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Kultur

Milliardär - Playboy - Kunstmäzen

Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza war Kunstsammler aus Leidenschaft - als Kapitalanlage sah er seine Gemälde nicht. Der am 27. April 2002 im Alter von 81 Jahren gestorbene Milliardär hätte das auch nicht nötig gehabt

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Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza ist tot

"Ich kaufe nicht, um wieder zu verkaufen. Wenn mir ein Bild gefällt, bin ich wie besessen und muss es einfach haben", sagte der Schweizer Baron in einem seiner letzten Interviews. Und so trug der Mäzen deutsch- ungarischer Abstammung in den vergangenen 50 Jahren eine der großartigsten privaten Gemäldesammlungen der Welt zusammen.

Eine der größten Sammlungen der Welt

Die Kollektion des einstigen Industriellen umfasst rund 1600 Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen alter Meister und vor allem moderner Künstler. Dass "Heini", wie ihn seine Freunde nannten, die Sammlung größtenteils vom Luganer See nach Madrid verlegte, ist vor allem seiner fünften Ehefrau, Carmen "Tita" Cervera, zu verdanken, die er 1985 heiratete. Die 59-jährige frühere "Miss Spanien" und Witwe von "Tarzan"-Darsteller Lex Barker überzeugte den Baron seinerzeit von dem Projekt des spanisches Staates, der den Madrider Villahermosa-Palast gegenüber der Prado-Pinakothek umbaute und in das 1992 eröffnete "Thyssen-Bornemisza-Museum" umwandelte.

Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza

So groß wie seine Liebe für die Kunst war lange Zeit auch Thyssen-Bornemiszas Leidenschaft für die Frauen. "Es ist wie bei den Bildern: Beim Betrachten fühlt man ein Kribbeln im Bauch und möchte sie besitzen." Doch die wüsten Tage, in denen der Baron mit den blauen Augen den Ruf eines Playboy genoss, waren lange vorbei. Auch rauschende Partys im Kreise des Jet-Set gehörten immer mehr der Vergangenheit an, seitdem er sich in den 90er Jahren mehrerer Herzoperationen unterzog.

"Der Prozess des Jahrhunderts"

Das Interesse der Regenbogenpresse ließ trotzdem nicht nach. Im Vordergrund stand aber der Millionenstreit um das Erbe des Kunstmäzens. Der "Prozess des Jahrhunderts" begann 1999 vor einem Gericht auf den Bermuda-Inseln, wo das Firmenimperium der Familie aus steuerlichen Gründen seinen Sitz hat. Thyssen-Bornemisza hatte seinen ältesten Sohn Georg Heinrich verklagt, weil dieser als neuer Herr über das Firmenkonglomerat TGB das Industrieerbe angeblich zu Ungunsten seines Vaters verwaltete und ihm zu wenig Geld für den Ruhestand überwies. Der Streitwert wurde auf rund drei Milliarden Euro geschätzt. Vor wenigen Monaten erst konnte der "Krieg der Heinis" mit einer Einigung vor Gericht beigelegt werden.

Der "Herr Baron" aus reichem Haus

Thyssen-Bornemisza war der letzte herausragende Repräsentant einer Familie, die ein Jahrhundert lang zu den mächtigsten in Europa gehört und an der Spitze eines Imperiums von Schwerindustrien gestanden hatte. August Thyssen, der Großvater von Hans-Heinrich, legte 1871 den Grundstein für einen der größten deutschen Montan-Konzerne. Dessen Sohn Fritz unterstützte als einer der ersten Großunternehmer Adolf Hitlers NSDAP, sagte sich aber wegen der Judenverfolgungen später von den Nazis los. Der Bruder Heinrich war dagegen von Anfang an ein überzeugter Gegner der Nationalsozialisten.

Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza, der Sohn Heinrichs und der ungarischen Baronin Margit Bornemisza, wurde am 13. April 1921 bei Den Haag geboren. Er baute nach dem Zweiten Weltkrieg das angeschlagene Imperium neu auf und erweiterte die Kunstsammlung seines Vaters. Als er 1950 die Schweizer Staatsbürgerschaft annahm, musste er offiziell auf den Adelstitel verzichten. Doch er blieb der "Herr Baron". Zu seiner Sammlerleidenschaft sagte er einst in seiner jovial-sympathischen Art: "Gemälde haben im Vergleich zu Frauen einen Vorzug - man hängt sie an die Wand, und dort schweigen sie." (dpa/fro)

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