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Wirtschaft

Mini-Flitzer für umsonst

Nachdem sie die großen Fluggesellschaften kräftig aufgemischt haben, sind jetzt die Auto-Vermieter dran: Billig-Anbieter wollen der etablierten Konkurrenz mit Tiefstpreisen und wenig Service die Kunden wegnehmen.

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Folge des Wettbewerbs der Auto-Vermieter: Smart-Miete für 0 Euro

Der Preiskampf macht´s möglich: Noch bis zum kommenden Sonntag (6.7.2003) gibt es beim vor wenigen Wochen gestarteten Billig-Anbieter Sixti in Deutschland einen Wagen für einen Tag gratis. Auch üblicherweise anfallende Nebenkosten wie Versicherungen oder Kilometerpauschale sind im Null-Euro-Paket schon enthalten. Einzige Bedingung: Der Kunde muss einen Flug mit der Billig-Fluggesellschaft German Wings von Köln nach Berlin buchen.

Mit der PR-Aktion dürfte Sixti den Dauer-Kampf um die niedrigsten Mietwagen-Preise in Europa vorerst für sich entschieden haben. Zumindest für einige Wochen, denn bestimmt brüten die Manager der Konkurrenten schon an neuen Offerten. Gut möglich, dass Kunden bald eine Prämie für die Übernahme eines Mietwagens bekommen werden. Damit lässt sich zwar kein Geld verdienen, aber besonders in der heißen Anfangsphase im Billig-Mietwagen-Segment geht es den Anbietern darum, die Marke und die Preisführerschaft beim Kunden zu etablieren.

Griechischer Weckruf

Den Urknall der Branche löste im Frühjahr 2000 ein alter Bekannter aus: Stelios Haji-Ioannou, der griechische Unternehmer und Gründer der Billig-Airline Easyjet, ging in Großbritannien mit seiner Neugründung Easycar an den Start. Das Konzept ist einfach: Günstige Preise, wenig Service. Wie die Billig-Flüge können die Mietwagen nur per Internet oder kostenpflichtiger Hotline gebucht werden, Einwegmieten sind nicht möglich. Die Preise sind nachfrageabhängig und beinhalten 100 Freikilometer. Wer mehr fährt, den bittet Easycar zur Kasse: Auch die Reinigung eines schmutzig zurück gebrachten Wagens muss der Kunde bezahlen. Easycar berechnet dafür 16 Euro, Sixti verlangt 15 Euro.

Neben Großbritannien ist Easycar inzwischen auch in Frankreich, Spanien und der Schweiz vertreten. Die Ankündigung des Preisbrechers vom vergangenen Jahr, auch in Deutschland anzutreten, löste Schockwellen bei den etablierten Anbietern aus. Die Aktie des größten deutschen Auto-Vermieters Sixt brach nach der Nachricht aus London um rund zehn Prozent ein. Zwar hat Easycar seine Deutschland-Pläne vorerst auf Eis gelegt, dennoch verfehlte der Weckruf von der Insel seine Wirkung nicht.

Klein und schnell

Am schnellsten reagierte das Berliner Unternehmen Navicar. Die Tochtergesellschaft einer Baudienstleistungsfirma ging im Herbst 2002 an den Start. Mit dem Angebot einen Smart für neun Euro zu mieten, lockte Navicar zahlreiche Kunden und baute schnell ein Fililalnetz in Deutschland auf. Ein halbes Jahr verging, dann reagierte Marktführer Sixt mit der Gründung der Billig-Tochter Sixti und einem Kampf-Preis für den Smart von fünf Euro. Während Navicar nur in Deutschland mit 25 Stationen vertreten ist, klotzte Sixt gleich richtig ran: Sixti ist mittlerweile in sechs europäischen Ländern aktiv und tritt dabei in Großbritannien und Frankreich direkt gegen Easycar an. Auch in Italien sollen noch in diesem Jahr erste Filialen eröffnet werden.

Über mangelnde Nachfrage können sich die Billig-Vermieter nicht beklagen: Nach Sixt-Angaben lagen in den ersten vier Wochen nach dem Start von Sixti bereits 10.000 Buchungen vor. Schon im nächsten Jahr soll das Unternehmen zehn Millionen Euro Umsatz einfahren. Der Erfolg der Konkurrenz sorgt nun auch bei den internationalen Branchen-Giganten für Bewegung. Die weltweite Nummer Eins, Hertz, schließt die Gründung einer eigenen Billig-Marke nicht mehr aus und der europäische Marktführer Avis plant, seine Tochtergesellschaft Budget neu auszurichten. Bereits reagiert hat die Volkswagen-Tochter Europcar. Sie legte die alte Marke Interrent wieder auf und wirbt damit vorerst in Berlin und Köln um preisbewusste Kunden.

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