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Aktuell Nahost

Mindestens 130 Verletzte bei Protesten in Kairo

Drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl protestierten Tausende in Ägypten erneut gegen den herrschenden Militärrat: größtenteils friedlich. Doch dann setzte das Militär auch Wasserwerfer und Tränengas ein.

"Nieder mit der Herrschaft des Militärs" skandierten mehrere tausend Demonstranten auf den Kundgebungen in Kairo und im nördlichen Alexandria. Das Gesundheitsministerium in Kairo teilte mit, dass mindestens 130 Menschen verletzt worden seien. Ärzte des Universitätskrankenhauses sprachen zudem von zwei Toten. Nach Angaben der Armee wurden aber lediglich Warnschüsse abgefeuert. Das Fernsehen zeigte, wie Soldaten verletzte Kameraden wegtrugen.

Der regierende Militärrat verhängte für den Stadtteil Abbasija und benachbarte Viertel rund um das Verteidigungsministerium ein nächtliches Ausgehverbot. Diese gelte ab 23.00 Uhr (Ortszeit) für acht Stunden. Außerdem sollen die Beteiligten an den Straßenschlachten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Staatsanwaltshaft teilte mit, 170 Verdächtige seinen festgenommen worden.

Aussichtsreiche Kandiaten von der Liste genommen

Freitagsgebet auf dem Tahrir-Platz (Foto: Reuters)

Nach dem Freitagsgebet in den Protest

Zum wiederholten Mal kam es vor der Präsidentschaftswahl am 23. und 24. Mai zu gewaltsamen Protesten. Die Demonstranten werfen der Übergangsregierung vor, die Wahlen manipulieren zu wollen, um selbst an der Macht zu bleiben. Zehn der insgesamt 23 Bewerber wurden von den Wahlen ausgeschlossen. Darunter auch der Präsidentschaftsanwärter der islamistischen Muslimbrüder, die im ägyptischen Parlament die größte Fraktion bilden. Auch die Salafisten üben harsche Kritik an der Kandidatenauswahl. Ihr aussichtsreichster Kandidat, Hasem Abu Ismail, war von der Liste gestrichen worden. Setzt sich keiner der 13 Kandidaten im ersten Durchgang durch, ist für den 16. und 17. Juni eine Stichwahl vorgesehen.

"Nieder mit der Herrschaft des Militärs"

Video ansehen 01:20

Unruhen in Kairo

Im Abbasija-Viertel warfen Kundgebungsteilnehmer Steine auf Soldaten. In dem Kairoer Bezirk war es bereits am Mittwoch zu blutigen Straßenschlachten gekommen als Schlägertrupps auf Demonstranten verschiedener politischer Bewegungen losgingen. Nach offiziellen Angaben wurden dabei neun Menschen getötet und 168 verletzt.

Militärrat bekräftigt die Absicht zur Machtabgabe

Der Militärrat hatte nach den gewaltsamen Unruhen am Mittwoch eine zu "100 Prozent rechtmäßige" Wahl versprochen und bekräftigt, die Macht nach den Präsidentschaftswahlen an eine Zivilregierung abzugeben. Ein ranghohes Mitglied des Militärrats sagte, die Machtübergabe solle am 1. Juli erfolgen. Kritiker aber befürchten, die Generäle könnten die erneuten Gewaltausbrüche als Vorwand einsetzen, um über den 1. Juli hinaus an der Macht zu bleiben.

Saudi-Arabien kündigte die Rückkehr seines Botschafters nach Kairo und die Wiedereröffnung seiner diplomatischen Vertretungen in Ägypten an. Diese waren am 28. April geschlossen worden. König Abdallah habe entsprechende Anweisungen erteilt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA.

nem/nis (dpa, rtr, dapd, afp)

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