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Wirtschaft

Milliardendeal: Chinesen kaufen deutschen Müllverbrenner

Chinesische Konzerne sind auf Einkaufstour in Europa und haben es dabei vor allem auf deutsche Technologie abgesehen. Jetzt wollen sie für 1,44 Milliarden Euro den Betreiber von 18 Müllverbrennungsanlagen kaufen.

In Deutschland bahnt sich die erste Milliarden-Übernahme durch ein Unternehmen aus China an. Beijing Enterprise hat den Zuschlag für 18 Müllverbrennungsanlagen erhalten, die der schwedische Finanzinvestor EQT vor knapp drei Jahren vom Energieversorger E.ON übernommen hatte. Der bisherige Eigentümer von EEW Energy from Waste bezifferte den Preis für die Anteile am Donnerstag auf 1,44 Milliarden Euro.

Einschließlich Schulden müssen die Chinesen zwei Insidern zufolge sogar 1,8 Milliarden Euro stemmen. Beijing Enterprise stach damit unter anderem den finnischen Versorger Fortum und die deutsche Steag, aber auch zwei chinesische Rivalen aus. "Das Rennen war sehr knapp, der Zweitplatzierte hat zwei Prozent weniger geboten", sagte ein Insider.

Behörden müssen noch zustimmen

Das Bundeswirtschaftsministerium muss dem Verkauf an die Chinesen nach dem Außenwirtschaftsgesetz noch zustimmen. EQT rechnet bis Ende Februar mit grünem Licht aus Berlin.

EEW Energy from Waste aus dem niedersächsischen Helmstedt betreibt mit 1050 Mitarbeitern Müllöfen, in denen aus Abfall Strom, Dampf und Fernwärme erzeugt wird. Selbst der Abfall aus dem verbrannten Abfall - größtenteils Schlacke - kann noch im Straßenbau verwendet werden.

Mit der Technik hoffen die Chinesen, die wachsenden Müllberge zu bewältigen, die sich unter anderem um die Hauptstadt Peking buchstäblich auftürmen. Die chinesische Regierung schätzt den Inhalt der Müllhalden auf sieben Milliarden Tonnen. Sie hatte 2013 insgesamt 16 Milliarden Dollar für die Verbesserung der Müllentsorgung bereitgestellt. Bis 2030 sollen 30 Prozent des Abfalls verbrannt und damit zur Stromerzeugung verwendet werden.

Das Geschäft mit der Müllverbrennung ist durchaus lukrativ. EEW erwartet für das abgelaufene Jahr einen operativen Gewinn von 190 Millionen Euro, der Umsatz lag 2014 bei 539 Millionen.

36 chinesische Übernahmen in Deutschland in einem Jahr

Chinesische Konzerne sind seit Jahren auf Einkaufstour in Europa und haben es dabei vor allem auf deutsche Technologie abgesehen. So wurde ebenfalls am Donnerstag bekannt, dass der chinesische Klimaanlagen- und Haushaltsgerätebauer Midea seine Beteiligung am Augsburger Roboterbauer Kuka von gut fünf Prozent auf 10,22 Prozent erhöht hat. Am Mittwoch hatte der Chemieriese ChemChina mit der 43 Milliarden Euro schweren Übernahme des Schweizer Saatgut- und Pflanzenschutz-Konzerns Syngenta für Aufsehen gesorgt.

Allein 2015 kauften chinesische Firmen 36 deutsche Unternehmen. Oft kamen sie in Bieterverfahren aber nicht zum Zug, weil sie zu unflexibel und langsam agiert hatten. Beijing Enterprise hatte sich für EEW Hilfe von den Investmentbankern von Lazard und UBS geholt; Morgan Stanley hatte EQT beraten.

Erst im Januar hatte ChemChina mit dem 925 Millionen Euro teuren Münchener Plastikmaschinen-Bauer KraussMaffei die bis dahin größte chinesische Übernahme in Deutschland angebahnt. Auch im Wettbieten um die Glühlampen-Sparte von Osram sind Insidern zufolge Interessenten aus China im Rennen.

wen/hmf (rtr, dpa)