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Welt

Milliardenklage gegen Anglo American

Ehemalige Bergarbeiter verklagen Anglo American: Der Konzern soll über Jahre hinweg Sicherheitsstandards missachtet haben. Die Folge: schwere, unheilbare Lungenerkrankungen. Anglo American weist jede Schuld zurück.

Minenarbeiter unter Tage (Foto: AP)

Minenarbeiter klagen gegen Anglo American

Einmal eingeatmet, setzen sich die Staubpartikel auf der Lunge ab, zerstören nach und nach das Lungengewebe und schneiden die Luftzufuhr zum Körper ab: Bis zu zwanzig Jahre kann es dauern, bis sich die Symptome der Lungenkrankheit Silikose entwickeln. Eine Heilung gibt es nicht. Betroffene sind besonders anfällig für andere Lungenerkrankungen, etwa Tuberkulose. Eine britische Anwaltskanzlei hat im Namen von 450 meist schwarzafrikanischen Bergarbeitern, die an Silikose erkrankt sind, am Mittwoch (21.09.2011) in London Klage gegen eine südafrikanische Tochtergesellschaft von Anglo American eingereicht. Der Baukonzern ist einer der größten der Welt und hat seine Firmensitze in London und Johannesburg. Anglo American soll bis in die späten 1990er Jahre in seinen südafrikanischen Bergwerken Mindeststandards bei den Arbeitsbedingungen missachtet haben.

"Wir glauben, dass die Industrie in ihrem Profitstreben, die Gesundheit der Minenarbeiter auf's Spiel gesetzt hat", sagte Richard Meeran, der Anwalt der Kanzlei Leigh Day & Co. Während ihrer Arbeit unter Tage hätten sie über Jahre hinweg große Mengen an Staub eingeatmet. Dem Vernehmen nach mussten vor allem schwarzafrikanische Arbeiter ohne Mundschutz arbeiten. Auch soll es oftmals keine Duschen vor Ort gegeben haben, um den Staub abzuwaschen.

Klage nur Spitze des Eisbergs

Tuberkulöse Lunge (Foto: dpa)

Viele der Minenarbeiter haben Tuberkulose

Meeran sagte, die Arbeiter seien vor allem in den ländlichen Gegenden der westlichen Kapprovinz sowie in den Nachbarländern Lesotho und Botswana rekrutiert worden. Die 450 Betroffenen, die jetzt klagten, seien lediglich die Spitze des Eisbergs.

Ein Sprecher des Konzerns wies die Vorwürfe entschieden zurück. Die Bergwerke würden von Firmen betrieben, die Anglo American anteilig gehörten. Diese hätten alle nötigen Schritte unternommen, um die Arbeiter zu schützen. "Wir von Anglo American glauben nicht, dass wir in irgendeiner Weise für die Silikose-Ansprüche der ehemaligen Gold-Bergarbeiter verantwortlich sind. Wir werden uns gegen diese Klage wehren", sagte der Sprecher weiter.

Mögliche Klagewelle

Ein südafrikanisches Gericht hatte Anfang des Jahres entschieden, dass Bergarbeiter, die an Lungenkrankheiten leiden, ihre Arbeitgeber verklagen können. Anwälte rechnen damit, dass nun auch Verfahren, die sich bereits seit Jahren hinziehen, schneller abgeschlossen werden können.

Autorin: Naomi Conrad (afp, ap, rtr)

Redaktion: Susanne Eickenfonder

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