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Afrika

Militärchef der libyschen Rebellen getötet

Junes war Gaddafis Innenminister, lief dann zu den Rebellen über und war ihr Militärchef. Nun ist er offenbar erschossen worden. Ein herber Rückschlag für die Rebellen, die gerade eine neue Offensive begonnen hatten.

Abdel Fattah Junes (Foto: dpa)

Junes war 2010 noch Innenminister unter Gaddafi

Die libyschen Rebellen haben ihren Militärchef verloren. Abdel Fattah Junes, der Oberkommandierende der Aufständischen, sei zusammen mit zwei seiner Vertrauten bei einem Angriff getötet worden, teilte der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdul Dschalil, am Donnerstagabend (28.07.2011) in der Rebellenhochburg Bengasi mit. "Mit aller Betroffenheit informiere ich Sie hiermit über das Ableben von Abdel Fattah Junes, dem Oberbefehlshaber unserer Rebellen", sagte Dschalil.

Junes sei auf dem Weg nach Bengasi gewesen, um über "militärische Angelegenheiten" Auskünfte zu erteilen, sagte Dschalil. Bevor er und seine Begleiter ihr Ziel erreichten, seien sie aber von einer Gruppe bewaffneter Männer erschossen worden. Die Drahtzieher des Anschlags seien festgenommen worden.

Hintergründe unklar

Demonstration von Gaddafi-Gegnern (Foto: dapd)

Die Rebellen triumphieren

Zuvor hatte allerdings ein Sprecher der Aufständischen erklärt, Junes sei festgenommen und für ein Verhör nach Bengasi gebracht worden. Es habe der Verdacht bestanden, dass Junes über Familienangehörige noch immer Kontakt zum libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi habe.

Die Rebellen kämpfen für den Sturz von Gaddafi. Ihr Militärchef Junes war früher Innenminister unter Gaddafi und galt zeitweise als zweitmächtigster Mann im Lande. Im Februar wechselte er die Seiten und schloss sich der neu entstandenen Rebellenbewegung an. Wegen seines Todes rief der Übergangsrat der Rebellen eine dreitägige Trauer aus.

Rebellen rücken vor

Mustafa Abdul Dschalil (Foto: dpa)

Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, gab den Tod von Junes bekannt

Unterdessen haben die Rebellen offenbar einen militärischen Erfolg erzielt. Eigenen Angaben zufolge konnten sie am Donnerstag die Stadt Ghesaia nahe der tunesischen Grenze einnehmen. Die Stadt gilt als strategisch wichtig. Die Rebellen kämpfen seit Monaten gegen die Truppen von Gaddafi, ein entscheidender Durchbruch ist ihnen bisher aber nicht gelungen – trotz der Unterstützung durch die NATO, die Gaddafis Truppen aus der Luft angreift.

International wächst die Unterstützung für die Rebellen weiter. Auch die Bundesregierung plant offenbar einen weiteren Schritt zur Isolierung Gaddafis. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" hat Außenminister Guido Westerwelle dem Nationalen Übergangsrat in Libyen angeboten, einen diplomatischen Vertreter nach Berlin zu entsenden. Dieser wäre eine Art Gegenbotschafter zu den libyschen Diplomaten, die derzeit als Gesandte Gaddafis in Berlin residieren. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes wollte sich nicht zu dem Angebot Westerwelles äußern. Bislang sei kein Antrag des Nationalen Übergangsrat auf Übernahme der libyschen Botschaft in Berlin eingegangen, sagte sie. Die Bundesregierung hat die Rebellen schon im Juni offiziell anerkannt.

Unterstützung wächst

Die USA prüfen bereits einen Antrag der libyschen Rebellen auf die Übernahme der diplomatischen Vertretung des Landes in Washington. Der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, sagte, die Rebellen hätten einen entsprechend offiziellen Antrag gestellt. Zuletzt hatten Portugal und Großbritannien den Übergangsrat der Rebellen als einzige legitime Vertretung des libyschen Volkes anerkannt. Und Österreich kündigte an, das eingefrorene Vermögen der Gaddafi-Familie im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro den Rebellen zukommen zu lassen.

Autor: Dirk Eckert/Pia Gram (afp, dapd, dpa)

Redaktion: Reinhard Kleber/Ursula Kissel

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