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Kultur

Millionenregen über London

Der russische Milliardär Roman Abramowitsch gibt weiter Millionen für den FC Chelsea aus. Es scheint sich für ihn zu lohnen - sogar sportlich.

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Falscher Spott: es müsste FC Chelskow heißen

Der Fußball beschäftigt England in diesem Sommer deutlich mehr als die Ermittlungen um den Tod des Waffenexperten Dr. Kelly - auch als noch gar nicht gespielt wurde. Da war zum einen natürlich David Beckhams endgültiger Aufstieg zur Super-Celebrity durch seinen Wechsel zu Real Madrid - der Übertritt des Papstes zum evangelischen Glauben hätte kaum mehr mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Vor allem war da aber die Übernahme des Premier-League-Vereins FC Chelsea durch den russischen Öl-Milliardär Roman Arkadjewitsch Abramowitsch, der die Gemüter bewegt.

Chelskow, nicht Chelski

Geld scheint beim ruhmreichen, glamorösen, aber in den letzten Jahrfen etwas abgetakelt wirkenden Verein aus dem Londoner Südwesten seit dem keine Rolle mehr zu spielen.

Was den 36-jährigen Öl-Oligarchen dazu brachte, seinen Millionenregen aber ausgerechnet über Chelsea abzulassen, bleibt noch immer fraglich. "Ich bin reich, liebe den Fußball und will meinen Spaß", sagt Abramowitsch regelmäßig. Ein Spaß, der aber selbst für ihn nicht aus der Portokasse zu haben ist. Knapp 50 Millionen bezahlte er im Juni 2003 für 84.908.506 Aktien des des ruhmreichen Chelsea Football Club, um mehr als die Hälfte der Anteile zu besitzen. Gleich nocheinmal 120 Millionen musste er zur Entschuldung seiner Neuerwerbung hinblättern.

Roman Abramovich

Roman Abramowitsch im Stadion an der Stamford Bridge

Auch wenn man zu seinem Spaßbedürfnis eine noch so leidenschaftliche Liebe zum Fußball dazu addiert, dürften Abramowitschs Motive noch nicht ausreichend erklärt sein. Der zweitreichster Mann Russlands mit einem geschätzten Vermögen von 5,8 Milliarden Euro versucht wohl vor allem seinen Reichtum ins Ausland zu schaffen, seit Präsident Putin den Oligarchen den Kampf angesagt hat.

Seinen märchenhaften Aufstieg verdankte Abramowitsch engen Kontakten zum Umfeld von Boris Jelzin, besonders zu einer der beiden Töchter des russischen Präsidenten, wie es heißt. Im Rahmen der Privatisierung erwarb er Industriebeteiligungen zu Spottpreisen. In Moskau pfeiffen es die Spatzen von den Dächern, dass auch Abramowitsch bald Besuch von der Staatsanwaltschaft bekommen wird.

Teuer - und gut

Nach dem anfänglichen Kulturschock - Sportminister Tony Banks wollter sogar das Parlament anrufen- sind inzwischen nicht nur Chelsea-Fans erfreut über den dubiosen Millionensegen. Die Bewegung auf dem zuvor eingeschlafenen Transfermarkt brachte schließlich viel Geld in Umlauf. Chelseas Trainer Claudio Ranieri durfte seinen zuvor keineswegs schlechten Kader – Chelsea beendete die vergangene Saison als Vierter - zu einem sehr, sehr guten umbauen. Sein Mitspracherecht blieb aber eingeschränkt. Abramowitsch lässt sich seine Einkäufe auch von Chelsea-Fans und russischen Sportjournalisten einflüstern. Der Mäzen erzählt gern, ein zehnjähriger Junge habe ihm einen Brief mit den Namen von fünf Spielern geschickt – drei von denen stehen jetzt bei Chelsea unter Vertrag.

Abramowitschs Scouts scheinen aber etwas von ihrem Job zu verstehen: Es wurde nicht in Stars mit großen Namen, aber absehbarem Verfallsdatum investiert, sondern in inzwischen neun Kicker, die zwar schon einen Namen, ihre besten Jahre aber wahrscheinlich noch vor sich haben. Einschließlich der jüngsten Einkäufe, dem argentinischen Nationalstürmer Hernan Crespo und dem Russen Alexej Smertin, hat Abramowitsch bisher 140 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Zum Vergleich: Die Vereine der deutschen Bundesliga haben etwas über 50 Millionen Euro ausgegeben – zusammen.

Autonome Republik mit eigener Währung?

Ob sich Abramowitsch mit dem vielen Geld neben Spaß auch noch sportlichen Erfolg kaufen kann, bleibt aber fraglich. Falls nicht, ist zumindest Häme sicher. Die "Times" schreibt schon nur noch vom "FC Chelski". Abramowitsch hört das nicht gern. Das sei polnisch, sagte er einmal. Korrekt russisch müsste es FC Chelskow heißen.

Im Bestfall, so spottete der "Guardian", werde Chelsea "die Liga und die Champions-League gewinnen, dann unter Präsident Abramowitsch einen autonome Republik werden, eine eigene Währung einführen, Albanien den Krieg erklären und die Europameisterschaft 2004 gewinnen." Die ersten beiden Spiele der Saison hat Chelsea jedenfalls schon gewonnen - die ersten Schritte Richtung Bestfall sind also gemacht. Albanien sollte gewarnt sein.