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Politik

Millionenfacher Protest

Weltweit haben am Samstag (15.02.) Millionen von Menschen gegen einen Krieg im Irak protestiert. Die Demonstrationen gelten als die größten seit dem Vietnam-Krieg.

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Eine dreiviertel Million Menschen demonstrierten in London

Zum Auftakt der weltweiten Proteste gegen einen Irak-Krieg waren bereits am Freitag in Melbourne rund 150.000 Australier auf die Straße gegangen. Auch in vielen Ländern Asiens fanden Friedenskundgebungen statt. In Rom beteiligten sich am Samstag bei sonnigem Winterwetter Fernsehberichten zufolge etwa eine Million Menschen an den Kundgebungen. Die Organisatoren sprachen sogar von mehr als drei Millionen Menschen. Dies dürfte dann weltweit die größte Friedensdemonstration gewesen sein. Die Polizei wollte dies jedoch nicht bestätigen. Sie erklärte, es sei zu schwierig, eine Zahl abzuschätzen.

"Kein Bush-Feuer"

In London (Foto oben) schätzten die Organisatoren der dortigen Proteste die Teilnehmerzahl auf mehr als 1,5 Millionen. Die Polizei sprach von mehreren Hunderttausend Demonstratanten. In Berlin kamen etwa eine halbe Million Menschen zu Friedensmärschen zusammen, die mit einer Kundegebung an der Siegessäule endeten. Demonstranten trugen Plakate und Transparente mit Aufschriften wie: "Kein Bush-Feuer, sonst Flächenbrand" oder "Nein zum Irak-Krieg".

In New York protestierten etwa 100.000 Menschen. In der Stadt der Vereinten Nationen prägten extreme Sicherheitsvorkehrungen das Bild. Zahlreiche Demonstranten wurden dadurch daran gehindert, zu den Kundgebungen zu gelangen. Die Straßen rund um die UN-Zentrale auf der East Side von Manhatten waren von der Polizei abgeriegelt, Scharfschützen auf den Dächern postiert. Zur Ausstattung der Beamten gehörten sogar Tests für Luftproben auf chemische oder biologische Kampfstoffe. Der geplante Demonstrationsweg über die First Avenue war von den Behörden untersagt worden.

Aufschwung einer totgesagten Bewegung

Anti-Krieg-Demonstration in Berlin

Tausende Menschen demonstrieren vor dem Brandenburger Tor in Berlin am Samstag, 15. Februar 2003, gegen einen moeglichen Krieg gegen den Irak. Rund 350.000 Menschen nehmen an der Friedensveranstaltung teil. (AP Photo/Markus Schreiber) ---Some 350.000 people protest in front of the Brandenburg gate in Berlin Saturday, Feb. 15, 2003, against a possible war against Iraq. (AP Photo/Markus Schreiber)

Eigentlich sollte es nur ein europäischer Aktionstag werden, mit Demonstrationen und Mahnwachen von Stockholm bis Lissabon. Doch der Protest gegen einen Krieg im Irak verbindet inzwischen Menschen auf der ganzen Welt, wie Peter Strutynski vom Bundesausschuss Friedensratschlag im Gespräch mit DW-WORLD betonte.

"Das ist ein erstaunlicher Aufschwung der Friedensbewegung", sagt Strutynski und erinnert sich an die 1980er Jahre, als weltweit Menschen gegen den Nato-Doppelbeschluss und die Aufrüstung in Ost und West protestierten. "Heute gibt es wie damals einen Grund, auf die Straße zu gehen", so Strutynski.

Besonders lebendig zeigt sich die längst totgesagte Friedensbewegung in den Ländern, deren Regierungen die amerikanische Irak-Politik unterstützen, wie etwa Spanien, Italien oder Großbritannien. Abseits von Regierungspalästen und Parlamenten überwiegt die Ablehnung eines Krieges: "In Italien halten 90 Prozent der Bevölkerung einen Angriff auf den Irak für falsch", berichtet Strutynski. Im November vergangenen Jahres hatten in Florenz eine Million Menschen gegen einen Irak-Krieg demonstriert. "Auch in den USA gibt es eine sehr starke Friedensbewegung. Nur leider berichten die US-Medien kaum darüber."

"Niemand will diesen Krieg haben"

Doch nutzen die Proteste überhaupt etwas? Peter Strutynski ist überzeugt, dass ein Krieg noch abgewendet werden kann: "Das kann die amerikanische Regierung doch nicht einfach ignorieren, wenn sich überall auf der Welt Menschen lautstark gegen einen Militärschlag aussprechen", so der Wissenschaftler. Und auch Malte Kreutzfeldt vom Netzwerk Attac sagte im DW-WORLD-Interview: "Wenn wir deutlich machen, dass niemand diesen Krieg haben will, dann kann er noch verhindert werden."

Die Veranstalter betonen, dass sie mit ihren Protestaktionen keinesfalls die irakische Regierung unterstützen wollen. "Das sind keine Sympathieveranstaltungen für Saddam Hussein. Uns ist klar, dass dieser Diktator schlecht für das Land und die Menschen ist", sagt Malte Kreutzfeldt von Attac. Doch ein Krieg sei nicht die richtige Lösung für dieses Problem.

Genauso strikt wehren sich die Protestler gegen den Vorwurf, sie seien anti-amerikanisch. "Wir haben etwas gegen die amerikanische Regierung und ihre Kriegspolitik, aber nicht gegen Amerika an sich", so Kreutzfeldt. Eine ähnliche Ansicht vertritt der Politologe Strutynski: "Unsere Friedensbewegung hat nichts mit Anti-Amerikanismus zu tun." Der beste Beweis dafür sei, dass sich viele Amerikaner selbst an den Demonstrationen beteiligten. "Schließlich ist ganz Hollywood gegen Bush und diesen Krieg."

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