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Frankreich

Minderjährige Flüchtlinge verlassen Calais

Nach den Erwachsenen werden nun auch unbegleitete Kinder und Jugendliche mit Bussen aus dem nordfranzösischen Calais weggebracht. Die minderjährigen Flüchtlinge hoffen darauf, von Großbritannien aufgenommen zu werden.

Die Behörden begannen am Morgen damit, die noch immer nahe dem geräumten Flüchtlingslager ausharrenden Minderjährigen wegzubringen. 720 der unbegleiteten jungen Migranten seien am Vormittag bereits mit Bussen überführt worden, sagte ein Sprecher der Präfektur. Die restlichen 750 sollten noch am Nachmittag und am Donnerstag in anderen Regionen Frankreichs unterkommen. Dort sollen britische Beamte prüfen, ob sie nach Großbritannien einreisen dürfen.

Abkommen zwischen Frankreich und Großbritannein

Kinder und Jugendliche waren bei der Auflösung des Flüchtlingscamps vergangene Woche zunächst in einem Containerlager in der Nähe des geräumten Areals untergebracht worden. Für junge Flüchtlinge, die alleine unterwegs sind, gelten spezielle Asylregeln. Paris und London hatten eine Vereinbarung geschlossen, nach der unbegleitete Minderjährige nach Großbritannien einreisen können sollen, wenn sie dort bereits Familienangehörige haben.

Im Rahmen dieser Kooperation sind nach Angaben des britischen Innenministeriums bisher mehr als 300 Kinder und Jugendliche über den Ärmelkanal gelangt. Einige Hundert sollen in den kommenden Wochen hinzukommen. Tausend würden es aber wohl nicht werden, hatte die britische Innenministerin Amber Rudd vergangene Woche in einem Interview gesagt.

UN kritisieren Umgang mit minderjährigen Flüchtlingen

Die Vereinten Nationen warfen Frankreich und Großbritannien Kinderrechtsverletzungen im Zuge der Räumung vor. Die Interessen der Minderjährigen seien völlig missachtet worden, kritisierte das UN-Kinderrechtskomitee in Genf. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der französischen und der britischen Regierung darüber, wer für die minderjährigen Flüchtlinge verantwortlich sei, hätten dazu geführt, dass hunderte Kinder nicht angemessen untergebracht und versorgt worden wären.

Nach der Räumung hatten Kinder zum Teil in Schiffscontainern Zuflucht gesucht oder unter freiem Himmel geschlafen. Die UN kritisieren, dass die Minderjährigen auch keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder psychosozialer Unterstützung gehabt hätten. Die Geschehnisse zeigten die Defizite der Migrationspolitik auf, hieß es.

Aus Frankreich hatte es immer wieder Druck auf London gegeben, möglichst viele Minderjährige aufzunehmen. Präsident François Hollande hatte am Dienstag erklärt, die französischen Behörden würden sich um diejenigen kümmern, die London nicht aufnehme.

Debatte um Alter der Flüchtlinge

Die Ankunft erster minderjähriger Flüchtlinge aus Calais hatte in Großbritannien eine Debatte entfacht, ob das Alter der Schutzsuchenden überhaupt feststellbar ist. Der konservative Parlamentsabgeordnete David Davies hatte medizinische Tests zur Altersbestimmung verlangt, weil die Flüchtlinge "nicht wie Kinder aussehen".

Der britische Innen-Staatssekretär Robert Goodwill teilte hingegen mit, sein Land "fühle sich absolut verpflichtet, die Kinder in Calais zu beschützen."

Calais ist seit Jahren ein Sammelpunkt für Menschen, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen. Hafen und Ärmelkanaltunnel sind inzwischen aber streng abgeschirmt. Auf einem Brachland in Küstennähe hatten zuletzt Tausende Migranten in Zelten und selbstgebauten Hütten gelebt. Frankreich räumte den sogenannten "Dschungel" vergangene Woche und brachte gut 5000 erwachsene Migranten in Aufnahmezentren in anderen Regionen des Landes.

rk /kle (afp, dpa, kna)

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