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Wirtschaft

Milliardenmarkt Cloud Computing

In Zukunft werden wir alle auf einer Wolke arbeiten. Das sagen die Größen der IT-Branche voraus. Doch was ist das eigentlich: Cloud Computing? Wie funktioniert es? Welche Vorteile bringt es und welche Risiken birgt es?

Durch Wolken fliegende Computer (Fotomontage: DW)

Was braucht man heute, um mit dem Computer arbeiten zu können? Einen Rechner mit einem Betriebssystem, einen Internetzugang, Spamfilter, Firewall und einen Virenscanner sowie verschiedene Software und einen ausreichenden Datenspeicher. Und morgen? Beim Cloud Computing wird das anders: Dann braucht es nicht viel mehr als einen Computer und einen Internetzugang – der Rest wird auf der "Cloud", zu deutsch: "Wolke", erledigt.

Auf einer solchen Wolke gibt es ausreichend Speicherkapazität. Statt seine Daten auf einer externen Festplatte unterzubringen oder zum Sichern auf eine CD zu schreiben, kann man sie auf der Wolke ablegen. Darüber hinaus stellt sie Software zur Verfügung. Für den Anwender heißt das: Er braucht dann keinen vollausgerüsteten Rechner mit den aktuellen Updates mehr, sondern nur noch einen Internetzugang. Will er einen Brief schreiben, loggt er sich auf einer Wolke ein und nutzt ein dort bereitstehendes Office-Programm. Firmen könnten so ihre ganze Lohnbuchhaltung organisieren und brauchen dafür nur einen schnellen Internetzugang. Gearbeitet und gespeichert wird dann auf zentral verwalteten Rechenanlagen, den Wolken.

Das Geschäftsmodell der Zukunft?

BITKOM, der "Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien" veranstaltet in diesen Wochen einen ganzen Reigen von Vorträgen und Diskussionen, bei denen Cloud Computing vorgestellt wird. Der Verband hat prominente Gastredner verpflichtet, die für die digitale Zukunft "auf der Wolke" die Werbetrommel rühren, darunter Steve Ballmer, den Chef des Softwaregiganten Microsoft und Werner Vogels, den Technischen Direktor von Amazon.com. Die Adressaten dieser Werbetermine sind Unternehmer und IT-Spezialisten, denen das das "Cloud Computing" schmackhaft gemacht werden soll.

Telekomchef René Obermann (r.) und Microsoft-Geschäftsführer Steve Ballmer in Köln (Foto: dapd)

Steve Ballmer und René Obermann (r.)

Als Vizepräsident von BITKOM ist René Obermann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Gastgeber dieser Veranstaltungen. Er zählt die Vorteile des Cloud Computing für die Kunden auf: Wer auf der Wolke arbeite, brauche keine teure Software mehr zu kaufen, keine Server zu unterhalten und könne seine ganze IT-Infrastruktur auf ein Minimum reduzieren. Cloud Computing, so Obermann, werde "die Wirtschaft effizienter machen, den Kunden mehr Spielräume geben und Chancen eröffnen, immer neue aktuelle Software nutzen zu können und das vor allem kostengünstiger als bisher."

Offene Fragen

Sicherlich bietet das Cloud Computing große Chancen, doch birgt das Modell auch Risiken. Viele Probleme sind noch nicht gelöst oder scheinen nicht ernst genommen zu werden. Patrick Schmidt von Cisco Systems, er ist beim weltgrößten Netzwerkausrüster zuständig für die Virtualisierung in den deutschsprachigen Ländern, ist skeptisch. Seiner Ansicht nach sind noch längst nicht alle Sicherheitsfragen geklärt. Die meisten heute verwendeten Applikationen seien noch gar nicht reif dafür, in der "Cloud" produziert zu werden. Sie seien noch nicht genügend abgesichert und nur unzureichend codiert. Dem geistigen Diebstahl oder der Industriespionage werde Tür und Tor geöffnet, würde man solche Daten auf einem fremden Server speichern.

Das Rechenzentrum der Strato AG mit Kabelverbindungen von Internet-Servern (Foto: picture alliance)

Die digitale Wolke - ziemlich unromantisch.

Die Liste der noch offenen Fragen ist lang: Wie werden die Dateien auf den Wolken vor unerlaubtem Zugriff geschützt? Wie verschlüssele ich meine Daten? Wer hat Zugriff auf welche Informationen? Welche Datenschutzkriterien werden angewandt? Vor allem die ständige Verfügbarkeit zentral gelagerter Daten ist ein heikler Punkt. Wer Informationen gespeichert hat, muß auch schnell wieder auf sie zugreifen können. Das ist auch für Patrick Schmidt ein Knackpunkt. Erst wenn ein uneingeschränkter, jederzeit möglicher Zugriff auf die eigenen Daten garantiert sei, könne sich das Modell beim Kunden durchsetzen. Fehle eine solche Garantie, sagt er, "wird kein Mensch das akzeptieren."

Gesetzgeber gefordert

Cisco-Manager Schmidt sieht noch andere Defizite, beispielsweise beim Thema Rechtsicherheit. Wer seine Daten auf einer Wolke speichert, muß wissen, unter welchen rechtlichen Bedingungen er das tut: Ist es eine deutsche Wolke, für deren Betrieb deutsches Recht oder EU-Recht gilt, oder gilt Datenschutz nach US-amerikanischem Standard? Amazon etwa, so der technische Direktor Werner Vogels, garantiere, dass alle auf einer "Amazon-Wolke" gespeicherten Daten niemals transferiert würden.

Deutscher Bundestag (Foto: dpa)

Die Politiker sind gefordert: Dem Cloud Computing fehlt noch der gesetzliche Rahmen.

In Europa gespeicherte Daten, und auch die darüber hinausgehenden Informationen, die sogenannten Meta-Daten, würden diese Wolke niemals verlassen, das sei dem Kunden garantiert.

Patrick Schmidt hält das aber nur für einen ersten Schritt. Solche Rechtsgarantien dürften nicht der Kulanz eines Anbieters unterliegen, sondern müßten verbindlich festgelegt werden. Hier sieht er den Gesetzgeber gefordert und sagt: "Das sind politische Rahmenbedingungen, die gegeben werden müssen und das müssen die Anbieter umsetzen."


Autor: Dirk Kaufmann
Redaktion: Klaus Ulrich

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