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Wirtschaft

Milliardenschweres Unterfangen

US-Präsident George W. Bush hat vom US-Kongress insgesamt rund 75 Milliarden US-Dollar zur Kriegsfinanzierung angefordert. Experten bewerten die Kalkulation kritisch.

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Der Nachschub muss finanziert werden

Per Eilantrag hat die US-amerikanische Regierung am Montag (25.3.03) den Kongress ersucht, die zusätzliche Finanzspritze für den Irak-Krieg zu bewilligen. Sollte das Geld nicht fließen, dann könnten die derzeitigen "regulären Operationen" im Irak nicht finanziert werden, erklärte das US-Verteidigungsministerium. Da die regierende Partei der Republikaner im Kongress die Stimmenmehrheit hat, gehen Beobachter davon aus, dass das Geld gebilligt wird. Damit würde das US-Haushaltsdefizit auf die Rekordsumme von knapp 400 Millionen US-Dollar anwachsen.

Nur erste Kriegsrate?

Von den 75 Milliarden US-Dollar sind allein 63 Milliarden für das US-Verteidigungsministerium vorgesehen, darin enthalten sind etwas mehr als sieben Milliarden US-Dollar für die Wiederbeschaffung von Waffen und Munition. Acht Milliarden sind für den Wiederaufbau im Irak veranschlagt, zusätzliche vier Milliarden für die innere Sicherheit in den USA. Die Kostenprognose der Regierung geht derzeit von einem kurzen Kriegsverlauf bis maximal Mai dieses Jahres aus.

Bombenschäden in Bagdad

Bombenschäden mit hohen Kosten: Bagdad in der ersten Kriegswoche

Unterdessen gehen die Meinungen darüber auseinander, ob die von Bush veranschlagte Summe ausreicht - oder etwa nur die erste Kriegsrate darstellt. So hatte der Yale-Ökonom William Nordhaus bereits im vergangenen Dezember Kriegskosten von bis zu 1,9 Billionen US-Dollar errechnet. Hierin enthalten waren allerdings nicht nur die Kosten für den eigentlichen militärischen Einsatz, sondern auch sogenannte indirekte Folgekosten wie etwa eine Ölpreiserhöhung und die dadurch resultierende Kosten für die Weltwirtschaft.

"Viel Geld für US-interne Sicherheitslobby"

Eher großzügig findet hingegen Otfried Nassauer, Direktor am Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit, die Kalkulation der US-Regierung. Er vermutet, dass die US-Administration mit dem Kriegsbudget weitere Finanzlöcher stopfen sowie den eigenen Sicherheitsetat unbemerkt aufstocken will: "Es ist bekannt, dass man im US-amerikanischen Militärwesen solche Berechnungen nutzt, um andere Finanzlücken zu schließen; es ist klar, dass die US-interne Sicherheitslobby im Zuge dieser Finanzmaßnahmen sehr viel Geld bekommen wird", erklärte Nassauer im Gespräch mit DW-WORLD.

Hussaren im Sand

Ein britischer Soldat im Irak: Ist sein Einsatz kostengünstiger als der von US-Kollegen?

Ein Vergleich mit dem Kriegsbudget Großbritanniens stützt Nassauers Vermutung: Während die US-Regierung für den Einsatz von rund 250.000 Soldaten im Golf 63 Milliarden US-Dollar veranschlagt, rechnet die Regierung in London für ihre militärische Beteiligung im Irak lediglich mit mit Kosten von 1,75 Milliarden Pfund (2,6 Milliarden Euro). Derzeit sind am Golf etwa 45.000 britische Soldaten stationiert.

Konsequenzen für die Weltwirtschaft

Welche Folgen der Krieg für die US- und damit auch für die Weltkonjunktur haben wird, ist schwer abschätzbar. Während Wirtschaftsexperten eine weltwirtschaftliche Erholung bei kurzer Kriegsdauer nicht behindert sehen, könnte ein langer Krieg im Irak die Weltwirtschaft schwer belasten. "Wenn der Krieg nur auf den Irak begrenzt bleibt und kurz dauert, wird die US-Wirtschaft die Kosten gut wegstecken. Kommt es zu einer Ausweitung und Problemen bei der Öllieferung, droht ein weltweites ökonomisches Desaster", erläuterte Friedemann Müller, der Leiter der Forschungsgruppe globale Fragen der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin gegenüber DW-WORLD.

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