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Aktuell Europa

Mindestens 23 Tote bei neuen Schiffsunglücken

Im Mittelmeer ist erneut ein Flüchtlingsschiff in Seenot geraten. An Bord sollen laut einem Hilferuf mehr als 300 Menschen sein. 20 sind den Angaben zufolge offenbar schon tot. Auch vor Rhodos sank ein Schiff.

Im Mittelmeer zeichnet sich nach Informationen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) eine neue Flüchtlingstragödie ab. Sie habe in Rom einen Notruf von einem sinkenden Boot mit über 300 Menschen an Bord erhalten, berichtete die IOM in Genf. Mindestens 20 Passagiere seien offenbar bereits tot.

Zwei weitere Boote sind ebenfalls betroffen. Die Organisation hat die Informationen an die italienische Küstenwache weitergeleitet. Die Küstenwache hatte aber nach dem

verheerenden Schiffsunglück am Sonntag mit vermutlich rund 900 Toten

alle Hände voll zu tun.

Inzwischen äußerte sich der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi nach einem Treffen mit Maltas Premierminister Joseph Muscat. Er sagte, dass Italien zusammen mit Malta Rettungseinsätze eingeleitet hätte. Ein Schlauchboot befände sich etwa 30 Seemeilen (55 Kilometer) vor Libyen - es seien 100 bis 150 Menschen an Bord. Ein weiteres sei etwas größer mit 300 Menschen an Bord, so Renzi. "Die Eskalation der Todesfahrten ist ein Zeichen, dass es eine kriminelle Vereinigung gibt, die viel Geld damit verdient und viele Leben ruiniert", sagte der 40-Jährige in Rom. Dies könne Italien nicht zulassen.

Zweites Schiffsunglück vor Rhodos

Auch vor Rhodos kam es zu einem Schiffsunglück: Direkt vor einem beliebten Strand der griechischen Touristeninsel lief ein Kutter mit Flüchtlingen an Bord auf Felsen auf und zerschellte. Mindestens drei Menschen starben, darunter ein vierjähriges Kind, wie die Küstenwache mitteilte. Weitere 93 wurden demnach aus dem Wasser gerettet, 30 von ihnen kamen ins Krankenhaus.

Augenzeugen gaben an, dass die Flüchtlinge sich an Teile des Schiffes klammerten, um die Küste zu erreichen. Medienberichten zufolge beteiligten sich auch Inselbewohner an der Rettung (Artikelbild). Die Suche nach weiteren Migranten dauert noch an, auch Taucher sind im Einsatz.

Wie viele Menschen insgesamt an Bord waren, konnte die Küstenwache zunächst nicht sagen. Augenzeugen berichteten im örtlichen Rundfunksender, viele von ihnen seien aus Syrien. Das Schiff soll aus der Türkei kommen.

Staatsanwaltschaft ermittelt nach der Katastrophe von Sonntag

Nach der möglicherweise schlimmsten Schiffskatastrophe im Mittelmeer am Sonntag hat die italienische Küstenwache 24 Leichen nach Malta gebracht. Die Suche nach Ertrunkenen dauert noch an. 27 der 28 Überlebenden sind am späten Montagabend in der sizilianischen Hafenstadt Catania eingetroffen. Sie wurden vom italienischen Verkehrsminister Graziano Delrio, einem Vertrauten von Regierungschef Matteo Renzi, empfangen. Wie ein Polizeibeamter mitteilte, wurden zwei der Überlebenden umgehend festgenommen, weil sie zur Besatzung des Flüchtlingsschiffs gehört haben sollen. Es handele sich um den mutmaßlichen tunesischen Kapitän und einen Syrer, der ebenfalls der Besatzung angehört habe.

Ein Überlebender des Bootsunglücks hatte von mindestens 950 Menschen auf dem Schiff berichtet, das 70 Seemeilen vor der libyschen Küste gekentert war. Die Staatsanwaltschaft von Catania nahm Ermittlungen auf. Auch die anderen Überlebenden sollten nach ihrer Ankunft befragt werden.

Die Sprecherin des UN-Flüchtlingshochkommissariats, Carlotta Sami, betonte unterdessen erneut, dass die Tragödie zu erwarten gewesen sei. "Wir haben schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass es ohne eine Operation wie 'Mare Nostrum' viele weitere Tote geben würde." Italien hatte die Seenotrettungsaktion 2013 unter dem Eindruck eines Unglücks mit 366 Toten vor der Insel Lampedusa ins Leben gerufen. Der Einsatz, für den Italien pro Monat neun Millionen Euro aufbrachte, wurde im Oktober 2014 aus Kostengründen gestoppt. Auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) forderte die sofortige Wiederaufnahme der Mission.

chr/fab (afp, dpa, epd)

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