam Zeichner führt seinen deutschen Kollegen Zimmermann im April durch die Altstadt von Jerusalem. Bislang ist Minigolf vor allem eine europäische Sportart, mit wenigen Außenstellen in den USA, Japan oder Australien. Zimmermanns Weltverband organisiert 1500 Turniere im Jahr, meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Er möchte ein Netzwerk zwischen Politik, Wirtschaft und Sportverbänden knüpfen, damit weitere Anlagen entstehen. Wie zuletzt in der Türkei oder im Kosovo. Doch gute Anlagen sind teuer.

"Wir haben in Afrika noch nicht Fuß fassen können", berichtet Zimmermann. "Eine meiner Hauptaufgaben ist, unsere 44 Mitgliedsnationen zu stärken und zu erweitern." Sein großer Traum ist die Aufnahme ins olympische Wettkampfprogramm. "Wir brauchen uns nicht zu verstecken, Minigolf ist spannend und telegen." Demnächst kann Zimmermann zu Hause für seine Sportart trommeln. Im Sommer 2013 finden im niedersächsischen Bad Münder die Weltmeisterschaften statt. Eine bessere Werbeplattform kann sich Gerhard Zimmermann nicht vorstellen. Für seinen Sport. Für seine Wissenschaft.