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Fokus Osteuropa

Minengefahr in Armenien nicht gebannt

In den Grenzgebieten zu Aserbaidschan werden nach wie vor Menschen Opfer von Minen. Einem Bericht nach entstehen durch die Minenfelder zudem wirtschaftliche Verluste. Die Minenbeseitigung wird noch viele Jahre dauern.

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Über 300 km² sind noch nicht entschärft

Am 5. April fand in Jerewan eine internationale Konferenz über die Auswirkungen der Minen auf das Leben und die Wirtschaft Armeniens statt. 12 Jahre nach dem Waffenstillstand zwischen Jerewan und Baku werden immer noch Menschen Opfer von Minen, die nach dem Krieg um das Gebiet Berg-Karabach zurückgelassen wurden. In dem ersten staatlichen Bericht zu diesem Problem, der auf der Konferenz vorgestellt wurde, heißt es, die Lage werde dadurch erschwert, dass keine Zusammenarbeit mit der aserbaidschanischen Seite bestehe. Ferner fehlten Karten der Minenfelder.

102 verminte Territorien bekannt

In Armenien sind seit 1994 insgesamt 394 Menschen Opfer von Minen geworden. Davon verloren 123 Menschen ihr Leben. Die restlichen Opfer trugen Verletzungen unterschiedlichen Grades davon. Diese Zahlen werden im ersten staatlichen Bericht über die Auswirkungen der Minen genannt, der vom Leiter des UNO-Programms für Minenbeseitigung, Armen Grigorjan, vorgetragen wurde. Seinen Angaben zufolge sind in fünf armenischen Grenzgebieten zu Aserbaidschan 102 verminte Territorien bekannt. Ihre Gesamtfläche beträgt insgesamt 322 Quadratkilometer.

Bauern fehlt Land

In unmittelbarer Nähe zu jenen verminten Territorien leben mehr als 70.000 Menschen. Das sind vor allem Bauern, die seit 12 Jahren Tausende von Hektar Land nicht nutzen können. Die Auswirkungen der Minen auf das soziale und wirtschaftliche Leben der Menschen in den Grenzregionen sind dramatisch. Die Verluste erreichen Millionenhöhe. Die Lage wird heute dadurch erschwert, dass nicht nur Felder in Grenzgebieten zu Aserbaidschan vermint sind, sondern auch Wälder und Berge.

EU und USA helfen

In einem Gespräch mit der Deutschen Welle sagte UNO-Mitarbeiter Grigorjan, im vergangenen Jahr sei das Zentrum für Minenbeseitigung in der Lage gewesen, nur 100.000 Quadratmeter Land in einem der Grenzgebiete zu prüfen. Unschädlich gemacht worden seien 72 Tretminen, 35 Panzerminen sowie 1500 Stück Munition. Das Programm zur Minenbeseitigung in Armenien, das von der EU und den USA finanziert wird, besteht seit fast zwei Jahren und wird noch bis zum kommenden Jahr durchgeführt. Grigorjan zufolge kostet die Minenbeseitigung pro Quadratmeter abhängig vom Schwierigkeitsgrad zwischen acht und 35 US-Dollar.

Bevölkerung muss Risiken kennen

In diesem Jahr wird die technische Prüfung verminter Territorien fortgesetzt, zu denen auch Landkarten angefertigt werden. Nicht weniger wichtig ist, die Menschen, in erster Linie die Kinder in den Grenzgebieten über die Gefahren zu informieren. Das könne das Risiko für die friedliche Bevölkerung reduzieren. Um alle Minen von den betroffenen Territorien zu beseitigen, werde man Dutzende von Jahre benötigen, auch, wenn die Finanzierung stabil bleibe, unterstrich Grigorjan.

Aschot Gasasjan, Jerewan

DW-RADIO/Russisch, 5.4.2006, Fokus Ost-Südost