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Welt

Militärisches Training für Malis Soldaten

Die malische Armee gilt als schlecht ausgebildet und ausgerüstet und deshalb für den Kampf gegen Terroristen untauglich. Militärausbilder der EU sollen das nun ändern. Doch es gibt Zweifel am Erfolg.

Am 17. Januar hat der Ministerrat der Europäischen Union grünes Licht gegeben: Die EU will 400 bis 450 Militärs aus Europa nach Mali schicken, die der malischen Armee bei der Ausbildung helfen sollen. Die Vorbereitungen laufen, und im März soll das Training beginnen. All das hört sich schleppend an, da sich der Norden Malis längst im Krieg befindet. Seit zwei Wochen kämpft die französische Armee gemeinsam mit den malischen Soldaten. Dafür sollten diese eigentlich schon längst ausgebildet worden sein. Dennoch weist Richard Zink, Chef der EU-Delegation in Mali, den Vorwurf zurück, dass es für eine Ausbildungsmission viel zu spät sei: "Für EU-Verhältnisse ist das eine sehr schnelle Mission. Das ist ja kein Kampfeinsatz, sondern ein Ausbildungseinsatz."

Dass die Europäische Union afrikanischen Soldaten bei der Ausbildung hilft, ist nicht unüblich. Über zwei Jahre wurden beispielsweise somalische Soldaten ausgebildet. "Nach allen Informationen war das eines der erfolgreichsten Vorhaben", betont Zink. An diesem Konzept wollen sich nun die Ausbilder in Mali orientieren.

Die Amerikaner sind schon gescheitert

Eine Transall-Maschine der Bundeswehr auf dem Rollfeld des Flughafens von Bamako.(Foto: DW/ Katrin Gänsler)

Die erste deutsche Transall-Maschine landet auf dem Flughafen von Bamako

Allerdings gibt es Zweifel, ob sich der Erfolg aus Somalia kopieren lässt. Denn in Mali hat es in der Vergangenheit längst Unterstützung für die Armee von Europa und den USA gegeben. Besonders in Erinnerung geblieben ist dabei eine Mission amerikanischer Soldaten: Rund um die Stadt Timbuktu bildeten sie malische Kollegen in Terrorismusbekämpfung aus. "Soviel ich weiß, sind anschließend mehr als 80 Soldaten desertiert, die von den Amerikanern ausgebildet wurden. Waffen und Gepäck haben sie mitgenommen", sagt Professor Modibo Goita, Dozent an der Schule für Friedenssicherung in Bamako. 

Die Fahnenflüchtigen liefen ausgerechnet über zur Befreiungsbewegung von Azawad - der MNLA. Diese hatte Anfang 2012 den Kampf gegen die Regierungstruppen im Norden aufgenommen. In der Stadt Aguelhok soll sie Mitte Januar 2012 ein besonders blutiges Massaker angerichtet haben. Opfer waren vor allem malische Soldaten.

Gescheiterte Integration

Ein Soldat steht vor einer Transall-Maschine (Foto: DW/ Katrin Gänsler)

Ein deutscher Soldat vor einer Transall-Maschine in Bamako

Professor Goita fällt es schwer, dafür eine Erklärung zu finden. Am ehesten geht er davon aus, dass es ein Beispiel für die gescheiterte nationale Integration darstellt. Denn nach den zurückliegenden Tuareg-Rebellionen sollten die Tuareg - sie fühlen sich seit Jahrzehnten in Mali benachteiligt - besser in den malischen Staat eingebunden werden. Dafür wurden viele Tuareg in die Armee aufgenommen, obwohl ihnen die formelle Ausbildung fehlte. "Es ist alles geschehen, um auf nationaler Ebene Versöhnung zu schaffen", so Goita.

Allerdings ist die gescheiterte Integration nur eine der Schwierigkeiten, mit denen die malischen Streitkräfte zu kämpfen haben. Seit Monaten kann niemand genaue Zahlen nennen, wie viele Soldaten es überhaupt noch gibt. Schätzungen gehen von 4000 bis 6500 aus - verlässliche Zahlen gibt es hierzu nicht. Seit dem Militärputsch vom 22. März 2012 gilt die Armee außerdem als gespalten. Denn längst nicht alle Soldaten haben das Vorgehen von Hauptmann Amadou Haya Sanogo, dem Chef der Putschisten, für richtig gehalten.

Soldaten haben ein sicheres Einkommen

Französische Soldaten sitzen auf gepanzerten Fahrzeugen in Bamako (Foto: DW/ Katrin Gänsler)

Französische Soldaten in Bamako

Für Peny Harivongs - ein französischer Offizier, der mehr als ein Jahr in Mali gearbeitet hat - gibt es noch viel tiefgreifendere Probleme: Kaum jemand identifiziere sich mit der Armee. "In vielen afrikanischen Ländern geht man zur Armee, weil man einen Funktionärsposten erhalten kann. Das bedeutet, dass man am Monatsende ein Gehalt bekommt." Daher würden sowohl Motivation als auch Disziplin fehlen.

Außerdem würden die Streitkräfte von afrikanischen Staatsoberhäuptern stiefmütterlich behandelt, findet Harivongs. Wenn nicht gerade der Kriegsfall eintrete, könne man sich mit einer gut ausgebildeten Armee nicht schmücken. Deshalb würde viel zu wenig Geld in die Ausrüstung und das Training der Soldaten gesteckt werden.

Geändert hat sich in Mali in den vergangenen Monaten aber eines: Durch die dramatischen Entwicklungen im Norden ist deutlich geworden, dass eine gut ausgerüstete Armee immens wichtig ist. Darauf baut auch EU-Delegationschef Richard Zink: "Die Malier sind offen für Unterstützung. Das ist eine Chance für uns."

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