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Wirtschaft

Milton Friedman ist tot

Der US-Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Milton Friedman ist tot. Wie kaum ein anderer prägte der Vater des Monetarismus die Wirtschaftspolitik zahlreicher Regierungen.

Milton Friedman

Milton Friedman

Der Ökonom Milton Friedman ist am Donnerstag (17.11.2006) Ortszeit im Alter von 94 Jahren in seinem Zuhause in San Francisco gestorben, wie seine Stiftung mitteilte. Der Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine war einer der einflussreichsten Volkswirte des 20. Jahrhunderts und einer der Vordenker liberaler Wirtschaftspolitik. Seine Theorien des Monetarismus galten als Abkehr vom traditionellen Keynesianismus. 1976 erhielt er den Nobelpreis.

Der am 31. Juli 1912 in New York geborene Friedman hatte nach dem frühen Tod seines Vaters Wirtschaftswissenschaften studiert. Die Universität Chicago berief ihn 1946 zum Professor, Friedman lehrte dort bis 1983. Nach seinen Vorstellungen sollte der Staat Eingriffe in den Wirtschaftsprozess vermeiden und auf die Selbstheilungskräfte des Marktes vertrauen.

Reaganomics und Thatcherismus

Schwedens König Carl Gustaf gratuliert Friedman 1976 bei der Nobelpreis-Verleihung in Stockholm

Schwedens König Carl Gustaf gratuliert Friedman 1976 bei der Nobelpreis-Verleihung in Stockholm

Den Gipfel seines - politischen - Einflusses erklomm er in den 1980-er Jahren, als zwei seiner Verehrer in Washington und London die Macht innehatten: Präsident Ronald Reagans Wirtschaftsprogramm mit seiner Rückkehr zum marktwirtschaftlichen Liberalismus trug Friedmans Züge. Großbritanniens Premierministerin Margaret Thatcher erhob den US-Ökonom zum leuchtenden Vorbild, als sie sich daran machte, den britischen Sozialstaat gründlich umzukrempeln. Zu den Politikern, denen er beratend zur Seite stand, zählte neben Thatcher und Reagan auch der chilenische Diktator Augusto Pinochet. Ab 1977 beriet er auch die rechte israelische Likud-Regierung.

Friedman, der als Vater des Monetarismus gilt, setzte sich für ein gesteuertes Wachstum der Geldmenge ein und wandte sich gegen Lohn- und Preiskontrollen. Die US-Notenbank kritisierte er für Eingriffe in den Markt. Friedmans Thesen wurden häufig denen des britischen Wirtschaftstheoretikers John Maynard Keynes entgegengestellt. Dieser vertrat die Theorie, dass Staaten in Zeiten der Rezession mit öffentlichen Geldern die Wirtschaft stützen sollten. In seinem Werk stand er in der Tradition des Ökonomen Adam Smith aus dem 18. Jahrhundert.

"Höheres moralisches Klima"

Mit Kolumnen für das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek", Büchern und Fernsehsendungen machte Friedman seine Gedanken einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In einem Essay mit dem Titel "Ist der Kapitalismus human?" schrieb er, soziale Institutionen, die die Verantwortung des Einzelnen betonten und die das Individuum als für sich selbst verantwortlich behandelten, führten zu einem "höheren und wünschenswerteren moralischen Klima". Zu seinen Hauptwerken zählen "Kapitalismus und Freiheit" aus dem Jahr 1962 und der Bestseller "Chancen, die ich meine" von 1980, den er zusammen mit seiner Frau Rose verfasste.

1988 wurde er mit der Presidential Medal of Freedom, einer der beiden höchsten zivilen Auszeichnungen in den USA, ausgezeichnet. "Er war der größte Verfechter der Freiheit des 20. Jahrhunderts", würdigte Edward Crane, Präsident des neoliberalen Think Tanks Cato Institute, die Arbeit des Nobelpreisträgers. "Milton war einer der großen Denker und Ökonomen des 20. Jahrhunderts, und als ich mich das erste Mal mit der Macht seiner Schriften über Geld, deregulierte Märkte und die individuelle Freiheit konfrontiert sah, war das wie ein Blitzschlag", erklärte der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Friedman gehörte einem wirtschaftlichen Beratungsgremium des US-Bundesstaates Kalifornien an.

Für die Drogen-Freigabe

Kritiker warfen ihm vor, mit seinem Einsatz für wirtschaftspolitischen Liberalismus nur den Unternehmern zu dienen und unter anderem für die Zerstörung der Umwelt mitverantwortlich zu sein. Doch machte Friedman auch unkonventionelle Vorschläge: 1977 schlug er in England vor, die verstaatlichten Unternehmen des Landes durch Ausgabe von Aktien kostenlos auf die Bevölkerung aufzuteilen. 1997 sprach er sich für die Auflösung des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus. Außerdem drang er auf die Einführung einer "negativen Einkommensteuer", mit Hilfe derer Menschen mit geringem Einkommen Geld vom Staat erhalten sollten.

Bis zuletzt gab sich Milton Friedman als Kämpfer für die freie Marktwirtschaft. Noch im April schimpfte er im "Handelsblatt" auf wachsenden Staatseinfluss in Westeuropa. Auch in Bereichen jenseits der Wirtschaft plädierte für mehr Eigeninitiative und individuelle Freiheit. So sprach er sich für die Liberalisierung des Drogenkonsums aus und kämpfte mit einer von ihm und seiner Ehefrau gegründeten Stiftung dafür, dass Eltern für ihren Nachwuchs die Schule frei wählen können. Er hinterlässt zwei Kinder. (stu)

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