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Aktuell Afrika

Militär stellt Mursi kalt

Nach der Absetzung von Präsident Mursi versucht Ägyptens Armee, den Widerstand der Islamisten gegen ihre Entmachtung im Keim zu ersticken. Mursi selbst steht unter Arrest, ein Übergangspräsident wurde bereits vereidigt.

Die ägyptische Armee hat die Festnahme des von ihr abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi bestätigt. Dieser werde "vorsorglich" festgehalten, sagte ein ranghoher Militärvertreter. Dies könnte darauf hindeuten, dass eine Strafverfolgung Mursis geplant ist.

Wie die ihm nahestehende islamistische Muslimbruderschaft mitteilte, wurde Mursi unter Hausarrest gestellt, wenig später von seinen Getreuen getrennt und ins Kairoer Verteidigungsministerium gebracht. Aus Sicherheitskreisen verlautete, Mursi werde in einem Gebäude des Militärgeheimdienstes festgehalten.

Fahndung nach Muslimbrüdern

Das Militär nahm nach eigenen Angaben zudem den Führer der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit - des politischen Arms der Muslimbrüder - Saad al-Katatny, sowie den stellvertretenden Chef der Muslimbrüder, Raschad Bajumi, fest. Laut Zeitung "Al-Ahram", die über gute Kontakte zur Armee verfügt, wurden Haftbefehle gegen insgesamt 300 Mitglieder der Muslimbruderschaft ausgestellt. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Mena meldete, die Sicherheitskräfte seien dabei, eine Reihe von Funktionären der islamistischen Partei zu verhaften, die zu Gewalt aufgerufen hätten und die "öffentliche Sicherheit und Frieden" gefährdeten.

Adli Mansur (Foto: Foto: AP)

Mursi-Nachfolger: Adli Mansur

Die Armeeführung hatte Mursi am Mittwochabend - nach nur einem Jahr im Amt - entmachtet und den Präsidenten des Verfassungsgerichts, Adli Mansur, übergangsweise mit der Staatsführung betraut. Mittlerweile wurde der 67-Jährige vereidigt. Mansur war erst Anfang des Monats an die Spitze des Verfassungsgerichts gerückt, vorher war er dessen Vizepräsident. Der Jurist hatte unter anderem die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Präsidentschaftswahl 2012 miterarbeitet, aus der Mursi als Sieger hervorging.

Mursi bezeichnete seine Entmachtung als "Putsch". Zugleich rief er die Ägypter auf, friedlich zu bleiben und Blutvergießen zu vermeiden. Dem Sturz Mursis vorausgegangen waren tagelange Massenproteste gegen den Staatschef, dem seine Gegner vorwerfen, die Revolution von 2011 verraten zu haben. Armeechef Abdel Fatah al-Sisi kündigte die Bildung einer Regierung aus Fachleuten an. Die islamistisch geprägte Verfassung soll außer Kraft gesetzt und überarbeitet werden. Zudem soll es rasch ein neuer Präsident gewählt werden. Ein Zeitplan wurde nicht genannt. Der Oppositionspolitiker Amr Mussa teilte mit, die Konsultationen zur Regierungsbildung hätten bereits begonnen.

Jubel auf dem Tahrir-Platz (Foto: Reuters)

Jubel auf dem Tahrir-Platz

Zehntausende Ägypter feierten Mursis Entmachtung bis zum Donnerstagmorgen auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo. Feuerwerk wurde gezündet, es herrschte Jubelstimmung, hupende Autokorsos kreuzten durch die Hauptstadt. Bei nächtlichen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis in mehreren Städten wurden laut jüngsten Agenturberichten mindestens zwölf Menschen getötet.

wa/pg (rtr, dpa, afp)

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