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Sport

Milram-Radprofis sollen selber kochen

Das letzte deutsche Profiradteam der Eliteklasse will in dieser Saison mit neuem Mannschaftsgeist mehr Erfolge feiern als 2009. Dafür hat sich die Milram-Teamleitung ein besonderes Programm einfallen lassen.

Milram-Kapitän Linus Gerdemann gibt bei der Teampräsentation in Dortmund ein Interview. Foto: picture-alliance/dpa

Milram-Kapitän Gerdemann

Gerry van Gerwen war in den 1970er und 80er Jahren selbst Radprofi. Bei der heutigen Generation vermisst der Niederländer ein wenig den Teamgeist. "Die kommunizieren nicht mehr miteinander. Die telefonieren den ganzen Tag, schicken SMS, sitzen am Laptop", sagt der Milram-Teamchef. "Das tiefe Gespräch am Tisch, so wie früher, gibt es nicht mehr." Das soll sich jetzt beim letzten noch verbliebenen deutschen Radteam der Eliteklasse ändern. Statt wie bisher in Luxushotels abzusteigen, hat van Gerwen auf Mallorca Appartements anmieten lassen. Dort soll die Mannschaft regelmäßig in kleinen Trainingsgruppen auf engem Raum zusammenleben, ohne Masseur, ohne sonstige Helfer. Die Profis müssen gemeinsam einkaufen, kochen, essen, ihre Räder flicken und Trikots waschen. "In den ersten drei, vier Tagen meckern sie darüber: Alles ist Scheiße", beschreibt der Teamchef die ersten Erfahrungen. Nach einigen Tagen der Eingewöhnung erhalte er aber nur noch positive Rückmeldungen der Profis.

Grünes Trikot auf der Wunschliste

Milram-Sprinter Gerald Ciolek im Teamtrikot. Foto: picture-alliance/dpa

Sprinter Ciolek

Sprint-Kapitän Gerald Ciolek sieht das "Back to Basics"-Programm, wie es die Teamleitung nennt, durchaus positiv. In den Fahrer-Wohngemeinschaften "ist man doch ein bisschen enger zusammen, hat mehr Berührungspunkte. Das kann dem Teambuilding schon sehr weiterhelfen." Schwerer tut sich der 23-Jährige mit der Vorgabe van Gerwens, das Team müsse in dieser Saison mindestens 25 Siege einfahren. "Ich denke, es ist falsch, Zahlen festzusetzen. Es viel wichtiger, dass wir am Ende nicht wieder dastehen und sagen müssen, dass das Jahr nicht so lief, wie wir es uns vorgestellt haben." Zwei Siege verbuchte Ciolek 2009, zu wenig auch für seine eigenen Ansprüche. Das erste große Jahresziel des Milram-Sprinters ist am 20. März der Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo, jenes Rennen, das Erik Zabel viermal gewinnen konnte. Und dann würde Ciolek 2010 auch gerne der beste Sprinter der Tour de France werden. "Das Grüne Trikot steht ganz oben auf meiner Wunschliste."

Keine spaßige Zeit

Mannschaftsfoto des Radteams Milram, vor den Fahrern zwei Rennräder. Foto: picture-alliance/dpa

Das deutsche Radsport- Team Milram will 2010 einen Gang höher schalten

Auch Linus Gerdemann, der zweite Kapitän des Teams Milram neben Ciolek, hat sich für 2010 viel vorgenommen. Das vergangene Jahr beendete Gerdemann als 108. der Weltrangliste, eine für ihn indiskutable Position. 2010 will er wieder ausschließlich für positive Schlagzeilen sorgen. Im vergangenen Herbst war der 27-Jährige in einem Fernsehbericht wegen angeblich auffälliger Blutwerte unter Dopingverdacht gestellt worden. "Das war eine Zeit, die nicht allzu spaßig war", sagt Gerdemann. Die Vorwürfe seien völlig aus der Luft gegriffen. "Ich weiß, dass ich sauber Erfolge einfahre und Rennen gewinnen kann. Das motiviert mich, jedem zu zeigen, dass ich einer der besten Radfahrer der Welt bin."

Ungewisse Zukunft

Der Vertrag des Teams Milram mit dem Hauptsponsor Nordmilch läuft 2010 aus. Ob es danach noch eine deutsche Profimannschaft der Eliteklasse geben wird, steht in den Sternen. "Wenn wir das Jahr mit Pessimismus anfangen, sind wir schon verloren", sagt Teamchef van Gerwen. Er glaubt fest daran, dass der Vertrag verlängert wird. Milram-Profi Fabian Wegmann sieht sich und seine Kollegen in der Pflicht: "Wir als Rennfahrer müssen einfach sehen, dass wir uns gut verkaufen, dass wir sympathisch auftreten und Rennen gewinnen." Neun Siege und Ranglisten-Platz 18 unter den Teams wie 2009 ist nicht nur für den Sponsor zu wenig. Sollte sich Milram nicht steigern, wäre 2011 auch die Einladung zur Tour de France fraglich. In diesem Jahr hat die Mannschaft letztmals die schriftliche Garantie, zum wichtigsten Radrennen eingeladen zu werden. Milram hat fünf neue Fahrer verpflichtet, darunter den Bahnspezialisten Roger Kluge, der bei den Olympischen Spielen in Peking Silber gewonnen hatte.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Jürgen Bergheim

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