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Kultur

Militärmuseum Dresden: Kunst statt Krieg

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden hat eine neue architektonische Hülle und eine friedliche Botschaft. Es zeigt nicht bloß alte Waffen, sondern regt zum Nachdenken über den Krieg an.

Militärhistorisches Museum Dresden mit Einbau von Daniel Libeskind Foto: DW

"Krieg ist ein Akt der Gewalt", liest der Besucher auf dem elektronischen Laufband am Eingang zur Ausstellung. Das Zitat stammt vom Militärhistoriker Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz, notiert vor knapp 200 Jahren. Durch ein Tor betritt man den neuen Ausstellungsanbau des alten Museumsgebäudes, entworfen von Daniel Libeskind. Der polnisch-amerikanische Star-Architekt hat einen Keil aus Stahl in das schlossähnliche Anwesen getrieben, das bereits seit 1897 Sammlungen der Armee beherbergt: zuerst eine Königliche Arsenal-Sammlung, während des 2. Weltkriegs das Heeresmuseum der Wehrmacht, später das Armeemuseum der DDR. Seit der deutschen Wiedervereinigung gehört das Haus der Bundeswehr. Der moderne Umbau wagt eine Zäsur. Die Botschaft ist klar: Einschnitte wagen, weg vom bloßen Präsentieren militärischer Ausrüstungsgegenstände, von einfachen Waffen und beängstigenden Panzern, hin zur Mehrdimensionalität: zu den Zwischentönen des Krieges und seinen gesellschaftlichen Ursachen.

Liebe, Hass und Krieg

Lichtinstallation Foto: DW

Multimedia statt Waffen

Einfach, aber exemplarisch in Schwarz und Weiß, der Prolog des Künstlers Charles Sandison gleich hinter dem schiefen Eingang. In einer Videoinstallation kämpfen Liebe und Hass gegeneinander, "Loves and Hates" fließen die Wand entlang, um die Türen herum, bilden scheinbar menschliche Körper, explodieren.

Auch die Angst in einem Krieg soll im neuen Museum erlebbar werden, die der Soldaten genauso wie die der Zivilbevölkerung. In einer anderen Installation stürzen 23 Bomben aus unterschiedlichen Ländern und Zeiten von der Decke herab, regnen auf den Besucher hernieder. Auf dem Boden steht der Ein-Mann-Bunker, der die Menschen vor solchen Geschossen beschützen sollte. Eine bedrückende Stimmung herrscht hier. Ein paar Meter neben der Bomben-Installation erhellt plötzlich ein greller Blitz den Raum, an der Wand erscheint der Atompilz von Hiroshima, der Schatten des Besuchers brennt sich für Sekunden in den kalten Beton.

Angst und Zerstörung multimedial

Fahrzeug aus dem 2. Weltkrieg Foto: DW

Eher ein klassisches Exponat - Fahrzeug aus dem 2. Weltkrieg

Der Rundgang führt über vier Etagen, durch drei große, chronologisch angeordnete Epochen, vom Spätmittelalter über die düstere Zeit der beiden verheerenden Weltkriege bis hinein in die Gegenwart der Bundeswehr, inklusive ihrer derzeitigen Auslandseinsätze. Im neu konzipierten Dresdner Militärmuseum überrascht der weite Bogen, der geschlagen wird: von Kulturgeschichte über Kunst bis hin zur multimedialen Präsentation von Krieg und Zerstörung. So müsse ein modernes Museum aussehen, meint der Direktor des Hauses, Oberst Matthias Rogg. "Wir wollen keine klassische Kriegsgeschichte zeigen. Wir zeigen Militär in Staat und Gesellschaft, ordnen es in wirtschaftliche, soziale, kulturelle und mentale Bezüge ein."

Die Armee und ihre Soldaten

Soldat steht vor Militärjeep Foto: Matthias Hiekel dpa/lsn

700 Jahre Militärgeschichte auf 13.000 Quadratmetern

Eindrucksvoll wird in Dresden Geschichte erzählt, die internationaler Kriegsschauplätze genauso wie die des grausamsten deutschen Verbrechens: des Holocaust. In einem Schaukasten hängen, nebeneinander aufgereiht, Schuhe von Menschen, die in Konzentrationslagern ermordet wurden. Über 10.000 Exponate, verteilt auf 13.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, werden im neuen Militärhistorischen Museum der Bundeswehr gezeigt. Diese wandelt sich, öffnet sich, verändert ihre Außendarstellung mit diesem Ausstellungshaus. Es soll dazu beitragen, den Wandel in die gesellschaftliche Gegenwart hinauszutragen, indem es Erlebnisse schafft, die dem Besucher im Gedächtnis bleiben. Dabei werden die Einsätze der Gegenwart nicht ausgespart: In einem Raum steht ein Panzer, der erst vor wenigen Jahren in Afghanistan unter Beschuss geraten ist. Nur mit Glück hatten drei deutsche Soldaten den Angriff der Taliban überlebt.

Die Bundeswehr braucht Nachwuchs

Museum aus der Luft aufgenommen Foto: Matthias Hiekel dpa/lsn

Das neue Museum aus der Luft

Es sei nicht einfach, den derzeitigen Wandel der Bundeswehr von der Wehrpflicht hin zur Freiwilligenarmee im Detail abzubilden, erklärt Direktor Matthias Rogg. Denn der gegenwärtige Transformationsprozess sei schwer darzustellen. Trotzdem macht Rogg die Bundeswehreinsätze in Afghanistan, am Horn von Afrika oder auf dem Balkan zum Thema. Der Oberst hofft, mit diesem Konzept neue Denkräume zu öffnen. "Wir möchten Impulse geben, zeigen, dass wir Militärgeschichte auch anders erzählen können." Und wer es anders erzählt, der denkt vielleicht auch anders. Wer weiß - vielleicht kann diese zeitgemäße Ausstellung junge Menschen für die Bundeswehr begeistern. "Das würde uns sehr freuen", sagt Rogg.

Autor: Ronny Arnold

Redaktion: Sabine Oelze

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