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Politik

Mindestens 17 Tote bei Terroranschlägen in Algier

Bei Bombenanschlägen auf den Regierungssitz und eine Polizeistation in Algier sind mindestens 17 Menschen getötet worden. Es sind die folgenschwersten Anschläge in Algerien seit Gründung von El Kaida.

Feuerwehrleute versuchen, eines der brennenden Fahrzeuge zu löschen (Quelle: dap)

Die Selbstmordattentäter sprengten sich in ihren Autos in die Luft

Neun Tote und 32 Verletzte gab es nach Angaben des Zivilschutzes am Mittwoch (11.4.) bei der Explosion einer Autobombe in der Nähe des Regierungssitzes in der Stadtmitte. Zwei Augenzeugen sagten, sie hätten einen Autofahrer beobachtet, der sich mit seinem Wagen dem Amtssitz des Ministerpräsidenten genähert habe. Dann sei das Auto plötzlich explodiert. Sechs Stockwerke des Gebäudes wurden erheblich beschädigt.

In dem gleichen Haus befindet sich auch der Amtssitz des Innenministers. Die Wucht der Explosion gegen 11.50 Uhr war so stark, dass das metallene Eingangstor verbogen wurde. Die Polizei riegelte den Zugang zu dem Regierungsgebäude ab.

Zweiter Attentäter durchbrach Absperrung

Weitere acht Tote und 50 Verletzte wurden nach einem Bombenanschlag auf eine Polizeistation im Ortsteil Bab Ezzouar gezählt. In dem modernen Regierungsgebäude sind das Amt des Ministerpräsidenten und das Innenministerium untergebracht. Augenzeugen berichteten, ein Selbstmordattentäter habe mit seinem Fahrzeug die Polizeiabsperrung vor dem Hochhaus durchbrochen und die Sprengsätze gezündet. Die Detonation ließ auch die Fensterscheiben der umliegenden Häuser zersplittern.

Algeriens Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem sprach von einer "feigen und kriminellen Tat zu einem Zeitpunkt, in dem das algerische Volk die nationale Aussöhnung möchte".

Algerien befindet sich seit 1992 im ständigen Konflikt mit islamischen Fundamentalisten. Damals stand deren Islamische Heilsfront (FIS) bei einer Parlamentswahl kurz davor, die Regierungsmehrheit zu erringen. Die Wahl wurde daraufhin von den Streitkräften für ungültig erklärt, und die Fundamentalisten gingen in den Untergrund. Bei Anschlägen, Überfällen und Kämpfen mit Polizei und Armee kamen seitdem schätzungsweise 200.000 Menschen ums Leben.

Neue Gewaltwelle begann schon vor Monaten

Ende der 90er Jahre flaute die Gewalt etwas ab. In einem Referendum vom 29. September 2005 sprach sich die algerische Bevölkerung mit großer Mehrheit für einen Plan von Präsident Abdelaziz Bouteflika zur nationalen Versöhnung aus, verbunden mit einer weitgehenden Amnestieregelung.

Seit einigen Monaten kommt es aber wieder häufiger zu Zwischenfällen vor allem im Osten und in der Mitte des nordafrikanischen Landes. Am vergangenen Wochenende wurden bei Gefechten zwischen Islamisten und Regierungstruppen neun Soldaten und sechs Aufständische getötet. Die Islamisten griffen nach Angaben der Behörden eine Militärpatrouille im Wald von Zaccar an, 250 Kilometer westlich von Algier. (ana)

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