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Wirtschaft

Milliardenspritze für Portugals Krisenbank BES

Die Krise bei der führenden Privatbank des Landes hat Angst vor einer Kettenreaktion im Finanzsektor ausgelöst. Nun wurde ein Rettungsplan beschlossen, der den Schutz der Einlagen und der Mitarbeiter garantiert.

Rund zweieinhalb Monate nach dem Verlassen des EU-Rettungsschirms hat Portugal eine neue, gefährliche Krise umschifft. Die Richtung Pleite taumelnde Großbank BES (Banco Espírito Santo) bekommt eine Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro und wird von faulen Geschäften gereinigt. Zentralbankchef Carlos Costa gab den Rettungsplan in der Nacht zum Montag in Lissabon bekannt.

Die bislang an der Börse notierte BES hatte am Mittwoch für das erste Halbjahr den Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro bekanntgegeben. Die Notenbank sprach von "Hinweisen" auf illegale Geschäfte. Daraufhin war in der vergangenen Woche der Kurs der Bank von 0,45 auf 0,12 Eurocent pro Aktie eingebrochen.

Bad Bank und Troika-Geld

Die faulen Kredite und Geschäfte des Geldhauses sollen nach Angaben der Notenbank in eine Bad Bank ausgelagert werden. Die Finanzspritze werde weder den Staat noch die Einlagenbesitzer belasten, versicherte Costa.

Das Geld für die Finanzspritze für die BES soll von einem 2012 auf Druck der internationalen Geldgeber gegründeten und von Banken finanzierten Abwicklungsfonds bereitgestellt werden. Da der Fonds, der die Bank kontrollieren wird, vorerst nur über 380 Millionen Euro verfügt, will sich der Staat das Geld leihen und dazu die von der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) für den Finanzsektor zur Verfügung gestellten Mittel nutzen. In dieser Kasse sind nach amtlichen Angaben noch 6,4 Milliarden Euro. Die EU-Kommission in Brüssel billigte den Rettungsplan.

Die "neue BES" werde von diesem Montag an ihre Geschäfte im In- und Ausland normal weiterführen, versicherte Costa. Das Finanzministerium hob hervor, dass "alle Einlagen, alle Bankdienste, alle Arbeitsplätze und die geschäftlichen Beziehungen der Bank" geschützt seien.

Aktionäre müssen für Verluste aufkommen

Für die Verluste müssen die Aktionäre, darunter die französische Bank Crédit Agricole (15 Prozent), und Gläubiger geradestehen. Diese hätten die Aktivitäten des Geldhauses nicht ausreichend kontrolliert, erklärte das Finanzministerium.

Turbulenzen um das Familien-Imperium Espírito-Santo halten die portugiesische Finanz- und Bankenbranche schon seit Monaten in Atem. Ende Mai waren Unregelmäßigkeiten bei der Dach-Holding Espírito Santo International (ESI) bekannt geworden. Sie soll Verluste in Höhe von 1,3 Milliarden Euro verschleiert haben. Ausgelöst wurden die Schwierigkeiten wohl durch Geldprobleme der Gründerfamilie der BES. Mehrere Unternehmen der Familie sind insovent.

se/kle (rtr, afp, dpa, ape)