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Terrorismus

Mindestens sieben Tote bei Anschlag in Kabul

Bei einem Selbstmordanschlag nahe einer schiitischen Moschee in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Der Attentäter hatte sich als Schäfer verkleidet.

Unter den Toten seien fünf Zivilisten, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch. Ihm zufolge wurden 20 Menschen verletzt. Das Gesundheitsministerium und die Organisation Emergency, die in der Nähe eine bekannte Klinik leitet, meldeten aber mindestens 29 Verletzte.

Nach Angaben eines Augenzeugen, der in der Moschee in dem ruhigen Wohnviertel Kala-e Fatullah gebetet hatte, war auch einer der beiden Attentäter getötet worden. Er starb, als er eine Sprengstoffweste zündete. Ein anderer Attentäter sei festgenommen worden.

Der Sprecher der Kabuler Polizei, Basir Mudschahid, sagte, möglicherweise hätten sich einer oder alle Attentäter als Schäfer verkleidet. Es gebe Berichte über eine Herde, die zu dem Zeitpunkt der Explosion die Straße überquert habe. Auf sozialen Medien waren Fotos von mindestens zwei toten Schafen zu sehen.

Schiiten sind vermehrt Ziel von IS-Angriffen

Einige Stunden nach dem Attentat bekannte sich der IS zu der Tat, wie das auf die Auswertung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen Site mitteilte. Die IS-Miliz betrachtet wie andere sunnitische Extremisten die Schiiten als Ungläubige.

Seit dem Aufkommen der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) 2015 sind Schiiten zunehmend Ziel brutaler Angriffe - oft auf Betende während hoher Feiertage. Zuletzt hatten IS-Kämpfer Ende August bei der Erstürmung einer voll besetzten Moschee in Kabul mindestens 28 Menschen getötet. Mehr als 50 Menschen waren verletzt worden. Anfang August hatten sie in einer Moschee in der westafghanischen Stadt Herat mindestens 50 Menschen getötet und mindestens 80 verletzt. 

Erhöhtes Sicherheitsaufgebot beim Aschura-Fest

In Afghanistan feiern Angehörige der schiitischen Minderheit gerade Aschura - wichtige Trauertage. Anders als in vielen anderen muslimischen Ländern gibt es dort keine Geschichte blutiger Fehden zwischen Sunniten und Schiiten. 

Angesprochen auf Berichte, wonach sich die Schiiten in Kabul zu ihrer Sicherheit beim Höhepunkt des Aschura-Festes am Sonntag bewaffnen wollen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der Deutschen Welle, man sorge mit allen Kräften, "Polizei, Garnison und Geheimdienst" für Sicherheit. Darüber hinaus seien die Organisatoren der Aschura-Feierlichkeiten in eine Sicherheitskommission eingebunden, die für die Feierlichkeiten eingerichtet wurde. "Sie sind nicht bewaffnet, aber sie unterstützen die Sicherheitskräfte", sagte der Sprecher.

33 Polizisten von Taliban getötet

Vor dem Bekenntnis des IS hatte der Sprecher der radikalislamischen Taliban, Sabihullah Mudschahid, versichert, dass die Taliban nichts mit der Tat zu tun hätten. Die radikalislamische Taliban ist immer noch in Afghanistan aktiv. Bei Überfällen auf Polizeiposten in einer abgelegenen afghanischen Provinz sind allein in dieser Woche 33 Sicherheitskräfte getötet worden. Das sagte die Chefin des Rats der westafghanischen Provinz Farah, Dschamila Amini.

Die Todesfälle in Farah sind ein Beispiel für das, was westliche Militärs "erschreckend hohe Verluste" nennen. Nach deren Angaben waren 2016 in ganz Afghanistan rund 7000 Sicherheitskräfte getötet und rund 12.000 verletzt worden - ein Anstieg um mehr als 30 Prozent zu 2015. Um das Training der demoralisierten afghanischen Streitkräfte zu verbessern, schicken USA und Nato-Partner nun wieder Tausende zusätzliche Soldaten nach Afghanistan.

myk/br (dpa, afpe, ape)