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Wirtschaft

Milliarden für die Freizeit

Die Deutschen haben den Ruf, viel und fleißig zu arbeiten, aber sie haben auch gerne frei. Allerdings gaben sie in der Krise weniger für ihre Freizeit aus. Nun steht die Freizeitbranche vor neuen Herausforderungen.

Symbolbild: Papierboot auf einer Seekarte (Foto: Fotolia)

Für Freizeit und Reisen geben die Deutschen gerne Geld aus

In Düsseldorf hat am Samstag (22.01.2011) die weltgrößte Wassersportmesse der Welt, die "Boot", begonnen. Aussteller aus 60 Ländern stellen hier bis zum 30. Januar alle Facetten des Wassersports vor - vom Angelhaken bis zur Groß-Jacht. Wie so ziemlich alle Bereiche in der Freizeitbranche, musste auch die Wassersportbranche während der Wirtschaftskrise einiges an Federn lassen. Allerdings kehrt langsam der Optimismus zurück. "Es geht voran. Wir haben ein Umsatzplus etwa von fünf Prozent für alle maritimen Güter und Dienstleistungen. Gesamtumsatz ist etwa auf 1,7 Milliarden Euro gestiegen", sagt Jürgen Tracht, der Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft.

Segelboote im Hafen des Fischerdorfes Wieck (Foto: picture alliance)

Boote brauchen Pflege und Ausrüstung

Nach der Krise gebe es zum einen Nachholbedarf, meint Tracht. Die Leute hätten in den letzten Jahren weniger Boote, weniger Ausrüstung und weniger Zubehör gekauft. Aber "Irgendwann braucht man doch mal was. Denn wir haben ja immerhin 500.000 Boote in Deutschland. Die müssen gepflegt und ausgerüstet werden". Und natürlich trage auch die wirtschaftliche Erholung dazu bei, dass das Geld wieder lockerer in der Tasche sitzt.

255 Euro für die Freizeit

Auch wenn die Stimmung der Verbraucher besser geworden ist, sie haben nur einen begrenzten finanziellen Rahmen, den die Freizeit-Ausgaben nicht sprengen dürfen. Wo dieser Rahmen liegt, erklärt Kristina Kott. Sie analysiert beim Statistischen Bundesamt die Zahlen aus diesem Bereich. "Einem Haushalt in Deutschland stehen im Durchschnitt 3000 Euro zur Verfügung. Und für den Bereich Freizeit gibt ein Haushalt durchschnittlich 255 Euro im Monat aus."

Mit ihren Koffern warten Flugreisende auf dem Flughafen in Frankfurt (Foto: dpa)

Diese Zahlen werden alle fünf Jahre vom Statistischen Bundesamt ermittelt. Die letzte fand übrigens 2008 statt. Von ihrem Freizeitbudget geben die Deutschen das meiste, nämlich rund 67 Euro, für den Dienstleistungsbereich aus, erklärt Kott. Also unter anderem für den Besuch von Kultur- und Sportveranstaltungen, für Hobbykurse, für das Fitnessstudio und für Rundfunk- und Fernsehgebühren. Fast genauso viel gibt ein Durchschnittshaushalt für Pauschalreisen aus, im Durchschnitt 61 Euro pro Monat. Mit großem Abstand folgen als nächstes die Ausgaben für Zeitungen und Zeitschriften und Blumen und Gärten. Hierfür werden rund 20 Euro ausgegeben.

Reiseausgaben sind Deutschen heilig

Während das verfügbare Einkommen seit der letzten Erhebung von 2003 um rund 100 Euro gestiegen ist, haben die Deutschen für ihre Freizeit etwas weniger ausgegeben. Schuld sind vor allem steigende Miet- und Energiekosten. In einem Freizeitbereich wird allerdings nicht gespart: Reisen. "Eher verzichten die Deutschen auf die neue Couchgarnitur, auf die neue HiFi-Anlage, selbst auf die Vorsorge fürs Alter, als dass die besten Wochen des Jahres zu Hause verbracht werden müssen", sagt Professor Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. "Nicht umsonst gelten wir als Reiseweltmeister. Und schließlich arbeiten wir eben auch 50 Wochen, um uns dann im Schnitt wenigstens knapp zwei Wochen Auszeit zu gönnen, einen Kontrast zum Alltag zu haben."

Senioren auf dem Vormarsch

Egal ob Mann oder Frau, reich oder arm, jung oder alt - Urlaub ist überall gleich beliebt. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird es allerdings in 20 Jahren doppelt soviel über 60-Jährige wie unter 20-Jährige geben. Insofern werden die Senioren als Zielgruppe für die Reiseveranstalter, aber auch für andere Freizeitsektoren immer wichtiger.

Damen in einem Seniorenzentrum (Foto: dpa)

Die Senioren der Zukunft sind aktiv und wollen was erleben

"Das führt dazu, dass an sich jeder Freizeitsektor sich über die ältere Generation Gedanken machen muss", sagt Reinhardt. Dazu gehöre, dass Freizeitparks mehr passive Angebote machen müssen - also mehr Shows, Paraden und Möglichkeiten sich auszuruhen. Und Fitnessstudios sollten beispielsweise Krafttraining auch für die Generation 50 plus, 60 plus, 70 plus anbieten.

Den demographischen Wandel bekommt auch die Wassersportbranche zu spüren, wie der Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft, Jürgen Tracht, erklärt: "Es gibt immer mehr Leute, die ihre Boote verkaufen aus Altersgründen. Und es rücken nicht genügend Junge nach." Dadurch steige das Angebot auf dem Markt für Gebrauchtboote. In der Folge seien auch die Preise für gebrauchte Boote in den letzten zwei bis drei Jahren etwa um 20 Prozent im Durchschnitt gesunken, sagt Tracht. Damit wird die Kluft zwischen dem Preis eines neuen Bootes und dem Wert des vorhandenen immer größer, was natürlich den Verkauf neuer Jachten schwerer macht. Somit wartet nach der Wirtschaftskrise schon die nächste große Herausforderung auf die Freizeitbranche: der demographische Wandel.

Autor: Marco Müller

Redaktion: Insa Wrede

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