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Amerika

Mindestens zehntausend Tote im Drogenkrieg

Der Drogenkrieg in Mexiko ist an Erbarmungslosigkeit kaum zu überbieten. Das Land ist von einer Welle der Gewalt erfasst: Schießereien, Mord und Totschlag gehören zum Alltag. Die Polizei rüstet immer weiter auf.

Drei Särge, daneben Polizisten in Uniform (Foto: AP)

Opfer des Drogenkriegs: Zwölf Polizisten werden beigesetzt

Nun steuert der Drogenkrieg auf einen neuen Höhepunkt zu. Am Samstag (18.07.2009) wurden in der Stadt Arteaga zehn Polizisten verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, in die Ermordung von zwölf Fahndern der Bundespolizei verwickelt zu sein. Das teilte das Büro des Generalbundesanwalts mit.

Die Leichen der zwölf Beamten waren am vergangenen Dienstag auf einem abgelegenen Highway im mexikanischen Bundesstaat Michoacán entdeckt worden. Die Polizisten hätten in der Region ermittelt und seien in einen Hinterhalt geraten, sagte ein Sprecher des Ministeriums für öffentliche Sicherheit. Die elf Männer und eine Frau wurden nach Angaben der Polizei offenbar gefoltert und nach ihrem Tod neben der Straße nahe der Stadt La Huacana liegen gelassen. Die Behörden schreiben die Tat dem Rauschgiftkartell "La Familia" zu.

Polizisten von Mafia bezahlt?

Die verhafteten Polizisten können nach mexikanischem Recht bis zu 40 Tage festgehalten werden. Unterdessen prüfen die Ermittlungsbehörden, ob Anklage erhoben werden kann. Die Regierung des Bundesstaates vermutet, dass Polizisten und lokale Behörden schon seit langem auf den "Gehaltslisten" der Drogen-Mafia stehen. Auch mehrere Bürgermeister in Michoacán sollen laut Medienberichten mit "La Familia" gemeinsame Sache machen.

Vier Männer in einer Reihe, dahinter maskierten Polizisten (Foto: AP)

Die inhaftierten Polizisten wurden der Öffentlichkeit präsentiert

Die miserable Sicherheitslage in Mexiko ist neben der grassierenden Schweinegrippe und der Wirtschaftskrise das beherrschende Thema im Land. Im Kampf gegen die organisierte Kriminalität und die Drogenkartelle sind neben Tausenden Polizisten auch 36.000 Soldaten im Einsatz. Die Sicherheitslage hat sich dadurch aber kaum verbessert. In den vergangenen drei Jahren sind nach unterschiedlichen Zählungen 10.000 bis 13.000 Menschen Opfer des heftig tobenden Drogenkriegs geworden.

Handgranaten-Angriffe auf Polizei-Stationen

Zuletzt hatten in der Nacht zum Freitag Unbekannte fünf Personen in einer Bar in der nordmexikanischen Stadt Ciudad Juárez erschossen. Wie die Behörden mitteilten, fanden Beamte zwei der Erschossenen an der Theke der Bar "Amsterdam". Drei weitere seien übereinander gestapelt in der Toilette des Etablissements entdeckt worden. Die Stadt an der Grenze zum US-Bundesstaat Texas gehört zu den Orten mit den meisten Morden in Mexiko.

Die Verbrecher-Kartelle Mexikos schrecken selbst vor offenen Angriffen auf Polizei-Stationen nicht zurück. Nach der Festnahme eines Drogenbosses griffen mutmaßliche Mitglieder von "La Familia" Sicherheitseinrichtungen und Polizei-Stationen in Michoacán an. Dabei wurden fünf Personen getötet und mindestens 18 verletzt, wie die mexikanische Presse am vergangenen Sonntag berichtete. Insgesamt seien 14 Attacken gezählt worden. Die Angreifer hätten Maschinengewehre und Handgranaten eingesetzt. Die Behörden vermuteten, dass das Kartell den festgenommenen Arnoldo Rueda Medina befreien oder töten wollte, damit dieser keine internen Informationen preisgeben kann.

Ein mutmaßliches Mafia-Mitglied wird von einem vermummten Polizisten vorgeführt (Foto: AP)

Ein mutmaßliches Mafia-Mitglied wird von einem vermummten Polizisten vorgeführt

Am Samstag errichteten Hunderte mexikanische Soldaten Straßensperren in mehreren Gebieten von Michoacán und machten gezielt Jagd auf Drogenschmuggler von "La Familia". Die Soldaten waren schwer bewaffnet, mit schwarzen Masken getarnt und waren mit gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern im Einsatz. Zahlreiche Autos wurden durchsucht.

Obama kommt zu Besuch

Im August will US-Präsident Barack Obama für zwei Tage nach Mexiko reisen. Am 9. und 10. August ist in Guadalajara ein Treffen mit dem mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón und dem kanadischen Ministerpräsidenten Stephen Harper geplant. Nach Angaben aus dem Weißen Haus soll es bei dem Gespräch um die Themen Wirtschaft, Umwelt und Energie sowie um die Schweinegrippe-Pandemie gehen. Wie die USA und Kanada ihrem südlichen Nachbarn im Drogenkrieg helfen könnten, scheint demnach kein Thema der Gespräche zu sein. (mas/gri/afp/ap/dpa/rtr)