Mindestens sieben Tote bei Protesten im Kongo | Aktuell Afrika | DW | 31.12.2017
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Demokratische Republik Kongo

Mindestens sieben Tote bei Protesten im Kongo

Katholische Bürgerrechtler hatten zu einem friedlichen Protestmarsch in Kinshasa gegen Präsident Joseph Kabila aufgerufen. Die kongolesische Regierung ließ auch Internet und SMS-Versand landesweit sperren.

Die Priester in der Demokratischen Republik Kongo schlagen Alarm: In mehreren katholischen Kirchen der Hauptstadt rückte die Polizei ein und trieb die Gläubigen mit Tränengas und Schüssen in die Luft auseinander. Präsident Joseph Kabila mobilisierte in Kinshasa sämtliche Einheiten von Polizei und Armee. An den Verkehrsknotenpunkten wurden Straßensperren errichtet. Nach jüngsten Polizeiangaben wurden bei Ausschreitungen mindestens sieben Menschen getötet.

Bereits in der Nacht waren vor den Kirchen Sicherheitskräfte aufmarschiert. Internet und SMS-Versand seien "aus Gründen der staatlichen Sicherheit" landesweit abgeschaltet worden, teilte die Regierung mit. Die Staatsmacht reagierte damit auf die Initiative katholischer Aktivisten, die zu friedlichen Protesten gegen Kabila aufgerufen hatten. 

DR Kongo Präsident Kabila einigt sich mit Opposition (Getty Images/AFP/J. D. Kannah)

Machtfaktor im Kongo: Die katholischen Bischöfe (Archivfoto)

Die Katholische Kirche hatte für Sonntag einen Marsch durch Kinshasa vorbereitet, um an den Jahrestag der Unterzeichnung eines Abkommens zu erinnern, das für 2017 die Wahl eines Nachfolgers für Kabila vorsah. Die gesamte Opposition schloss sich dem Aufruf an, die Behörden haben den Protestmarsch verboten. Ansammlungen von mehr als fünf Menschen würden unverzüglich aufgelöst, hieß es.  

Brutale Übergriffe auf christliche Messen 

In der Kirche Paroisse Saint Michel im Bandalungwa-Distrikt hätten die Polizisten Tränengas in eine Messe gefeuert und Panik unter den Gläubigen ausgelöst, schilderte der dort anwesende Oppositionspolitiker Vital Kamerhe der Nachrichtenagentur Reuters. Danach hätten sich die Gläubigen der Gemeinde zu Protesten versammelt. Reporter der Agence France-Presse (AFP) berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, zwölf Messdiener an der Spitze einer Demonstration seien festgenommen worden. Aus dem Arbeiterdistrikt Barumbu wurden ähnliche Übergriffe der Sicherheitskräfte gemeldet.    

Auch in der Kathedrale Notre Dame de Congo im Stadtteil Lingwala gingen Polizisten und Soldaten gegen die Gottesdienstbesucher vor. Sie hätten Tränengas eingesetzt, vor allem als Oppositionsführer Felix Tshisekedi dort zu einer Kundgebung eingetroffen sei, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.  

Kongo Notre-Dame in Kinshasa (picture-alliance/dpa/N. Bothma)

Blick in die Kathedrale Notre Dame in Kinshasa (Archivfoto)

Kabilas Zeit eigentlich abgelaufen

Kabila weigert sich, die Macht abzugeben, obwohl seine Amtszeit offiziell bereits vor einem Jahr endete. Ursprünglich sollten 2017 Wahlen für seine Nachfolge stattfinden, doch diese wurden immer wieder verschoben. Die Präsidentschaftswahl soll nun erst im Dezember 2018 stattfinden. Kritiker fordern, dass Kabila auf keinen Fall noch einmal antritt.

Im Kongo gelten etwa 40 Prozent der Bevölkerung als römisch-katholisch. Der katholische Klerus gilt als wichtiger Vermittler in dem Land. Wiederholt rief die Kirche zu zivilem und friedlichem Widerstand gegen Kabila auf.     

SC/stu (afpe, rtre, KNA)

 

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