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Asien

Milde Urteile für größte Industriekatastrophe

25 Jahre nach der Giftgas-Katastrophe im indischen Bhopal sind jetzt die ersten Urteile gegen Verantwortliche der US-Firma Union Carbide gefällt worden. Opferverbände kritisieren die Strafen als viel zu mild.

Einfahrt zu 'Union Carbide'-Gelände (Archivfoto: AP)

Der Name Union Carbide steht in Bhopal für Tod und Leid

Maximal zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe drohen den sieben Männern, die laut Gericht mitverantwortlich für die größte Chemiekatastrophe aller Zeiten sind. Ein Vierteljahrhundert nach dem Giftgasunfall hat ein indisches Strafgericht in Bhopal die Angeklagten der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Die Urteile sind allerdings noch vor höheren Gerichten anfechtbar. "Eine Höchststrafe von zwei Jahren - das ist doch wohl der größte Witz der Geschichte!", kommentierte ein Opfersprecher in Bhopal den Richterspruch.

Bis zu 30.000 Tote

Slumbewohner (Foto: AP)

Die Giftgaswolke traf vor allem Slumbewohner

Am 3. Dezember 1984 waren aus der ehemaligen Pestizidfabrik der US-Firma Union Carbide in Bhopal etwa 40 Tonnen hochgiftiges Methylisocyanat (MIC) ausgetreten. Die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass in den ersten 72 Stunden nach dem Unglück 8000 Menschen zu Tode kamen. An den Spätfolgen starben bis heute mehr als 15.000 weitere. Menschenrechtsorganisationen sprechen von bis zu 30.000 Toten insgesamt. Mindestens 100.000 Menschen wurden chronisch krank. In Bhopal werden bis heute beunruhigend viele Kinder mit Behinderungen geboren. Die Krebsrate in der Bevölkerung ist gegenüber anderen Regionen deutlich erhöht.

Vor der Verantwortung gedrückt

Warren Anderson (Foto: AP)

Sieht alle Verpflichtungen erfüllt: Ex-Chef der Union Carbide, Warren Anderson

Jahrelang hatte sich die indische Regierung um die Auslieferung des damaligen Chefs der Union Carbide, Warren Anderson, aus den USA bemüht. Ohne Erfolg. Union Carbide, das später von der US-Firma Dow Chemical übernommen wurde, hatte unmittelbar nach dem Unfall Entschädigungszahlungen in Höhe von 470 Millionen Dollar geleistet. Im Gegenzug wurden damals alle Strafverfolgungen gegen mögliche Verantwortliche fallengelassen. Für die weiteren Konsequenzen seien die indischen Behörden zuständig, meinte ein Firmensprecher im vergangenen Dezember anlässlich des 25. Jahrestages der Katastrophe.

Leere Versprechungen

Ebenfalls zum Jahrestag hatte auch der indische Premierminister Manmohan Singh den Opfern weitere Hilfe zugesichert. Die Menschen verdienten "andauernde Unterstützung und Anteilnahme", verkündete Singh in seiner Rede, die von den Opferverbänden jedoch äußerst skeptisch aufgenommen wurde. Schließlich hatte Singh bereits vor anderthalb Jahren eine unabhängige Kommission angekündigt, die sich mit Fragen wie Opferrenten und der medizinischen Versorgung beschäftigen sollte. Auf die Einlösung dieses Versprechens warten die Betroffenen bisher vergeblich.

Verheerende Spätfolgen

Firmengelände (Foto: AP)

Für die hochgiftigen Reste auf dem Firmengelände fühlt sich niemand zuständig

Auf dem alten Fabrikgrundstück von Union Carbide lagern nach Angaben von Umweltaktivisten noch immer tonnenweise giftige Chemikalien, die den Boden und das Wasser in einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern vergiften. Tausende weitere Tonnen verseuchen die sogenannten "Verdunstungsteiche", in die Union Carbide vor dem Unfall über Jahre hinweg seine Chemieabfälle geworfen hatte.

Für die Sanierung ist seit 1998 die Regierung des Bundesstaates Madhya Pradesh zuständig. Doch bis heute ist sie ihrer Aufgabe nach Angaben der Bhopal-Verbände nur halbherzig nachgekommen. Während die Behörden erklären, die Industriebrache sei sicher, weisen jüngste Studien um das Vielfache erhöhte Giftkonzentrationen im Grundwasser auf.

Autorin: Nicola Reyk (dpa, rtr, afp)
Redaktion: Esther Broders

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