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Wirtschaft

Mindestlohn ist nicht gleich Mindestlohn

Die Debatte um Mindestlöhne in Deutschland ist entfacht. In den meisten europäischen Ländern ist diese Diskussion nur schwer nachvollziehbar - denn hier gibt es Mindestlöhne schon lange. Ein Vergleich.

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In vielen Ländern gehören Mindestlöhne zum sozialen Netz

Mittlerweile haben 18 von 25 EU-Staaten einen Mindestlohn. Während in Deutschland von Gewerkschaften und Politikern Mindestlöhne verlangt werden, um billigere ausländische Arbeitskräfte abzuwehren, war die Motivation in den meisten Ländern eine ganz andere: soziale Sicherung. Es ging darum, einen Boden in den Arbeitsmarkt zu ziehen - ein Niveau, unter das niemand in einer zivilisierten Gesellschaft fallen sollte. In Frankreich gibt beispielsweise schon seit mehr als 50 Jahren einen garantierten Mindestlohn. Vor allem gering qualifizierte Arbeitnehmer sollten damit abgesichert werden.

121 bis 1467 Euro

Die Spanne für die Mindestlöhne in Europa ist aber laut Andrew Watt vom Europäischen Gewerkschaftsinstitut in Brüssel sehr groß. Spitzenreiter ist Luxemburg. Während ungelernte Arbeitnehmer hier garantiert 1.467 Euro erhalten, beträgt der Mindestlohn in Lettland nur 121 Euro im Monat - weit weniger als ein Zehntel also. Grund dafür ist nicht nur die Produktivität: "Es ist möglich, dass der eigentliche Wert dieser Beträge - das was die Leute dafür kaufen können - doch um einiges größer sein kann", sagt Watt. Und das kann vielleicht die Erklärung sein, warum es manchen Ländern Sinn macht, einen Mindestlohn von einem Euro pro Stunde zu haben.

Selbst in Großbritannien

In den hoch entwickelten Industriestaaten Westeuropas liegen die Mindestlöhne jedenfalls bei durchschnittlich sieben bis acht Euro in der Stunde. Selbst im wirtschaftsliberalen Großbritannien, wo man ansonsten auf höchste Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt setzt, gibt es solche Mindestlöhne. Tony Blair hatte sie im Wahlkampf versprochen und 1997 eingeführt.

Auch in Spanien waren die Mindestlöhne im vergangenen Wahlkampf ein wichtiges Thema. Eine Harmonisierung der Mindestlöhne in Europa - das wäre aus der Sicht des Europäischen Gewerkschaftsinstitutes nun ein weiterer Schritt: "Es dürfen keine Löhne gezahlt werden, die weniger als 50 Prozent des nationalen Durchschnittslohns betragen", meint Watt. "Das wäre vielleicht ein vernünftiger Weg, der eine Harmonisierung herbeiführt, ohne die Unterschiede zwischen den Ländern aus dem Blick zu verlieren."

Mittlerweile haben nur wenige EU-Staaten noch keine Mindestlöhne. Darunter Schweden und Österreich. In diesen Ländern werden allerdings mehr als 95 Prozent der Arbeitnehmer durch Tarifverträge abgesichert. Für Deutschland gilt dies nicht.

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