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Wirtschaft

Mini-Crash oder Konsolidierung?

Die Börsen weltweit verzeichnen seit Wochen sinkende Kurse. Doch aus welchem Grund? Liegt es an der alten Börsenregel "Sell in May and go away" - oder sind andere Faktoren dafür verantwortlich?

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Händler in New York

Verkaufe im Mai und bleibe dann der Börse eine Weile fern, das wirkt ein wenig wie eine Bauernregel. Diesmal aber scheinen sie besonders viele Börsianer befolgt und besonders viel verkauft zu haben - und das weltweit. Denn die Börsen in New York, Tokio und Frankfurt kennen seit Wochen nur eine Farbe: Rote Minuszeichen beherrschen das Bild. Da muss doch mehr dahinter stecken?

Fidel Helmer leitet den Wertpapierhandel der Privatbank Hauck & Auffhäuser. Fachleute wie er haben schon lange eine Konsolidierung auf den Aktienmärkten erwartet. Aber dass es so dick kommen würde wie in den letzten Tagen, das hat auch ihn überrascht: "Das spielt sich ja leider nicht nur in Frankfurt ab, sondern weltweit. Die Märkte waren in den ersten vier Monaten dieses Jahres natürlich sehr, sehr positiv und selbst die größten Optimisten haben Ende letzten Jahres keine Prognose gestellt, dass der DAX Mitte April 6100 Punkte erreicht." Erstaunlich war jedoch Ausmaß der Reaktionen, wie es jetzt offensichtlich wird.

Schlechteste Bilanz seit 20 Jahren

Börsen-Symbol Bulle

Der "Bulle", Symbol für steigende Aktienkurse, hat zurzeit weltweit einen schweren Stand

In Zahlen: Seit Mitte April hat der Deutsche Aktienindex, in dem die 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen gelistet sind, rund 800 Punkte oder 13 Prozent verloren. Das war die schlechteste Mai-Bilanz seit 20 Jahren. Doch nicht nur in Frankfurt haben die Kurse gelitten, auch in New York und Tokio gingen die Notierungen in den Keller. Die privaten Anleger sind verunsichert, sie halten sich zurück.

Das Geschäft machen andere, sagt Fidel Helmer: "Es resultiert wahrscheinlich daraus, dass diese großen Hedgefonds in Amerika diese Situation der verunsicherten Märkte sicherlich ausnützen. Und über Derivate bestehen natürlich heutzutage die Möglichkeiten, dass solche Situationen mit relativ geringem Kapitaleinsatz weidlich ausgenützt werden können". Die breite Anlegerschaft sei verunsichert, sagt er weiter. Und damit seien eigentlich rückläufige Kurse, die von den Derivatemärkten her kommen, programmiert.

Wie Wetten auf die Kurse

Symbolbild: Geldbörse

Hedgefondes haben das nötige Kleingeld für den Derivate-Handel. Privatanleger sollten die Finger davon lassen

Derivate sind aus dem eigentlichen Aktienhandel abgeleitete Options- und Termingeschäfte, zum Beispiel auf Aktienindices. Sie sind wie eine Wette auf steigende oder fallende Kurse. Privatanleger sollten die Finger davon lassen - aber die Hedgefondes haben das nötige Kleingeld, um solche Wetten im großen Stil durchzuziehen. "Diese Wetten gehen natürlich im Moment auf´", erklärt Helmer. "Und das nützt den großen Hedgefonds, die sich nach allen Seiten hin bewegen können."

Wenn sich die privaten Anleger zurückhalten, schlägt die Stunde der Fonds, der institutionellen Anleger. Gerade die schwachen Umsätze an der Börse wegen des Großspektakels "Fußballweltmeisterschaft" machen deutsche Aktien besonders anfällig für heftige Kursschwankungen, die gezielt durch institutionelle Anleger ausgelöst werden können. In besonders krasser Form könnte dieser Effekt in dieser Woche auftreten, wenn trotz des Fronleichnam-Feiertages die Börsen in Deutschland geöffnet sind. Und am Freitag steht auch noch der so genannte "dreifache Hexensabbat" auf dem Programm. Dann laufen an der Terminbörse Eurex Kontrakte auf Aktien und Aktienindices aus - häufig verbunden mit heftigen Kursschwankungen.

Den richtigen Zeitpunkt kennen

Man sieht: Mit fundamentalen Faktoren, etwa dem Dollar, dem Ölpreis, oder mit den nach wie vor guten Quartalsbilanzen der meisten börsennotierten Unternehmen, hat der gegenwärtige Abstieg an den Börsen herzlich wenig zu tun: "Wir brauchen ja immer Erklärungen, und die Erklärungen für die schwachen Märkte sind natürlich Angst vor Inflation und Angst vor weiter steigenden Zinsen", meint Helmer. Mit anderen Worten: An der Börsenregel "Sell in May and go away" scheint doch etwas dran zu sein. Nach der Sommerpause, ist Helmer überzeugt, werden auch die alten Argumente wieder ziehen. Nur den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg - den kann auch er nicht vorhersagen.

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