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Russland

Mindestens elf Tote bei Explosion in St. Petersburg

Terroranschläge haben schon viele russische Städte getroffen, bisher aber nicht die nördliche Metropole St. Petersburg. Am Nachmittag explodierte dort eine Bombe in der U-Bahn. Es gibt viele Tote und Verletzte.

Russland Explosion Metro in Sankt Petersburg (picture-alliance/dpa/P. Kovalev)

Rettungskräfte sind an der Bahnstation Technologisches Institut im Einsatz

Bei einer Explosion in der U-Bahn von St. Petersburg sind nach jüngsten offiziellen Angaben elf Menschen getötet worden. Das nationale Anti-Terror-Komitee gab die Zahl der Verletzten mit rund 20 an. Das Gesundheitsministerium berichtete sogar von mehr als 40 Verletzten. Wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Katastrophenschutzministerium meldet, ereignete sich die Explosion im U-Bahnhof Technologisches Institut im Zentrum der russischen Metropole. Nach Angaben staatlicher Medien ging der Sprengsatz in einem Zug hoch, der zur Station Sennaya-Platz fuhr. Alle Metro-Stationen der Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt wurden geräumt.

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Explosion in U-Bahn von St. Petersburg

Fahndung nach zwei Personen

Der mutmaßliche Bombenleger wurde in der U-Bahn nach inoffiziellen Behördenangaben von der Videoüberwachung erfasst. "Die Videokameras der Metro haben den mutmaßlichen Urheber der Explosion gefilmt", sagte ein nicht genannter Behördenvertreter der Agentur Interfax. Russische Medien veröffentlichen inzwischen ein Foto eines Mannes, den die Polizei im Zusammenhang mit der Explosion sucht. Das Foto zeigt einen bärtigen Mann mit schwarzem Hut. Es würde nach insgesamt zwei Personen gefahndet, heißt es bei Interfax unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Auch Putin in St. Petersburg

Präsident Wladimir Putin sagte in St. Petersburg, die Ursache der Detonation sei noch unklar, man ziehe aber alle Möglichkeiten in Betracht, auch die eines Anschlags. Dafür spricht eine Meldung der Nachrichtenagentur Interfax, die von einem Sprengsatz mit Schrapnellen berichtet. Putin hält sich derzeit wegen eines Treffens mit seinem weißrussischen Kollegen Alexander Lukaschenko in seiner Heimatstadt auf.

Alle Anzeichen deuteten auf einen Terroranschlag hin, sagte Viktor Oserow, Abgeordneter im russischen Föderationsrat. Inzwischen erklärte die zuständige Behörde, es seien Ermittlungen wegen des Verdachts eines "Terroranschlags" eingeleitet worden.

Behördenquellen schätzten die Sprengkraft der Explosion auf 200 bis 300 Gramm Dynamit. Nach ersten Erkenntnissen war kein Selbstmordattentäter unterwegs gewesen. Ein "unbekannter Gegenstand" sei in einem U-Bahnwaggon explodiert, zitierten russische Nachrichtenagenturen eine Mitteilung des U-Bahnbetreibers. In der betroffenen Station entwickelte sich starker Rauch. Im Internet machten Bilder des zerstörten U-Bahn-Wagens die Runde.

In der Bahnstation am Woststanija-Platz wurde Stunden später eine weitere Bombe gefunden, die entschärft werden konnte. Die betroffene Station liegt direkt unter dem größten Bahnhof der Stadt. In Moskau erklärten die Betreiber der Metro erklärten über den Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter, es würden dort zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen ergriffen.

Internationale Beileidsbekundungen

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach den Betroffenen, ihren Angehörigen und den Bürgern Russlands über den Kurznachrichtendienst Twitter sein "tiefstes Mitgefühl" aus. Auch die Bundesregierung übermittelte über den Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, ihr Beileid.

Merkel schickt Telegramm

In einem Kondolenztelegramm an Putin zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel später entsetzt. "Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es sich um einen feigen Anschlag gehandelt hat", heißt es in dem Schreiben, das am Montagabend in Berlin veröffentlicht wurde. "Sollte sich dies bewahrheiten, so wäre dies ein barbarischer Akt, den ich aufs Schärfste verurteile und dessen Drahtzieher ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden müssen." Ihre Gedanken seien bei den Familien der Todesopfer und bei den Verletzten, denen sie rasche Genesung wünsche.

Mit großer Bestürzung habe er von dem vermutlichen Attentat in St. Petersburg gehört, sagte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel in Luxemburg. Neben dem Entsetzen gebe es die große Trauer und das Mitgefühl mit den betroffenen Familien sowie den Menschen Russlands. "Das zeigt, dass wir überall auf der Welt einen großen Gegner haben: Das sind Terroristen und Menschen, die andere in Angst und Schrecken versetzen wollen."

Russland Explosion Metro in Sankt Petersburg (Reuters/A. Vaganov)

Vor der Bahnstation Sennaya-Platz stauten sich Krankenwagen und Feuerwehrautos

Nach der Explosion drückten auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und die EU-Außenminister in Luxemburg ihr Mitgefühl aus. "Unsere Gedanken sind bei allen Menschen Russlands", schrieb Mogherini auf Twitter.

In der Vergangenheit hatte es mehrere Anschläge auf die U-Bahn in Moskau mit zahlreichen Toten gegeben. Die meisten davon wurden in Verbindung mit islamistischen Terroristen aus Tschetschenien gebracht. 2010 waren 38 Menschen getötet worden, als zwei weibliche Selbstmordattentäter ihre Sprengsätze in der Moskauer Metro zündeten. Führer der Rebellen hatten wiederholt mit weiteren Attacken gedroht.

kle/uh (rtr, afp, dpa, ape)

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