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Aktuell Afrika

Militäreinsatz auf Kosten der Zivilisten?

Ein Militäreinsatz zur gewaltsamen Vertreibung der Islamisten aus dem Norden Malis ist in Vorbereitung. Hilfsorganisationen sehen dies mit Skepsis. Die Bevölkerung hätte einen hohen Preis für die Befreiung zu zahlen.

Das Internationale Rote Kreuz warnte vor den Folgen einer militärischen Intervention zur Befreiung Nordmalis von der Herrschaft der Islamisten für die Bevölkerung. Die Menschen müssten dafür ein hohen "humanitären Preis" zahlen, sagte der Präsident des IKRK, Peter Maurer, in Genf. Eine halbe Million Männer, Frauen und Kinder im Norden Malis seien schon jetzt auf Lebensmittelhilfe von außen angewiesen. Das sei etwa die Hälfte der Bevölkerung in der Region. Die Lage der Menschen sei besorgniserregend.

Auch die Hilfswerke der Vereinten Nationen reagierten zurückhaltend auf die Pläne für einen Militäreinsatz. Das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe erklärte, man müsse die Islamisten an ihren Taten messen. Das Welternährungsprogramm betonte, der Zugang für Helfer zu den Bedürftigen müsse unter allen Umständen sichergestellt werden. Die Hilfsprogramme sind "deutlich unterfinanziert", wie das UN-Flüchtlingskommissariat berichtete. Neben der Sicherheitslage sei die Wasserversorgung der Flüchtlinge in der Sahel-Zone das größte Problem. Nach UN-Angaben sind mittlerweile mehr als 200.000 Menschen vor der Gewalt im Norden Malis ins benachbarte Ausland geflohen, etwa die gleiche Zahl sei im eigenen Land auf der Flucht.

Vorbereitungen für Militäreinsatz laufen

Seit vor rund sieben Monaten eine Allianz aus Islamisten und Tuareg-Rebelen im Norden Malis die Macht an sich gerissen hat, wachsen die Sorgen in der afrikanischen Nachbarschaft wie im Westen. Westliche Regierungen fürchten Zustände wie in Somalia, dem Jemen oder Afghanistan. Die afrikanischen Staaten wollen eine Ausweitung des Konflikts über die Grenzen Malis hinaus verhindern.

So haben denn am Dienstag die Armeechefs mehrerer afrikanischer Länder gemeinsam mit Militärexperten der Vereinten Nationen und aus Europa in Malis Haupstadt Bamako die strategischen Einzelheiten für eine Militärmission zur gewaltsamen Vertreibung der Islamisten ausgearbeitet. "Befreundete Truppen" sollten dabei helfen, den Norden des Landes von islamischen Extremisten zurückzuerobern, erklärte Malis Generalstabschef Ibrahim Dembele nach dem Treffen. Bislang wurden nur wenige Einzelheiten über die geplante Eingreiftruppe von mindestens 4.000 Soldaten bekannt.

Entscheidung am Wochenende?

Der französische Auslandssender RFI berichtete, der Einsatzplan solle am Wochenende von den Staats-und Regierungschefs der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) auf einem Gipfel in Nigeria beschlossen werden. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird voraussichtlich am 26. November über ein UN-Mandat für einen Einsatz zur Vertreibung der Islamisten entscheiden, vorausgesetzt die genauen Pläne liegen zu diesem Zeitpunkt vor. Etwa 200 Militärbeobachter will die Europäische Union schicken, um die Führung in Bamako zu unterstützen. Zudem erwägt die EU, die afrikanische Eingreiftruppe logistisch zu unterstützen, denn dieser mangelt es an Transportkapazitäten. Die Bundesregierung hat die grundsätzliche Bereitschaft Deutschlands zur Beteiligung an einer möglichen europäischen Ausbildungsmission bekundet, will aber keine Kampftruppen entsenden.

Die islamistischen Rebellen der Ansar Dine, die den Norden Malis terrorisieren, erklärten sich inzwischen laut Medienberichten zu einer Waffenruhe und zu Verhandlungen mit der Regierung bereit. Zudem sollen humanitäre Helfer Zugang zu den von ihnen kontrollierten Gebieten bekommen.

qu/kle (afp,rtre,epd,kna)