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Asien

Millionen Chinesen zählen Chinesen

Bisher wird die Zahl der Menschen im bevölkerungsreichsten Land der Erde mit gut 1,3 Milliarden angegeben. Doch wie viele sind es wirklich? Diese Frage soll nun eine Volkszählung klären.

Symbolbild Volkszählung (ullstein bild - Imagebroker.net)

In der Volksrepublik China hat am Montag (01.11.2010) die erste große Volkszählung seit zehn Jahren begonnen. Die Regierung in Peking will auf Grundlage der neuen Daten die künftige Wirtschafts- und Sozialpolitik planen. Doch in der Bevölkerung stößt die Zählung auf Widerstände. Die Behörden befürchten, dass vor allem die rund 230 Millionen illegal in den Städten lebenden Wanderarbeiter versuchen könnten, der Erhebung zu entgehen.

Mobilität als "Hauptschwierigkeit"

Wanderarbeiter in Peking (Foto: dpa)

Auf Arbeitssuche: Wanderarbeiter in Chengdu

Immerhin sechs Millionen Volkszähler bietet die Regierung landesweit auf, um das Volk zu erfassen. Fünf Volkszählungen gab es in China bereits, doch diesmal will die Regierung die Menschen erstmalig dort zählen, wo sie leben und nicht dort, wo sie registriert sind. Dies soll es den Behörden ermöglichen, die stetige Urbanisierung nachzuvollziehen.

In der immer mobiler werdenden Bevölkerung - die mitverantwortlich für den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes ist - liege aber auch eine "Hauptschwierigkeit", sagte der Vize-Direktor der Zensus-Koordinierungsgruppe, Feng Nailing. Wanderarbeiter vom Land sind in ihren Heimatkommunen registriert, nicht aber in den Städten, wo viele von ihnen seit Jahren leben. Dadurch haben diese Menschen nur eingeschränkten Zugang zu staatlichen Dienstleistungen.

Probleme sieht Feng Nailing auch in der mangelnden Bereitschaft, persönliche Daten preiszugeben aus Sorge um den Schutz der Privatsphäre. Obwohl die Volkszähler zur Diskretion verpflichtet seien, hätten viele Bürger Angst, dass ihre Informationen gegen sie verwendet werden könnten.

Chinesen verstecken ihre Kinder

Chinesin mit Kind (Foto: Eric Pawlitzky)

Strikte Politik: Nur ein Kind ist pro Familie erlaubt

Zurückhaltend dürften auch Familien mit mehr als einem Kind auf die Volkszählung reagieren. Schließlich verfolgt China seit Jahren eine strikte Ein-Kind-Politik, und Eltern, die dagegen verstoßen, drohen hohe Geldbußen. Wer seine weiteren Kinder nun registrieren lasse, müsse aber nur mit einer reduzierten Strafe rechnen, versicherte Feng Nailing.

Bei der letzten Zählung vor zehn Jahren waren 1,26 Milliarden Chinesen ermittelt worden. Eine jährliche Untersuchung im vergangenen Jahr zeigte dann aber, dass die Zahl mittlerweile auf 1,33 Milliarden gestiegen ist. Die Ergebnisse der neuen Volkszählung werden erst 2011 vorliegen.

Autor: Christian Walz (dapd, afp)
Redaktion: Susanne Eickenfonder