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Globale Zusammenarbeit

Millenniumsziele an die heutige Zeit anpassen

Armutsbekämpfung hängt nicht nur vom Klimaschutz und Bildung ab. Auch die Finanzmärkte müssen neu geregelt werden. Sind die Millenniumsziele daher nicht mehr zeitgemäß? Experten fordern ein neues Entwicklungskonzept.

Der Charme einer Sache kann auch zu ihrem Problem werden. Genau das scheint derzeit mit den UN-Millenniumsentwicklungszielen zu passieren. Im Jahre 2000 von den Vereinten Nationen verabschiedet, galten sie lange als besonders schlagkräftig. Denn die acht Ziele zur weltweiten Armutsbekämpfung sind simpel formuliert und mit einem klaren Zeitlimit versehen. Bis zum Jahr 2015 sollte danach die Anzahl der absolut armen Menschen auf der Welt halbiert sein, alle Kinder rund um den Globus sollten Grundschulbildung genießen, Mütter- und Kindersterblichkeit drastisch gesenkt werden. Der Kampf gegen Benachteiligung von Frauen, gegen Malaria und HIV/Aids, für Zugang zu sauberem Trinkwasser und das Versprechen einer globalen Entwicklungspartnerschaft sind die weiteren, vor zwölf Jahren formulierten Ziele.

Zwar sind global gesehen durchaus Fortschritte zu verzeichnen, doch einzelne Länder, vor allem in Sub-Sahara Afrika, sind weit davon entfernt, alle Millenniumsziele zu erreichen. Zudem wird nun immer mehr Kritik an der Einfachheit der Ziele laut – in einer komplexer werdenden Welt seien sie für echte Entwicklung nicht mehr geeignet und sparten wichtige Bereiche, wie etwa Klima und Ökologie aus, heißt es.

Eine Ferienschule der NGO India Sponsorship Committee. Hier lernen Kinder ärmeren Schichten Leder, Hand- und Näharbeiten. (Foto: DW/ P. Chandavarkar)

Bildung ist ein Schlüssel zur Überwindung von Armut

Nord-Süd-Gefälle

Außerdem würden die verschiedenen Kulturen der Länder im Entwicklungsbegriff, der den Millenniumszielen zugrunde liegt, nicht berücksichtigt. Ein One-Size-Fits-All Konzept sei hier nicht geeignet, findet etwa Kartikeya Sarabhai, Direktor des indischen Zentrums für Umwelterziehung – und nennt als Beispiel das Millenniumsziel Nummer zwei. "Natürlich muss Alphabetismus und Bildung für alle ein universeller Anspruch bleiben", so Sarabhai. "Aber wir müssen auch anerkennen, dass Bildung nicht nur in der Schule stattfindet." In vielen Ländern geschehe sie stattdessen traditionellerweise zu Hause. "Also müsste man dort auch das häusliche Umfeld stärken, um dieses Ziel zu erreichen und nicht nur das schulische."

Ganz ähnlich denkt Paolo Schönardi, Experte für ländliche Entwicklung aus Brasilien und Stipendiat des deutschen Evangelischen Entwicklungsdienstes, EED. Die Millenniumsziele, so Schönardi, seien schon deshalb nicht kulturell angepasst, weil sie von den mächtigeren Industrienationen für den Süden formuliert wurden. Dagegen habe man im Norden nur wenig dazu beigetragen, diese Ziele zu erreichen.

Demonstration gegen die Macht der Finanzmärkte in Frankfurt am Main (Foto: dapd)

Gegen die Macht der Finanzmärkte wird weltweit demonstriert - wie hier in Frankfurt

Den Norden in die Pflicht nehmen

Das zu ändern, daran arbeitet derzeit die international besetzte "Reflection Group on MDGs". Einer ihrer Mitglieder ist Jens Martens vom Global Policy Forum, einem entwicklungspolitischen Think Tank. Martens: "Wir müssen Ziele formulieren, die zum Beispiel auch für Länder wie Deutschland gelten – etwa im ökologischen Bereich. Denn nur wenn wir dort, etwa beim Klimawandel und beim Co2-Aussstoß pro Kopf Grenzen setzen, kann sich auch Entwicklung in den Ländern des Südens vollziehen."

Prof. Dr. Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE)

"Wir brauchen ein neues Entwicklungskonzept", sagt Dirk Messner vom DIE

Anstelle der bisherigen Millenniumsziele regt die Gruppe eine "Charta für nachhaltige Entwicklung" an, die auf zehn bis 15 Ziele erweitert sein und neben Ökologie und Klima auch Themen wie Regeln für Finanzmärkte und Bekämpfung von Steueroasen umfassen könnte. Die USA, die EU und auch die Gruppe der G-77 Länder hätten sich bereits positiv zu diesem neuen Ansatz geäußert, so Martens. Und im Juni wolle UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine hochrangige Expertengruppe dazu einberufen.

Natürlich mache der neue, komplexe Ansatz die Sache nicht gerade leichter, aber an einem Umdenken führt kein Weg vorbei, findet Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, DIE. So lebten wir in einem neuen Zeitalter – dem Anthropo-Zen - in dem das Wohl und Wehe des Planten erstmals vom Verhalten des Menschen abhängt. Und deshalb, so Messner "müssen wir ein Entwicklungskonzept schaffen, das den Anforderungen des Anthropo-Zen gerecht wird."

Autorin: Monika Hoegen
Redaktion: Mirjam Gehrke

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