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Wirtschaft

Mini-Kredite helfen Frauen in Entwickungsländern

Viele Menschen in Entwicklungsländern leben von weniger als 50 Euro einen ganzen Monat lang. Kredite aus den reichen Ländern sollen zur Selbstständigkeit verhelfen.

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Auf Kredite angewiesen: Arbeiterin in Sierra Leone

Ein eigenes, kleines Unternehmen als Weg aus der Armut scheint unerreichbar. Dabei würden 50 bis 100 Euro oft schon reichen. So liegt es nahe, so genannte Mikrokredite als entwicklungspolitisches Instrument einzusetzen. Mit Erfolg: Die Rückzahlungsmoral ist sehr hoch und liegt bei mehr als 90 Prozent. Eine Organisation, die Geld für solche Kredite zur Verfügung stellt, ist Oikocredit. Die 1975 gegründete ökumenische Entwicklungsgenossenschaft verfügt heute über ein Anteilskapital von rund 200 Millionen Euro. Das Geld stammt von Organisationen und Privatleuten aus den reichen Ländern, die Gutes tun und dabei noch etwas Gewinn machen wollen: Wer sein Geld bei Oikocredit anlegt, erhält eine Rendite von zwei Prozent.

Keine Almosen

Für Ellen Schepp-Winter vom Vorstand des westdeutschen Oikokredit-Förderkreises ist es wichtig, dass eine Zahlung an Oikocredit kein Almosen ist, "das heißt, dass die Wirtschaftspartner in den Ländern des Südens als Wirtschaftspartner angesehen werden. Und das heißt auch, dass man diesen Menschen Vertrauen schenkt, dass sie es schaffen, ihre Position im Wirtschaftsleben zu finden."

Oikokredit sammelt also Geld in den reichen Ländern und verleiht es an Partnerunternehmen in 50 armen Ländern. Die verleihen es weiter an die Menschen, die es wirklich brauchen, in Form so genannter Mikrokredite. Ab zehn Euro geht es los. Das scheint nicht viel, aber in viele Ländern lässt sich mit diesem Betrag schon der Grundstein legen zu einem Geschäft, sagt Oikocredit-Geschäftsführerin Ulrike Chini: "Mit zehn Euro könnte ich mir zum Beispiel Bleistifte kaufen und die weiter verkaufen. Oder Altkleider kaufen und weiterverkaufen. Oder Tomaten auf dem Großmarkt kaufen und die mit einem kleinen Gewinn in meinem Umfeld weiterverkaufen."

Frauen vertrinken Kredite nicht

Mikrokredite werden vor allem an Frauen vergeben. Das hat mehrere Gründe. Zum einen lässt sich über die Kreditvergabe die Stellung der Frauen und das Ansehen ihrer Arbeit verbessern. In vielen Ländern hätten sie normalerweise überhaupt keinen Zugang zu Krediten. Zum anderen zeigt die Erfahrung, dass Frauen wesentlicher zuverlässigere Geschäftspartner sind. Sie vertrinken ihren Kredit nicht, sondern schaffen Werte für ihre Familie. Zudem gelten sie als gute Schuldner. Die Ausfallquote von Kleinstkrediten geht nach Angaben von Ulrike Chini gegen Null. Mikrokredite stellen für viele Menschen die einzige Möglichkeit dar, überhaupt an Kapital zu kommen.

Im Schnitt zahlen sie dafür 25 Prozent Zinsen pro Jahr. Das scheint enorm, angesichts der zwei Prozent Rendite der Anteilseigner. Die Zinssätze in Ländern mit wenig entwickelten Banksystemen sind generell höher. Mikrokredite lägen nur etwas über dem Zinssatz lokaler Banken, betont Ulrike Chini: "Wir waren jetzt in Osteuropa, in Rumänien. Da lag der Zinssatz einer normalen Bank bei 26-30 Prozent, auf lokaler Währung. Der Zinssatz der Mikrofinanzinstitutionen lag bei 28-36 Prozent, also leicht darüber." Dennoch ist der Andrang auf diese Organisationen groß - bei normalen Banken bekommen die meisten Menschen überhaupt keinen Kredit, da sie die verlangten Sicherheiten nicht vorweisen können. Ein Grund für die relativ hohen Zinsen sind die Kosten der Mikrofinanz-Institutionen. Zwar erhalten sie von Oikokredit relativ günstige Kredite von im Schnitt neun Prozent. Das Geld verleihen sie vor Ort aber nicht einfach weiter. Vielmehr entwickeln sie sinnvolle Geschäftsmodelle für ganze Dörfer, um einen möglichst großen Effekt zu erzielen. Sie schulen die Kreditnehmer und helfen ihnen bei ihren Geschäften.

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