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Politik

Minderheit in Aufruhr

Bei den bislang schwersten Kämpfen im moslemischen Süden Thailands sind mehr als 100 Aufständische getötet worden. Der Gewaltausbruch hat ein lange verdrängtes Thema in den Blickpunkt gerückt.

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Sturm auf eine Moschee, in der sich Rebellen verschanzt hatten

Pattani, Yala und Songkhla - die Provinzen liegen im äußersten Süden von Thailand nahe der Grenze zu Malaysia. Dort versuchten am Mittwoch (27.4.04) fast zeitgleich dutzende Jugendliche, 15 Polizeistationen, Verteidigungsposten und Bezirksbüros zu stürmen. Sie waren nur mit Macheten bewaffnet. Die thailändische Polizei reagierte drastisch und schoss auf die Angreifer. Auf beiden Seiten des Kampfes seien nach Angaben der Polizei insgesamt mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen.

Gerade mal fünf Prozent sind Muslime

Das Ganze passierte nur wenige hundert Kilometer von den Touristenzentren entfernt. Nur ein kleiner Teil der thailändischen Bevölkerung, gerade mal fünf Prozent, sind Muslime. Die meisten leben in den südlichen Provinzen. Dort sind sie in der Mehrheit, fühlen sich jedoch von der Regierung im fernen Bangkok diskriminiert. Sie sehen sich im Bildungsbereich und auf dem Arbeitmarkt benachteiligt. So sprechen die Menschen in der Region einen malaiischen Dialekt, in den Schulen wird jedoch auf Thai unterrichtet - für die Kinder eine Fremdsprache. Viele Kinder besuchen stattdessen Koranschulen. Die Schilder in diesen Provinzen sind teils auf Arabisch. Viele Menschen leben in Armut. Obwohl 85 Prozent der Bewohner im Süden Thailands Muslime sind, haben nur 20 Prozent von ihnen Stellen in Verwaltung und Polizei inne.

Terror in Südthailand?

Hinter den jüngsten Aufständen könnten laut Beobachtern auch islamistische Kräfte stecken. Einige der Angreifer hätten T-Shirts in grün, der Farbe des Islam, mit arabischer Aufschrift und den Buchstaben "JI" getragen. Was möglicherweise für "Jemaah Islamiah" steht - einer Muslimen-Gruppe, der auch Verbindungen zur El Kaida nachgesagt wird. "Jemaah Islamiah" werden zudem zahlreiche

Unruhen in Thailand Soldaten vor Moschee

Thailändische Soldaten versuchen die Lage unter Kontrolle zu halten

Anschläge in Südost-Asien zugeschrieben.

Verweise auf radikale Religionsführer und Netzwerke wie etwa "Jemaah Islamiah" sehen Asienexperten jedoch kritisch. Dafür würden bislang die Beweise fehlen, so Alexander Horstmann, Vorsitzender der Südostasien Informationsstelle im Asienhaus Essen. Vielmehr herrsche in den Dörfern "ein Klima der Furcht, da die Militärs mit harter Hand durchgreifen, jede Person verschleppen und zum Verhör bringen, ohne der Öffentlichkeit Rechenschaft ablegen zu müssen".

Der Gewalt in der Region sei eine Welle staatlicher Gewalt vorausgegangen. "In Verbindung mit dem amerikanischen, so genannten Krieg gegen den Terror sind in Südthailand strenge Sicherheitsvorschriften eingeführt worden, die die Überwachung traditioneller islamischer Gelehrter und die Präsenz stark bewaffneter Polizeioffiziere in islamischen Schulen vorsehen", so Horstmann im Gespräch mit DW-WORLD.

Näher an Malaysia als an Thailand

Nicht nur geographisch fühlen sich die Menschen in Südthailand mit Malaysia verbunden. Bis ins 18. Jahrhundert gehörte diese Region zu dem Nachbarland. Damals bestand Malaysia aus zwei Sultanaten, die unter britischer Hoheit standen. Ein weiter Teil des südlichen Thailands gehörte zu einem der Sultanate, aber England trat dieses Gebiet schließlich an Thailand ab.

Seit dem Überfall auf ein Militärlager im Januar 2004 hat die Gewalt in der Region wieder stark zugenommen. Ein Ziel der Rebellen: Die Abspaltung von Thailand und Angliederung an Malaysia. Eine politisch organisierte Separatistenbewegung gibt es allerdings nicht. Dennoch kommt es fast täglich zu Zusammenstößen zwischen den muslimischen Rebellen und Sicherheitskräften. Ein Ende der Auseinandersetzungen ist bislang nicht in Sicht.

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